Was ist ein Fontankreislauf?

Im gesunden menschlichen Herz pumpt die linke Herzkammer sauerstoffreiches Blut über die Hauptschlagader (Aorta) in den Körper, die rechte Herzkammer sauerstoffarmes (verbrauchtes) Blut in die Lunge, wo das Blut mit dem Sauerstoff angereichert wird.

Bei einigen angeborenen Herzfehlern steht nur eine funktionsfähige Herzkammer zur Verfügung. Man spricht dann von einem univentrikulären Herzen („Einkammer-Herz“). 

Dies kann die rechte oder die linke Herzkammer betreffen. Sowohl der Körper- als auch der Lungenkreislauf werden beide aus dieser einen Herzkammer versorgt. Dies bewirkt eine hohe Belastung dieser Kammer und eine Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff, da der Körper ständig mit einer Mischung aus sauerstoffarmen und sauerstoffreichem Blut versorgt wird. Patienten mit univentrikulären Herzen sind deshalb – je nach zugrundeliegendem Herzfehler – nur sehr eingeschränkt oder gar nicht lebensfähig. 

Die Behandlung dieser Patienten erfolgt durch ein chirurgisches Verfahren, welches nach dem französischen Herzchirurgen Francois Fontane „Fontan-Operation“ genannt wird. 

Ziel dieser Behandlung ist es, den bisherigen gemeinsamen Kreislauf zu trennen, um so die Sauerstoffunterversorgung zu beheben und die hohe Belastung der Herzkammer zu reduzieren.

In mehreren Operationen - meist innerhalb der ersten Lebensjahre - werden Herz und Gefäße chirurgisch so umgestaltet, dass das „verbrauchte“ Blut aus dem Körper passiv direkt in die Lunge fließt und die funktionsfähige Herzkammer das „frische“ Blut in den Körper pumpt. 

Nun spricht man von einem Fontan-Kreislauf. Das Verfahren kann den zugrundeliegenden Herzfehler zwar nicht „heilen“, dennoch führt es in den meisten Fällen zu einer erheblichen Steigerung der langfristigen Lebensqualität. „Fontan-Patienten“ können sich häufig körperlich und geistig weitgehend normal entwickeln. 

Voraussetzung hierfür ist, dass Behandlung wie lebenslange medizinische Betreuung der Patienten in qualifizierten Händen liegen und gewisse Standards der Nachbeobachtung eingehalten werden.

Behandlung von Fontan-Patienten am DHZB

Als überregionales Zentrum können wir auf eine langjährige Erfahrung in der Versorgung und Betreuung von Fontan-Patienten zurückblicken. In den letzten 25 Jahren wurden in unserer Klinik knapp 300 Patienten mit komplexen univentrikulären Herzfehlern nach dem „Fontan-Prinzip“ operiert. Von diesen haben inzwischen mehr als 100 Patienten das Erwachsenenalter erreicht. 

Um die langfristige Versorgung und die Lebensqualität von Patienten mit Fontan-Zirkulation weiter zu verbessern, ist wissenschaftliche klinische Forschung unerlässlich. Auch hier ist unser Zentrum führend. So wurden bislang mehr als 20 Publikationen zu diesem Thema in anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht sowie mehr als 60 Vorträge und Präsentationen bei verschiedenen internationalen Kongressen gehalten. Zahlreiche Forschungsprojekte in diesem Bereich werden aktuell betrieben. 

Spezialambulanz für Fortan-Patienten

Vor allem im Langzeitverlauf nach Fontan-Operationen können zahlreiche Komplikationen wie Zyanose, Eiweißverlust-Enteropathie oder Rhythmusstörungen auftreten. Um diese rechtzeitig erkennen und behandeln zu können sind konsequente und umfassende Nachuntersuchungen besonders wichtig. Da mögliche Komplikationen nicht nur das Herz selber betreffen können, sind neben den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen des Herzens und der kardiologischen Funktionsdiagnostik auch Untersuchungen anderer Organsysteme erforderlich. Hierzu stehen uns sämtliche modernen Diagnoseverfahren und die entsprechende große Erfahrung unseres Teams zur Verfügung. 

Unsere Klinik verfügt über eine Spezialambulanz für Fontan-Patienten. Hier werden jährlich etwa 150 Patienten regelmäßig nachuntersucht. 

Darüber hinaus haben sich zahlreiche Fontan-Patienten mit speziellen Fragestellungen oder Problemen an uns gewandt. Selbstverständlich stehen wir in unserer Spezialambulanz allen Fontan-Patienten zur Verfügung, die sich erstmals bei uns vorstellen oder beraten lassen möchten.

Leiter der Spezialambulanz ist Oberarzt PD Dr. med. Stanislav Ovroutski. Er ist seit vielen Jahren klinisch und wissenschaftlich auf univentrikuläre Kreislaufphysiologie spezialisiert. 

Informationen zu den Sprechzeiten und Ansprechpartnern finden Sie hier. 

Sport für Patienten mit Fontankreislauf

Auch für Fontan-Patienten ist sportliche Aktivität für die Verbesserung und den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit überaus wichtig. 

Das Deutsche Herzzentrum Berlin und der Sport-Club Charlottenburg (SCC) haben eine Sportgruppe für Menschen mit angeborenem Herzfehler auf den Weg gebracht. In der Gruppe wird gemeinsam, in sicherer Umgebung und unter erfahrener Anleitung Sport getrieben. Es gibt verschiedene Gruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von einem Arzt der Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie betreut werden.