Seit 30 Jahren werden am Deutschen Herzzentrum Berlin Herz-, Lungen- sowie kombinierte Herz-Lungentransplantationen durchgeführt. Damit ist eines der größten und erfolgreichsten Transplantationsprogramme Deutschlands entstanden. Als überregionales Zentrum betreuen wir Patient*innen mit schweren Herz- oder Lungenerkrankungen aus ganz Deutschland. Für diese Patient*innen ist eine Transplantation oft die letzte Hoffnung. Unsere Transplantationsambulanz ist dabei von zentraler Bedeutung: Allein 2020 kam es hier zu über 3.800 persönlichen Patientenkontakten, wobei in unserem Transplantations-Nachsorgeprogramm mehr als 600 Patient*innen betreut werden.

Ein erfahrenes und fachübergreifendes Team ist am DHZB auf die Diagnostik und Therapie von sogenannten terminalen Herz- und Lungenerkrankungen, die eine Transplantation erforderlich machen, spezialisiert. Kardiolog*innen, Pneumolog*innen sowie Herz-, Thorax- und Gefäßchirurg*innen arbeiten Hand in Hand mit Pflegekräften, Ernährungsberater*innen und Psycholog*innen, um eine individuelle Betreuung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen.

Das Programm für Herz- und Lungentransplantation am DHZB

Im Jahr 2020 wurden am DHZB 34 Herzen und 20 Lungen transplantiert – gegenüber dem Vorjahr gingen die Zahlen pandemiebedingt leicht zurück. In ganz Deutschland wurden 2020 insgesamt 339 Herz- und Herz-Lungentransplantationen durchgeführt (Quelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation DSO).

Bei schwerwiegenden Erkrankungen des Herzens oder der Lunge stellt eine Transplantation die bestmögliche Behandlungsalternative dar. Auf der einen Seite steigen dadurch die Chancen auf eine langfristig hohe Lebensqualität der Patient*innen, auf der anderen Seite handelt es sich um eine komplizierte Operation, die zu erheblichen körperlichen und seelischen Belastungen führen kann.

Da Herz und Lunge über den Blutkreislauf eng miteinander verbunden sind, können Erkrankungen des einen Organs auch Beeinträchtigungen des anderen Organs bedingen. Sind beide Organe geschädigt, wird nach Möglichkeit eine Herz-Lungentransplantation durchgeführt.

Wie ist eine Organspende organisiert?

Bei einer Transplantation von Herz und/oder Lunge wird ein unheilbar krankes Organ durch das einer hirntoten Spenderin bzw. eines hirntoten Spenders ersetzt. Der Hirntod wird dabei von zwei speziell ausgebildeten Mediziner*innen unabhängig voneinander festgestellt. 

Die Organspende ist in Deutschland durch das Transplantationsgesetz geregelt. Dieses Gesetz trennt die Bereiche Organspende, Organvermittlung und Organübertragung streng voneinander, um Interessenskonflikte auszuschließen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert und unterstützt die Prozesse der Feststellung des Hirntods der Spenderin oder des Spenders und der Organentnahme.

Die Stiftung Eurotransplant in den Niederlanden ist für die Vermittlung aller Spenderorgane zuständig, die in acht europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, entnommen werden. Transplantationszentren führen die Organverpflanzung durch.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin gehört zu den 25 Zentren für Herztransplantation und 16 Zentren für Lungentransplantation in Deutschland.

Wer bekommt ein Spenderorgan?

Eine Organtransplantation ist nur dann möglich, wenn keine andere erfolgversprechende Therapie zur Behandlung der Erkrankung gegeben ist. Da es zu wenig geeignete Spenderorgane gibt, gelten strenge Kriterien bei der Vergabe. Ausschlaggebend sind vor allem Faktoren, die ein Transplantation dringend erforderlich machen und die Erfolgsaussichten des Eingriffs erhöhen.

Ob ein*e Patient*in für eine Transplantation infrage kommt, wird von den behandelnden Ärzt*innen nach weltweit gültigen Leitlinien entschieden. So sind zum Beispiel Patient*innen, die an einer bösartigen Tumorerkrankung leiden oder andere schwerwiegende Erkrankungen haben, von einer Transplantation ausgeschlossen.

Wenn eine Patientin oder ein Patient für eine Transplantation infrage kommt, kann eine aktive Listung bei Eurotransplant erfolgen. Eurotransplant vergibt Organe nach den folgenden Kriterien:

  • Übereinstimmung der Blutgruppe
  • möglichst ähnliche Größe und Gewicht von Spender und Empfänger (+/- 15 Prozent)
  • Des Weiteren wird die Dringlichkeit entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes berücksichtigt.

