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Januar 2016

Von ganzem Herzen dankbar – auch mit Kunstherz

Ein halbes Jahr nach einem schweren Herzinfarkt hat Oliver Malchow seine Arbeit wieder aufgenommen...

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Ein halbes Jahr nach einem schweren Herzinfarkt hat Oliver Malchow seine Arbeit wieder aufgenommen. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) lebt nun mit einer künstlichen Herzpumpe, die ihm im Deutschen Herzzentrum Berlin eingesetzt wurde.

An die Nacht, in der er fast gestorben wäre, hat Kriminaloberrat Oliver Malchow keine Erinnerung mehr. Es ist der Abend des 30. Juni 2015, ein Tag nach seinem 52. Geburtstag, als der GdP-Bundesvorsitzende in einem Berliner Hotel leblos zusammenbricht. Fast eine Stunde lang wird er reanimiert und schließlich ins Virchow-Klinikum der Charité eingeliefert.

Von dort aus wird er bereits wenige Stunden später an die Herzchirurgen des Deutschen Herzzentrums Berlin überwiesen. Hier wird Malchow sofort an eine Maschine angeschlossen, die seine Herz- und Lungenfunktion übernimmt. Der Polizist wacht nun wieder auf. Doch bereits nach wenigen Tagen steht fest, dass sein Herz zu schwer geschädigt ist, um den Körper wieder selbst zu versorgen.

Die Ärzte wissen auch, dass ihr Patient die Wartezeit auf ein Spenderorgan an der außerhalb des Körpers arbeitenden Herz-Lungen Maschine nicht schafft. Seine einzige Chance ist eine künstliche Herzpumpe, die direkt am Herzen eingepflanzt wird und dessen Pump-Funktion dauerhaft übernimmt. Malchow stimmt zu.

Dr. Evgenij Potapov, Oberarzt am Deutschen Herzzentrum Berlin und einer der weltweit erfahrensten Spezialisten auf diesem Gebiet, setzt die künstliche Pumpe am 10. Juli in Oliver Malchows Herz ein und verbindet sie mit der Hauptschlagader. Der Eingriff glückt, doch Malchows Organismus ist durch den schweren Infarkt stark geschwächt und erholt sich nur langsam. Erst nach acht Wochen kann er das Deutsche Herzzentrum verlassen, es folgen Reha und weitere Genesung zu Hause. Ende Dezember aber geben die Ärzte grünes Licht: Der Gewerkschaftschef darf wieder arbeiten.

Oliver Malchow muss nun stets eine kleine Tasche bei sich tragen. Denn die nur wenige Zentimeter große Pumpe direkt an seinem Herzen ist durch ein dünnes Kabel mit dem Steuerungsgerät und den Batterien außerhalb des Körpers verbunden. Duschen ist nur mit spezieller Schutzvorrichtung möglich, Schwimmen ist tabu – ansonsten gibt es für Kunstherz-Träger kaum Einschränkungen: „Ich fühle mich fit und leistungsfähig“, so Malchow.

Auch wenn Kunstherz-Patienten über zehn Jahre mit ihrer Pumpe leben können, werden sie meist für eine Herztransplantation gelistet. So auch der GdP-Vorsitzende. Oliver Malchow weiß, wie lange es angesichts der schwachen Spendenbereitschaft dauern kann, bis ein passendes Organ für ihn zur Verfügung steht. Doch daran denkt er kaum. „Mir ist einfach wichtig, dass ich wieder arbeiten kann“, sagt er, „denn die Freude an meiner Aufgabe tut auch meinem Körper gut. Zumal ich einiges durchaus gelassener sehe als früher“.

Oliver Malchow ist froh, dass er den Herzinfarkt während seiner Dienstzeit in Berlin erlitten hat. Denn in seinem Wohnort, einer kleinen Gemeinde zwischen Kiel und Lübeck, hätte die Rettung vermutlich zu lange gedauert. „Die Hotelangestellten, der Notarzt, das Team des Virchow-Klinikums und schließlich die Spezialisten am Deutschen Herzzentrum Berlin – alle haben wohl sehr schnell genau das richtige für mich getan“, sagt Malchow: „Und dafür darf man schon mal von ganzem Herzen danken - auch mit Kunstherz!“

Hintergrundinformationen:

Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme, die vereinfacht nicht ganz korrekt als „Kunstherzen“ verallgemeinert werden, sind Pumpsysteme, die die Funktion eines unheilbar geschädigten Herzmuskels übernehmen.

Meist wird direkt an der linken Kammer des erkrankten Herzens (das im Körper des Patienten bleibt) eine nur wenige Zentimeter große Pumpe eingesetzt und mit der Hauptschlagader (Aorta) verbunden. Die Pumpe ist durch ein Kabel mit einer Steuereinheit und Akkus außerhalb des Körpers verbunden, die der Patient in einem kleinen Rucksack oder einer kleinen Tasche mit sich trägt. 

Die Patienten können so häufig ein weitgehend normales Leben außerhalb der Klinik führen, ihrem Beruf nachgehen und auch Sport treiben.

In der Fachsprache werden solche Pumpsysteme kurz als VAD („Ventricular Assist Device“) bezeichnet. Je nach Notwendigkeit kann ein VAD auch an der rechten oder an beiden Kammern des Herzens eingesetzt werden.

Patienten mit einem VAD stehen meist auf der Warteliste für ein Spenderherz, immer häufiger werden Kunstherz-Systeme aber auch zu einer dauerhaften Alternative zur Transplantation, da nicht genügend Spender zu Verfügung stehen oder auch weil der Zustand eines Patienten eine Transplantation nicht zulässt.

In einigen Fällen erholt sich das eigene Herz der Patienten während der Entlastung durch die künstliche Pumpe sogar, so dass sie wieder entfernt werden kann.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin unter Leitung von Prof. Volkmar Falk betreibt das größte Kunstherz-Programm der Welt, seit 1988 wurden bereits über 2500 Systeme implantiert.

Dank dieser Erfahrung und intensiver Forschungsarbeit können die Patienten nicht nur immer länger, sondern auch mit immer mehr Lebensqualität auf ein Spenderorgan warten oder sogar dauerhaft mit einem VAD leben.

Weitere Informationen:

Christian Maier
Pressesprecher
Deutsches Herzzentrum Berlin
cmaier@dhzb.de
mobil: 0172 32 11 647
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