Bluthochdruck, medizinisch arterielle Hypertonie, ist eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems, bei welcher der Druck in den arteriellen Gefäßen dauerhaft erhöht ist. In Deutschland leiden ca. 30 Millionen Bürger*innen an Bluthochdruck.

Die Wahrscheinlichkeit, an arterieller Hypertonie zu erkranken, steigt mit dem Alter: Bei über 60-Jährigen beträgt die Häufigkeit 60 Prozent. Neben dem Alter tragen auch Faktoren wie der Lebensstil (z.B. Bewegungsmangel oder kalorienhaltige, stark gesalzene Nahrung) und die Adipositas dazu bei, dass die Häufigkeit der arteriellen Hypertonie weiter zunimmt.

Hält die Druckerhöhung dauerhaft an, werden wichtige Organe wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen geschädigt. Mögliche Folgen sind Schlaganfall, chronische Niereninsuffizienz, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Verschlechterung der Sehschärfe und Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen (periphere arterielle Verschlusskrankheit).

Um diese durch arterielle Hypertonie bedingten Endorganschäden zu vermeiden, sollten Patient*innen die aktuell empfohlenenZielblutdruckwerte (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Deutsche Hochdruckliga, European Society of Cardiology) erreichen. Bisher gelingt das jedoch leider nur knapp der Hälfte der behandelten Patient*innen. Dabei ist Bluthochdruck einer der wichtigsten veränderbaren Risikofaktoren.

Bluthochdruck bleibt zunächst oft unentdeckt: Etwa 20 Prozent der Betroffenen wissen nicht, dass sie unter Hypertonie leiden. Deshalb sollte der Blutdruck prinzipiell bei jedem „Arztkontakt“ gemessen werden – von der Einschulung über die Einstellungsuntersuchung, den Termin beim Betriebsarzt oder bei einen „Check-up“. Ab dem 40. Lebensjahr sollte der Blutdruck mindestens einmal jährlich gemessen werden. Wichtig ist, dass „richtig“ gemessen wird, also die entsprechende Manschettengröße gewählt wird, eine ruhige Atmosphäre besteht etc. Hier gibt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die richtigen Tipps!

Um arterielle Hypertonie zu diagnostizieren, ist in der Regel eine wiederholte Blutdruckmessung notwendig – entweder durch eine*n Mediziner*in oder als Selbstmessung, die anschließend bestätigt wird. Außerdem kann die Diagnose durch eine 24-Stunden-Langzeitmessung gesichert werden.

Einteilung des Blutdrucks

Der Blutdruck wird in einen optimalen, einen normalen und einen hochnormalen Blutdruck eingeteilt. Von arterieller Hypertonie spricht man, wenn der Blutdruck >/= 140 mmHg systolisch und/oder >/= 90 mmHg diastolisch beträgt. Im Vergleich dazu liegt der optimale Blutdruck bei Werten unter 120/80 mmHg.

Ist die Diagnose arterielle Hypertonie gestellt und wird die Patientin bzw. der Patient behandelt, lautet der Zielwert für die Therapie:

  • in der Altersgruppe der 18-65-Jährigen: 120 – 130/70 – 79 mmHg
  • und bei den über 65-Jährigen: 130-139/70 – 79 mmHg

Kategorie

Systolisch (mmHg) 

 

Diastolisch (mmHg) 

Optimal 

<120 

und 

<80 

Normal 

120–129 

und/oder 

80–84 

Hochnormal 

130–139 

und/oder 

85–89 

Hypertonie

140–159 

und/oder 

90–99 

Folgen einer arteriellen Hypertonie

Da der Blutdruck oft über längere Zeit unentdeckt bleibt, ist es wichtig, arterielle Hypertonie nie als „isolierte“ Erkrankung anzusehen. Stattdessen sollten behandelnde Ärzt*innen nach möglichen Endorganschäden suchen, die durch den Bluthochdruck bedingt werden. Zu möglichen Folgeerkrankungen zählen u.a.:

Ursachen und Risikofaktoren

Bei über 95 Prozent der Bluthochdruck-Betroffenen ist keine Ursache erkennbar (der Mediziner spricht dann von „primärer Hypertonie“). Nur bei etwa fünf Prozent der Betroffenen kann eine Ursache für die Erkrankung identifiziert werden. Ist eine andere Erkrankung der Auslöser, spricht man von „sekundärer Hypertonie“, welche man oftmals durch Behebung der Ursache therapieren kann.

Die erfahrenen Mediziner*innen am Hypertoniezentrum des DHZB sind nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Hypertonie (DHL) ausgebildet und zertifiziert, um eine sekundäre Hypertonie sicher zu diagnostizieren und umfassend zu behandeln.

