Ein Herzinfarkt (medizinisch: Myokardinfarkt) entsteht durch den Verschluss eines Herzkranzgefäßes (Koronararterie). Wird die verschlossene Koronararterie nicht durch eine Herzkatheteruntersuchung mit PCI (Perkutaner Coronarintervention = „Ballondilatation und Stent“) geöffnet, stirb der Herzmuskel an dieser Stelle.

Damit so wenig Herzmuskelgewebe wie möglich abstirbt, muss das Gefäß innerhalb kürzester Zeit wieder geöffnet werden. Betroffene müssen also so schnell wie möglich in ein Krankenhaus gebracht werden, in dem rund um die Uhr Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt werden können.  

Trotz guter medizinischer Versorgung sterben weiterhin 35 Prozent der Patient*innen im ersten Jahr nach dem Herzinfarkt. Deshalb spricht man heute vom chronischen Koronarsyndrom: Herzinfarkt-Patient*innen müssen ein Leben lang überwacht und behandelt werden. Je früher der Infarkt erkannt und therapiert wird, desto besser die Prognose.

Ursache

Der Verschluss einer Koronararterie entsteht durch die Ruptur einer atherosklerotischen Plaque, also an einer Stelle in der Arterienwand, die durch Risikofaktoren wie hohe Blutfette, die Zuckerkrankheit, Rauchen oder Bluthochdruck erkrankt ist. Durch die Ruptur der Plaque lagern sich Blutplättchen an und verschließen das Gefäß. Es entsteht ein Thrombus, der den Blutfluss stoppt.

Wichtig zu wissen: Diese Erkrankung betrifft alle Arterien im Körper.

Symptome eines Herzinfarkts

  • Die bzw. der Patient*in hat starke Schmerzen (Brennen, Druck, Engegefühl) hinter dem Brustbein. Oft strahlen diese in den linken Arm, die Schulter, den Unterkiefer oder den Oberbauch aus.
  • Die bzw. der Patient*in kann sehr unruhig sein und große Angst (Todesangst) empfinden.
  • Im schlimmsten Fall tritt ein Herz-Kreislauf-Stillstand ein.
  • Andere eher unspezifische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen oder Atemnot.

Andere Herzinfarkt-Symptome bei Frauen

Frauen haben oftmals ein anderes Beschwerdebild: Währen der Großteil der betroffenen Männer die klassischen Schmerzen in der Brust verspürt, treten diese nur bei etwa einem Drittel der Frauen auf. Unspezifische Symptome sind bei Frauen hingegen häufiger. Dazu zählen etwa Kurzatmigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Beschwerden im Oberbauch.

Solche Beschwerden werden oft nicht sofort als Herzinfarkt-Symptome erkannt – sie werden daher häufig weniger ernst genommen. Deshalb kommen Frauen mit einem Herzinfarkt im Durchschnitt später in die Klinik als betroffene Männer.

Kündigt sich ein Herzinfarkt vorher an?

Ein Herzinfarkt kann „aus heiterem Himmel auftreten“. Oftmals bestehen aber bei einem Großteil der Betroffenen seit längerem Beschwerden einer Koronaren Herzkrankheit (KHK), wie Angina pectoris oder Atemnot. Daher ist es wichtig, diese Beschwerden wahrzunehmen und frühzeitig eine Behandlung einzuleiten.

Wenn Brustschmerzen und/oder Atemnot schon bei geringster Belastung oder sogar in Ruhe auftreten, rufen Sie sofort die Notärztin bzw. den Notarzt!

Diagnose und Therapie

Bei vorliegenden Symptomen wird die Diagnose des Myokardinfarktes durch Elektrokardiogramm (EKG) und Laborwerte gestellt.

Anhand des EKG unterscheidet man den ST-Strecken-Hebungsinfarkt (STEMI; typischerweise mit komplettem Verschluss eines Koronargefäßes) vom Nicht-ST-Strecken-Hebungsinfarkt (NSTEMI). Wichtig zu wissen: beide sind bedrohlich!

Wenn ein Herzinfarkt diagnostiziert wurde, weiten die Ärzt*innen die verschlossenen Gefäße mit einem Herzkatheter so schnell wie möglich und setzen einen Stent ein, um das Gefäß dauerhaft offen zu halten.

Wie sich der Herzinfarkt auswirkt, hängt davon ab, an welcher Stelle der Gefäßverschluss entsteht und wie schnell das Gefäß wieder geöffnet wird.

Folgen eines Herzinfarkts

Trotz guter medizinischer Versorgung ist die Sterblichkeit des Myokardinfarktes nach wie vor hoch: Mehr als ein Drittel aller Patient*innen sterben im ersten Jahr nach dem Herzinfarkt an den Folgen, und auch im Folgejahr beträgt die Sterblichkeit bei STEMI-Patient*innen noch bis zu 10 Prozent in Europa. Aufgrund dessen spricht man heute vom chronischen Koronarsyndrom, welches einer zeitlebens bestehenden Überwachung und Therapie bedarf.

Auch wenn Patient*innen den Myokardinfarkt überleben, können schwerwiegende Komplikationen und Folgekrankheiten auftreten, die ihr Leben langfristig beeinflussen. Hierzu zählen vor allem die Herzinsuffizienz und Herzklappenfehler, etwa Undichtigkeiten der Herzklappen als Folge einer Herzinsuffizienz.

Mortalität und Komplikationen können in der Regel deutlich vermindert oder sogar verhindert werden, wenn die Erkrankung früh erkannt und schnell behandelt wird.

Die Chest Pain Unit am DHZB

Das DHZB verfügt über eine von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zertifizierte Chest Pain Unit (CPU), also eine Diagnostik- und Therapieeinheit zur schellen Versorgung von Patient*innen mit akuten Brustschmerzen. Durch standardisierte diagnostische Abläufe wird ohne zeitliche Verzögerung überprüft, ob eine Herzerkrankung ursächlich für die Brustschmerzen ist. 

Die Chest Pain Unit ist eine Schnittstelle von kardiologischer Ambulanz, kardiologischer Überwachungsstation, Intensivstation und Herzkatheterlabor. Sie steht unter ärztlicher Leitung von Prof. Dr. Philipp Stawowy.

Unter Beachtung der jeweils aktuellsten nationalen und internationalen Leitlinien gehen erfahrene Teams innerhalb kürzester Zeit nach standardisierten Verfahren zur Diagnose und Therapie an der Patientin bzw. am Patienten vor. Die individuelle Schwere der Erkrankung, die Bedürfnisse und das individuelle Risiko der Patientin bzw. des Patienten werden dabei selbstverständlich berücksichtigt.

Diese gleichzeitig standardisierte wie individuelle medizinische Versorgung trägt nicht nur dazu bei, die Sterblichkeit von Herzinfarktpatient*innen zu senken, sondern wirkt sich auch auf den Erfolg der längerfristigen Therapie und auf die durchschnittliche Liegedauer der Patient*innen in unserer Klinik aus. 

 

So erreichen Sie die Chest Pain Unit: 

Mo bis Fr 07:30 bis 16:00 Telefon +49 30 4593-2424Mo bis Fr 16:00 bis 07:30, Sa und So 00:00 bis 24:00 Uhr Telefon +49 30 4593-1000

Bitte beachten Sie: bei akut auftretenden Brustschmerzen sollten Sie immer über die 112 einen Notarzt rufen!

 


Über den Autor

Prof. Dr. med. Philipp Stawowy ist Leitender Oberarzt für Interventionelle Kardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB).

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Stand des Ratgebers: März 2022