Die Wartezeit kann entsprechend von Patient*in zu Patient*in deutlich variieren und bis zu mehreren Jahren dauern. 

Patient*innen mit einer akut lebensbedrohlichen und unheilbaren Herzschwäche, für die ein Spendenorgan nicht rechtzeitig zur Verfügung steht, wird deshalb heute oftmals eine künstliche Kreislaufpumpe eingesetzt. Diese Systeme werden VAD („Ventricular Assist Device“) oder auch Kunstherz-Systeme genannt und bestehen aus einer kleinen Pumpe, die die Ärztin bzw. der Arzt direkt am Herz der Patientin bzw. des Patienten einsetzt. 

Dank verbesserter Techniken und Operationsverfahren werden Kunstherz-Systeme zunehmend auch eine längerfristige Alternative zur Transplantation.

Der Ablauf einer Organtransplantation

Sind der Hirntod und die Spendebereitschaft der Verstorbenen oder des Verstorbenen im Entnahmekrankenhaus durch die DSO festgestellt worden, wird Eurotransplant über das zur Verfügung stehende Organ informiert.

Die in den Niederlanden angesiedelte Stiftung ermittelt nun, welche Empfängerin bzw. welcher Empfänger am besten geeignet ist und benachrichtigt anschließend das Transplantationszentrum, in dem die Patientin bzw. der Patient behandelt wird.

Dort prüft ein*e Chirurg*in die übermittelten medizinischen Daten des Spenderorgans. Entscheidet sie oder er sich für die Annahme, macht sich ein spezialisiertes Ärzt*innenteam auf den Weg zum Entnahmekrankenhaus.

Ist das Team im Entnahmekrankenhaus eingetroffen, übernimmt es die Entnahme des Organs. Jetzt beginnt die sogenannte Ischämiezeit, in der das Organ nicht durchblutet wird. Sie muss so kurz wie möglich gehalten werden, um eine Schädigung des Organs zu vermeiden. 

Zeitgleich mit der Organentnahme wird die Empfängerin bzw. der Empfänger im OP-Bereich auf die Transplantation vorbereitet. Wenn sich das Entnahme-Team auf den Rückweg macht, beginnt die Operation. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Ischämiezeit so kurz wie möglich gehalten werden kann. Bei Spenderherzen sollte die Ischämiezeit beispielsweise nicht mehr als vier Stunden betragen. 

Fortschritt in der Herztransplantation

 Am DHZB setzten wir als erste Klinik in Deutschland ein neuartiges System zur Konservierung von Spenderherzen ein, das eine bessere Organfunktion und längere Transportzeiten ermöglicht. Dabei wird das Organ während des Transports über eine Pumpe mit einer speziellen Nähr- und Konservierungsflüssigkeit versorgt. Die neue Technik soll eine noch bessere Funktion der Spenderorgane sowie wesentlich längere Transporte ermöglichen. Nach sehr guten Ergebnissen im Tierversuch erfolgt nun der Einsatz bei menschlichen Herzen im Rahmen einer Zulassungsstudie. Die Bestätigung der Leistungsfähigkeit dieses Systems hätte für die Transplantationsmedizin erhebliche Folgen.

Das System besteht aus einem Gerät, genannt „XVIVO Heart Box“, zum Transport und einer speziellen Lösung zur Konservierung des Organs. Vor dem Transport wird das Gerät mit einer neu entwickelten Nähr- und Konservierungslösung befüllt. Nach der Entnahme wird das Spenderherz zunächst an die Kreislaufpumpe in der „Heart Box“ angeschlossen und dann in der Nähr- und Konservierungslösung schwimmend gelagert. Während des Transports wird das Organ fortlaufend mit frischem Sauerstoff versorgt.

Nach der Transplantation

Direkt nach der Operation werden die Patient*innen noch in Narkose auf die Intensivstation verlegt. Dort werden sie rund um die Uhr von Ärzt*innen und Pflegekräften überwacht. Während der Operation und in der ersten Zeit danach werden die Patient*innen mit einem Beatmungsgerät künstlich beatmet. Sobald sie wieder ausreichend eigenständig atmen können, wird der Beatmungsschlauch entfernt und die Patient*innen können wieder selbstständig essen.

Unmittelbar nach der Operation beginnt die physiotherapeutische Betreuung auf der Intensivstation. Spezialisierte Atemtrainer*innen und Physiotherapeut*innen führen mit den Patient*innen Übungen zum Training des Atems und der Muskulatur durch.