Primäre Hypertonie

Wodurch die primäre Hypertonie genau entsteht, ist noch nicht bekannt. Die folgenden Risikofaktoren begünstigen jedoch die Entstehung des Bluthochdrucks:

  • familiäre Neigung zu erhöhtem Blutdruck (erbliche Verlagerung)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • hoher Salzkonsum
  • hoher Alkoholkonsum
  • eine ungesunde Ernährung mit wenig Obst und Gemüse
  • Rauchen
  • Stress
  • höheres Alter
  • bestimmte Medikamente (darunter vor allem Schmerz- und Rheumamittel)

Die primäre Hypertonie tritt häufig gemeinsam mit Übergewicht, Typ-2-Diabetes und erhöhten Blutfettwerten auf. Treten diese drei Faktoren gleichzeitig mit Bluthochdruck auf, sprechen Ärzte vom Metabolischen Syndrom.

Sekundäre Hypertonie

Bei der sekundären Hypertonie sind die Bluthochdruck-Ursachen in einer anderen Erkrankung zu finden. Meist handelt es sich dabei um Nierenerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder Gefäßkrankheiten.

Zu den wichtigsten Ursachen und Vorerkrankungen zählen:

  • Verengungen der Nierenarterien
  • Erhöhte Hormonproduktion durch Tumoren (z.B. Aldosteron, Glukokortikoide, aber auch Katecholamine)
  • Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe)
  • Störungen des Hormonhaushalts (z.B. Schilddrüsenüberfunktion)

Symptome

Die meisten Patient*innen zeigen kaum eindeutige Hypertonie-Symptome, sodass der erhöhte Blutdruck oft lange Zeit unbemerkt bleibt. Dabei ist eine frühzeitige Therapie sehr wichtig, um Folgeschäden zu verhindern. Mögliche Anzeichen für Bluthochdruck sollten immer ernstgenommen werden.

Zu den Symptomen für arterielle Hypertonie zählen:

  • Schwindelgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Nervosität
  • Ohrensausen
  • Müdigkeit
  • Nasenbluten
  • Kurzatmigkeit
  • Übelkeit

Diagnostik

Die wichtigste Untersuchung, um einen Bluthochdruck festzustellen, ist die Blutdruckmessung. Da der Blutdruck im Laufe des Tages schwankt und zum Beispiel nach dem Sport erhöht ist, sagt die einmalige Messung aber noch nichts darüber aus, ob der Blutdruck behandlungsbedürftig ist oder nicht.

Um aussagekräftige Werte zu erhalten, sollte der Blutdruck daher mehrfach gemessen werden – zum Beispiel zu drei verschiedenen Zeitpunkten am Tag. Auch Langzeitmessungen über 24 Stunden sind zur Diagnose sinnvoll. Durch sie können die behandelnden Ärzt*innen tageszeitliche Schwanken genau beobachten.

Am DHZB erfolgt die Langzeitmessung als häusliche Blutdruckmessung durch die Patientin oder den Patienten selbst. Dazu trägt die Patientin bzw. der Patient ein tragbares Messsystem, das aus einem kleinen Registriergerät und einer damit verbundenen Oberarm-Blutdruckmanschette besteht. Über einen Zeitraum von 24 Stunden pumpt sich die Manschette in bestimmten Zeitabständen automatisch auf – tagsüber alle 15 Minuten, nachts alle 30 Minuten. Beim langsamen Ablassen der Luft zeichnet das Messgerät pulssynchrone Amplitudenschwankungen auf und ermittelt so den systolischen und diastolischen Blutdruck. Das kleine Aufnahmegerät speichert die gemessenen Blutdruckwerte und die Herzfrequenz. Aus 40 bis 60 Messungen entsteht auf diese Weise ein Blutdruckprofil.

Aber auch die Patient*innen-Selbstmessung (z.B. morgens und abends) gibt wertvolle Hinweise. Denn der Blutdruck steigt nicht nur bei Anstrengung, sondern auch bei Aufregung. Ein Beispiel gilt der sogenannte „Weißkittelblutdruck“, also das Phänomen, dass der Blutdruck in der Praxis gegenüber dem Blutdruck zuhause erhöht ist. Um diesen Effekt auszuschalten und zur regelmäßigen Überwachung des Blutdrucks sollten Patient*innen selbst zu Hause messen. Wichtig ist, dass die Messung richtig durchgeführt wird: im Sitzen, nach drei bis fünf Minuten Ruhepause, Beine nicht übereinanderschlagen, Manschette / Messgerät auf Herzhöhe platzieren, Arm auf den Tisch gelegt. Diesbezüglich schulen wir Sie gerne.

Da der Blutdruck oftmals längere Zeit unentdeckt besteht, kommt der Suche nach bereits bestehenden Folgeerkrankungen (z.B. Herz, Gefäße, Nieren) eine wichtige Rolle zu. Hierzu zählen u.a. Labor- und Urinuntersuchungen, Ultraschalluntersuchungen des Herzens und der Gefäße, aber auch Untersuchungen des Augenhintergrunds.

