Ein Aortenaneurysma ist eine sackförmige Erweiterung in den Gefäßwänden der Hauptschlagader (Aorta). Diese entsteht, wenn Schwachstellen in den Gefäßwänden vorliegen und auf den hohen Druck im Blutgefäß mit einer Dehnung im Bereich der Schwachstelle reagieren. Hierdurch bilden sich Ausbuchtungen, die sich durch den anhaltenden Druck des Blutflusses in der Aorta vergrößern können.

Die betroffenen Patient*innen merken in der Regel nichts von dem Aneurysma. Verursacht es doch Beschwerden, leiden Betroffene oft unter Brustkorb-, Rücken-, Bauch- bzw. Flankenschmerzen. Entdeckt werden Aortenaneurysmen meist zufällig im Rahmen von Ultraschalluntersuchungen oder während einer Computertomographie.

Etwa 40 von 100.000 Einwohnern erkranken jährlich an einem Aortenaneurysma. Am häufigsten sind Personen über 65 Jahren betroffen. Männer erkranken ungefähr fünfmal häufiger an einem Aortenaneurysma als Frauen.

Wird das Aortenaneurysma rechtzeitig erkannt, ist die Prognose heute durch vielfältige Behandlungsmöglichkeiten gut. Die richtige Therapie hängt von der Größe ab: Je nach Lokalisation des Aneurysmas empfiehlt sich ab einem Durchmesser von 5,5 bis 6 Zentimetern eine Operation. In speziellen Fällen (z.B. bei Patient*innen mit Marfan-Syndrom oder bikuspider Aortenklappe) kann bereits bei kleineren Durchmessern eine Operation sinnvoll sein.

Ursache

Die Aorta ist das größte Blutgefäß im menschlichen Körper. Da jedes Gewebe im Körper mit zunehmendem Alter an Festigkeit verliert, kann sich der Durchmesser der Aorta bis zum 70. Lebensjahr um bis zu 35 % erhöhen. Wenn es zu einer Erweiterung über dieses Ausmaß hinaus kommt, spricht man von einem Aortenaneurysma.

Die Hauptschlagader hat eine mehrschichtige Gefäßwand, welche mit zunehmendem Alter und beeinflusst durch die individuelle Gesundheit einem Verschleiß unterliegt. Hierauf basierend und insbesondere bei Vorliegen einer ausgeprägten Arteriosklerose sowie eines Bluthochdrucks kann es zur Entstehung eines Aneurysmas kommen.

Zu den Ursachen für ein Aortenaneurysma zählen

  • Arteriosklerose („Arterienverkalkung”)
  • hoher Blutdruck
  • erworbene und erblich bedingte Gewebeschwächen/Bindegewebserkrankungen (u.a. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom)
  • bakterielle Infekte (z.B. Syphilis, Tuberkulose)
  • Pilzinfektionen

Die Hauptschlagader hat eine mehrschichtige Gefäßwand, welche den hohen Blutfluss auch unter hohem Blutdruck gewährleistet. Auch sie unterliegt mit zunehmendem Alter und beeinflusst durch die individuelle Gesundheit einem Verschleiß. Kommt es durch Einrisse der Innenschicht oder durch Gewebeschwächen zu Veränderungen der Gefäßwände, können die Gefäßwände sich weiten oder ausleiern. Hierdurch entstehen Unregelmäßigkeiten in der Gefäßwandoberfläche, die durch erhöhten Blutdruck ausbuchten. Es entstehen Ausbuchtungen, die zu einem Aneurysma führen.

Zu den Ursachen zählen

  • erworbene und erblich bedingte Gewebeschwächen,
  • angeborene Fehlbildungen und Bindegewebserkrankungen (u.a. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom)
  • Arteriosklerose
  • bakterielle Infekte (z.B. Syphilis, Tuberkulose)
  • Pilzinfektionen
  • hoher Blutdruck
  • Gefäßerkrankungen
  • erhöhtes Lebensalter

Risikofaktoren

Das Risiko für ein Aortenaneurysma steigt mit dem Lebensalter. Personen ab 65 Jahren sind am stärksten betroffen. Männer erkranken ungefähr fünfmal häufiger an einem Aortenaneurysma als Frauen.

Generell können alle Faktoren, welche die Gefäßgesundheit beeinträchtigen, das Risiko für ein Aortenaneurysma erhöhen. Hierzu zählen unter anderem Rauchen sowie die unzureichende Behandlung von Bluthochdruck.

Symptome

Die meisten Aneurysmen bleiben zunächst symptomfrei und werden nur durch Zufall im Rahmen anderer Untersuchungen erkannt. Bei einem großen Aortenaneurysma hängt die Symptomatik mit der Lage im Körper zusammen. Aortenaneurysmen können im Bauch- oder Brustbereich auftreten und äußern sich in verschiedenen Symptomen:

Aortenaneurysma im Bauch

  • stechende und anhaltende Schmerzen im Unterbauch
  • Rückenschmerzen mit Ausstrahlung des Schmerzes in die Beine
  • tastbare, zeitgleich mit dem Puls auftretende Struktur im Bauch
  • vereinzelt Verdauungsbeschwerden

Kommt es zu einer Ruptur bzw. einem Riss in der Bauchaorta, verstärken sich die Schmerzen plötzlich und unerträglich im Bauchraum sowie im Rücken. Häufig geht dies mit Übelkeit und Brechreiz einher. Selbst wenn die Patientin oder der Patient keine Beschwerden hat, aber das Aneurysma einen Durchmesser von mindestens 5,5 Zentimetern aufweist oder sich schnell (innerhalb eines Jahres) vergrößert, sollte eine Operation erfolgen.