Sobald es die körperliche Verfassung zulässt, werden die Patient*innen auf unsere Transplantationsstation H3 verlegt. Auf der durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie zertifizierten Herzinsuffizienz- und Transplantationsstation verbringen sie die Zeit bis zur Rehabilitation. Unter sorgfältiger ärztlicher und pflegerischer Kontrolle werden die Patient*innen hier auf ihre Entlassung aus der Klinik vorbereitet.

Um die Organfunktion zu überprüfen, führt das Ärzt*innenteam am DHZB in den ersten Wochen nach der Transplantation zahlreiche Untersuchungen bei den Patient*innen durch. Dazu zählen etwa Blutentnahmen, Röntgen, EKG und Echokardiographie nach einer Herztransplantation sowie Untersuchungen der Lungenfunktion und Bronchoskopie nach einer Lungentransplantation. Bevor Patient*innen in die Rehabilitation entlassen werden, führen wir bei herztransplantierten Patient*innen eine Herzkatheteruntersuchung mit einer Herzmuskelbiopsie und ggf. ein Herz-MRT durch, um eine Abstoßung des Spenderorgans sicher ausschließen zu können.

Unsere Transplantationsambulanz

Nach der Entlassung aus der Klinik und der Rehabilitationseinrichtung ist die Transplantationsambulanz im DHZB – neben Haus- und Fachärzt*in – der dauerhafte Ansprechpartner für Transplantierte. Spezialisierte Ärzt*innen stehen für alle Fragen rund um die Transplantation zur Verfügung. In regelmäßigen Untersuchungsterminen werden der Gesundheitszustand und die Funktion der neuen Organe genau überwacht. Zu den durchgeführten Untersuchungen zählen EKG- und Echokardiographie-Termine sowie Röntgenaufnahmen und Lungenfunktionstests.

Regelmäßig werden auch die Blutspiegel der Immunsuppressiva bestimmt und ausgewertet. Denn normalerweise würde das neue Organ vom Abwehrsystem des Körpers als fremdes Gewebe erkannt und angegriffen werden – vergleichbar mit der Unverträglichkeit zwischen verschiedenen Blutgruppen. Deshalb muss die Patientin bzw. der Patient nach der Transplantation lebenslang Medikamente  einnehmen, die das Abwehrsystem regulieren, sogenannte Immunsuppressiva. Nur so kann das Organ vom Körper angenommen werden und funktionieren.

Nach der Transplantation müssen die Patient*innen anfangs sehr oft in die Ambulanz kommen. Mit der Zeit nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion aber ab, sodass die Kontrolltermine seltener werden. Die Transplantationsambulanz berät auch bei akuten Fragen und Problemen und betreut Patient*innen außerdem vor der Operation, während sie auf ein Spenderorgan warten. Ärzt*innen und Pflegekräfte arbeiten dabei eng zusammen. 

Kontakt zur Transplantationsambulanz:

Heike Bettmann, Pflegerische Leiterin

Tel. +49 30 4593 2140 

Ratgeber für Patient*innen

Alles, was die Patient*innen über die Zeit nach der Organtransplantation wissen sollten, haben wir in einem Ratgeber allgemeinverständlich zusammengefasst:

Ratgeber für Patienten nach Transplantation

transplantiert e.V. – Patient*innen helfen Patient*innen

Der Verein transplantiert e.V. steht seit vielen Jahren Menschen und ihren Angehörigen zur Seite, die auf ein Spenderorgan warten oder mit einem Spenderorgan leben. Die ehrenamtlichen Helfer*innen leben selbst mit transplantierten Organen und können so in besonderer Weise erfahrenen Beistand und Unterstützung leisten. Auf der Website von transplantiert e.V. finden Sie zahlreiche Informationen rund um das Thema Organtransplantation und können Kontakt mit dem Verein aufnehmen. 

Aktuell bietet transplantiert e.V. eine Website mit Informationen zu Transplantierten und dem Coronavirus an. Unter https://tx-corona-info.de/ werden die wichtigsten Fragen zu Gefährdung und Schutz Transplantierter beantwortet. Interessierte finden außerdem Videos, aktuelle Beiträge in einem Blog und Infografiken zum Thema.


Über den Autor

Der Kardiologe Prof. Dr. med. Felix Schönrath arbeitet als Oberarzt für den Bereich Herzinsuffizienz und Herztransplantation an der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB).

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Stand des Ratgebers: März 2022