Ebenso ist die Suche nach einer sekundären Hypertonie wichtig. Durch die Identifikation der den Blutdruck verursachenden Erkrankung kann diese behoben und damit die arterielle Hypertonie gebessert oder sogar geheilt werden. Zu diesen Untersuchungen zählen Labor- und Urin-Spezialuntersuchungen sowie Verfahren wie die Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT).

Therapie

Die Therapie der arteriellen Hypertonie besteht aus mehreren Säulen:

  • Die Basis jeder Bluthochdruck-Therapie ist zunächst eine Lebensstiländerung: Zigaretten- und Alkoholverzicht, eine gesunde ausgewogene, salzarme Ernährung, viel Bewegung und Gewichtsreduktion.
  • Wenn dies nicht ausreicht, verordnet die Ärztin bzw. der Arzt zusätzlich blutdrucksenkende Medikamente. Welche Medikamente gewählt werden, hängt dabei von Alter und von möglichen Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz oder einer Nierenerkrankung ab. In aller Regel beginnt man heute die Therapie mit einer Medikamentenkombination, die in einer Pille eingenommen wird. Dies steigert die Wirkung gegenüber der Anwendung eines Einzelwirkstoffes, da der Körper immer auf blutdrucksenkende Medikamente mit einer Gegenregulation reagiert.
  • Wichtig ist die Blutdruckmessung zur Therapiekontrolle: entweder als Selbstmessung mit Dokumentation oder als 24-Stunden-Langzeitmessung. Bis man den Effekt der Medikamente beurteilt, sollte man diese 4 bis 6 Wochen einnehmen. Die Therapie der arteriellen Hypertonie wird lebenslang durchgeführt; setzt man die Medikamente ab, steigt der Blutdruck wieder.

Die sekundäre Hypertonie kann oftmals durch eine Therapie der Grunderkrankung behandelt werden – Patient*innen müssen somit nicht lebenslang Medikamente einnehmen. So lassen sich zum Beispiel verengte Nierenarterien durch eine Ballondilatation behandeln oder hormonproduzierende Tumoren werden operiert.

Am DHZB führen wir sämtliche Behandlungen von Herz- und Gefäßerkrankungen auf höchstem medizinischen Niveau und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen durch.

Das Hypertoniezentrum am DHZB

Um die Versorgungsqualität von Bluthochdruck-Patient*innen zu verbessern, prüft die „Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention“ medizinische Einrichtungen und zeichnet diese nach Eignung mit dem Titel „Zertifiziertes Hypertonie-Zentrum DHL®“ aus.

Die Klinik für Innere Medizin – Kardiologie des DHZB wurde bereits Anfang 2014 mit dem Zertifikat der DHL ausgezeichnet. Das Hypertoniezentrum im Deutschen Herzzentrum Berlin – eines von insgesamt nur drei Zentren in  Berlin – steht unter der ärztlichen Leitung von Prof. Dr. Philipp Stawowy. Mitarbeiter*innen der Klinik sind als von der Deutschen Hochdruckliga e.V. zertifizierte Hypertensiolog*innen tätig und garantieren so eine hohe Fachkompetenz.

Unser Angebot

Anhand von leitliniengerechten Behandlungspfaden garantieren unsere Mediziner*innen – zusammen mit der entsprechenden Ausstattung der Klinik sowie den Möglichkeiten der interdisziplinären Kooperation (Endokrinologie, Nephrologie, Neurologie) – eine optimale Behandlung der arteriellen Hypertonie.

Ein Schwerpunkt des Hypertoniezentrums am DHZB ist unter anderem die Diagnostik und Therapie der sekundären Hypertonie.

Neben den üblichen Diagnoseverfahren können wir Ihnen die folgenden Leistungen anbieten:

Diagnostik:

Therapie:

  • Ballondilatation und Stenteinlage in Nierenarterienstenosen
  • operative Therapie hormonproduzierender Tumore in enger Kooperation mit anderen Fachdisziplinen

Ein weiter Schwerpunkt ist die Behandlung schwierig einzustellender Patientinnen und Patienten mit sogenannter „therapieresistenter Hypertonie“. In diesen Fällen gelingt es den Erkrankten trotz der Einnahme von mehreren Medikamenten und der Änderung ihres Lebensstils (Gewichtsreduktion, sportliche Betätigung) nicht, den Blutdruck ausreichend zu senken.

Im DHZB-Hypertoniezentrum schließen unsere Mediziner*innen zunächst aus, dass die Betroffenen an sekundärer Hypertonie leiden. Liegt eine solche nicht vor, nutzen wir verschiedene Methoden, um den Blutdruck gut einzustellen: Wir passen die medikamentöse Therapie individuell an und bieten außerdem innovativeinterventionelle Behandlungsverfahren wie die Nierennervenablation („Verödung“) an, um den Blutdruck zu senken.


Über den Autor

Prof. Dr. med. Philipp Stawowy ist Leitender Oberarzt für Interventionelle Kardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB).

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Stand des Ratgebers: März 2022