January 2020

Erfolgreiche Premiere

Zum europaweit ersten Mal wurde am DHZB ein neuartiges System zum Verschluss von Defekten der Herzscheidewand eingesetzt

Patientin Emila (4) mit ihren Eltern und Prof. Stephan Schubert

Patientin Emila (4) mit ihren Eltern und Prof. Stephan Schubert

Die Patientinnen Emilia und Mara (beide 4) mit ihren Eltern, bei der Entlassung aus dem DHZB

Die Patientinnen Emilia und Mara (beide 4) mit ihren Eltern, bei der Entlassung aus dem DHZB

Der neue Okkluder (rechts) und ein herkömmliches Modell aus engmaschigem Metallgewebe im Vergleich

Der neue Okkluder (rechts) und ein herkömmliches Modell aus engmaschigem Metallgewebe im Vergleich

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Der Vorhofseptumdefekt oder Atrium-Septum-Defekt (ASD) ist – vereinfacht gesagt - ein „Loch“ in der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens und gehört zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern.

In den meisten Fällen können ASD heute schonend über Herzkatheter verschlossen werden, eine Operation am offenen Herzen ist dann nicht mehr nötig.
Dabei wird ein sogenannter Okkluder, ein doppelter Schirm aus einem Drahtgeflecht über die Blutgefäße bis in den Herzvorhof geschoben und an beiden Seiten des „Lochs“ aufgespannt.

Nach diesem schonenden und risikoarmen Eingriff wächst der Okkluder ein und ermöglicht eine meist uneingeschränkte Lebensqualität und –Erwartung.

Zum europaweit ersten Mal ist am Deutschen Herzzentrum Berlin nun ein neuartiger Okkluder eingesetzt worden. Wie die bisher eingesetzten Schirme besteht auch das Gerüst  dieses Modells aus einer speziellen formstabilen und gleichzeitig weichen Metalllegierung. Der Unterschied: Die Maschen des Geflechts sind wesentlich weiter, die dabei entstehenden Zwischenräume werden mit einer Kunststoffmembran verschlossen.

„Der Okkluder wird durch dieses neue Konstruktionsprinzip insgesamt weicher und flexibler, er passt sich dem umliegenden Gewebe also noch besser an, kann damit sehr gut einheilen und wird aufgrund des geringeren Metallanteils auch in seltenen Fällen einer Metall-Unverträglichkeit besser aufgenommen“, erläutert Kinderkardiologe Prof. Dr. med. Stephan Schubert, Oberarzt und Leiter des Herzkatheterlabors an der Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie am DHZB.

Das neue System stammt aus den USA, wurde dort bereits rund hundertmal erfolgreich eingesetzt und hat Ende 2019 auch die EU-Zulassung erhalten. Am Montag haben Professor Schubert und sein Team den „Cardioform Occluder“ den ersten vier Patienten im Alter von drei  bis 17 Jahren implantiert. Die Eingriffe dauerten jeweils nur etwa eine Stunde und verliefen ohne Komplikationen.

Bei einer der „Premieren“-Patienten kam ein weiterer großer Vorteil des neuen Implantats zum Tragen: Bei der vierjährigen Emilia aus Berlin lag der ASD sehr nahe an der Mündung der Hauptschlagader (Aorta). Ein herkömmlicher Schirm aus engmaschigem Metallgewebe hätte hier womöglich nicht eingesetzt werden können, da er langfristig die Aortenwand hätte verletzen können.

Beim neuen Cardioform Occluder besteht diese Gefahr nicht. Eine Herz-OP blieb Emilia damit erspart. Schon am übernächsten Morgen nach dem Eingriff konnte sie das DHZB beschwerdefrei verlassen.

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