Aortenaneurysma im Brustbereich

  • Schmerzen in der Brust
  • auffälliges Atemgeräusch infolge einer Verengung der Atemwege (Stridor)
  • Husten und Heiserkeit
  • Atemnot

Ein Aneurysma der Aorta im Bereich der Brust wird als thorakales Aneurysma bezeichnet. Reißt das Aneurysma, kommt es zu plötzlichen und starken Brustschmerzen, die denen eines Herzinfarkts ähneln. Auch ohne Beschwerden sollte ein Aneurysma im Brustbereich operiert werden, wenn es einen Durchmesser von 5,5 Zentimetern überschreitet oder es zu einer raschen Zunahme des Durchmessers kommt.

Bleibt ein Aortenaneurysma langfristig unentdeckt, kann es zu einem Riss der Aorta (Ruptur) oder zu einem Einriss mit Einblutung zwischen den Wandschichten (Aortendissektion) kommen. Um bei einem bereits diagnostizierten Aortenaneurysma Komplikationen zu vermeiden, wird den Patient*innen empfohlen, das Aneurysma je nach Größe regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Diagnostik

Häufig wird ein Aneurysma im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt. Bei einem Verdacht auf ein Aortenaneurysma kann mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) die genaue Größe der Aorta bzw. des Aortenaneurysmas gemessen werden.

Hier lesen Sie mehr zu den verschiedenen Methoden der Diagnose.

Therapie

In vielen Fällen ist bei der Diagnose einer akuten Aortenerkrankung eine unverzügliche chirurgische Therapie notwendig. Doch oft entwickeln sich Aortenerkrankungen langsam und sogar symptomlos über einen längeren Zeitraum und bedürfen – nachdem sie erkannt wurden – zunächst nur der engmaschigen Kontrolle und der Vermeidung sowie der konsequenten Behandlung von Risikofaktoren (z.B. Rauchen beenden, Bluthochdruckmedikamente einnehmen).

Sobald je nach Lokalisation und Risikofaktoren ein bestimmter Durchmesser überschritten wird, sollte eine Behandlung des Aneurysmas erfolgen. Während der aufsteigende Teil der Aorta ausschließlich „konventionell“ (offen-chirurgisch) operiert wird, ist die „interventionelle“ Versorgung mittels Stent-Implantation ((T)EVAR; (thorakale) endovaskuläre Aortenreparatur) der absteigenden Aorta mittlerweile Standard.

Eine ausführliche Beschreibung der Operationstechniken, der Voraussetzungen einer Operation, der Nachsorge und des Lebens nach einer OP haben wir unter Aortenchirurgie zusammengefasst.

Regelmäßige Kontrolle bei Marfan-Syndrom

Das Marfan-Syndrom ist eine genetisch bedingte Krankheit des Bindegewebes. Patient*innen mit dieser Erkrankung entwickeln überdurchschnittlich häufig ein Aortenaneurysma. Im DHZB unterstützen wir Patient*innen mit dem Marfan-Syndrom durch regelmäßige und ambulante Untersuchungen von Herz und Blutgefäßen sowie weiterführende gesundheitliche Leistungen.  In unserer Klinik stehen ein erfahrenes Ärzteteam und sämtliche modernen Diagnosemethoden zur Verfügung, um Patient*innen mit dem Marfan-Syndrom regelmäßig und ambulant auf typische Veränderungen des Herzens und der Gefäße hin zu untersuchen. Unsere Erfahrung und der Einsatz modernster Medizintechnologie erlauben es, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und Aortenaneurysmen zügig zu operieren.

Gemeinsam mit der Charité betreibt das DHZB außerdem das Marfan-Zentrum. Personen mit Marfan-Syndrom oder Aortenerkrankungen, die durch angeborene Bindegewebsstörungen auftreten, werden dort in einer interdisziplinären Sprechstunde beraten und behandelt.

Ansprechpartnerin des Marfan-Zentrums:

Dr. med. Petra Gehle
Fachärztin für Herzchirurgie
Telefon: +49 30 665-356
mail: marfan@charite.de
Website


Über den Autor

Prof. Dr. med. Christoph T. Starck arbeitet als leitender Oberarzt für den Bereich Herzchirurgie an der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB). Er ist Facharzt für Herzchirurgie und Notfallmedizin.

Abteilung  |   Kontakt  |  Forschung

Über den Autor

PD Dr. Felix Hohendanner arbeitet als Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie und Elektrophysiologie an der Klinik für Innere Medizin – Kardiologie des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB).

Abteilung  |  Kontakt  

 

Stand des Ratgebers: März 2022