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January 2017

Lottes weite Reise

Komplexe Herzoperation bei einer Neugeborenen am DHZB gelingt ohne Einsatz von Fremdblut

(v.l.:) Dr. Oliver Miera, Leiter der Kinderintensivstation, Prof. Joachim Photiadis, Mutter Magriet Wiersma, Lotte und Dr. Katharina Schmitt, Leiterin der Station H4 für Angeborene Herzfehler -…

(v.l.:) Dr. Oliver Miera, Leiter der Kinderintensivstation, Prof. Joachim Photiadis, Mutter Magriet Wiersma, Lotte und Dr. Katharina Schmitt, Leiterin der Station H4 für Angeborene Herzfehler - Kinderkardiologie am DHZB

Bereits in der 20 Schwangerschaftswoche erfährt Margriet Wiersma-Vrolijk aus der Nähe von Leiden in Holland, dass ihre Tochter Lotte mit dem Down-Syndrom und einem „atrioventrikulärem Septumdefekt“ zur Welt kommen wird, einem Defekt der Scheidewand sowie der Klappen zwischen den Vorhöfen und den Kammern des Herzens.

„Natürlich war das zuerst einmal ein schwerer Schock, aber wir haben uns auch schnell wieder gefasst“, erzählt Mutter Margriet: „Mein Mann und ich sind bereits fünffache Eltern und wir waren zuversichtlich, dass wir auch eine Behinderung unserer Tochter gemeinsam bewältigen werden. Und Lottes Herzfehler müsse zwar operiert werden - aber erst einige Monate nach der Geburt, so hat man es uns mitgeteilt.“

Margriet Wiersma-Vrolijk und ihr Mann informieren sich. Sie erfahren, dass während Lottes bevorstehender Operation das Herz stillgelegt und eine Herz-Lungen-Maschine eingesetzt werden muss. Diese Maschine muss vorab „befüllt“ werden, weil sie sonst Luft in den Körper pumpen würde. Früher wurde dazu Spenderblut verwendet, das trotz sorgfältigster Prüfung aber noch immer ein Risiko für Infektionen und Unverträglichkeitsreaktionen birgt.

Heute wird deshalb meist eine sterile Elektrolytlösung eingesetzt. Die dadurch verursachte vorübergehende Verdünnung des Blutes ist bei erwachsenen Patienten nachweislich harmlos. Bei Neugeborenen oder Kleinkindern wirkt sich eine solche Verdünnung aber weit drastischer aus: Denn in den kleinen Körpern zirkulieren nur einige hundert Milliliter Blut. Eine Vorab-Befüllung mit Spenderblut ist deshalb trotz aller Risiken und Nachteile oft unumgänglich.

Am Deutschen Herzzentrum Berlin allerdings arbeiten Chirurgen, Kinderkardiologen, Anästhesisten und Kardiotechniker gemeinsam mit den Herstellern der Systeme bereits seit vielen Jahren intensiv an der Entwicklung und dem optimalen Einsatz von speziellen Herz-Lungen-Maschinen, die fremdblutfreie Eingriffe auch bei Neugeborenen ermöglichen.

Inzwischen gilt das DHZB als weltweit einziges Herzzentrum, in dem diese Systeme routinemäßig und ohne Sicherheitsrisiko durchgeführt werden können. „Wir können damit nicht nur die Infektions- und Unverträglichkeitsrisiken minimieren, sondern unseren Patienten häufig auch eine schnellere Erholung nach der Operation ermöglichen“, sagt Prof. Joachim Photiadis, Leiter der Klinik für Kinderherzchirurgie am DHZB. 

Lottes Eltern entscheiden sich deshalb, ihre Tochter trotz der großen Entfernung im DHZB operieren zu lassen. „Wir glaubten ja, dass Lotte erst nach einigen Monaten operiert werden muss und wir unsere Reise in aller Ruhe vorbereiten können“, sagt Margriet Wiersma-Vrolijk.

Doch es kommt anders. Denn unmittelbar nach Lottes Geburt am 13. November 2016 in der Uniklinik von Leiden stellt sich heraus, dass der angeborene Herzfehler wesentlich schwerwiegender ist als bisher angenommen: Die Hauptschlagader (Aorta) ist kurz oberhalb des Herzens unterbrochen, Lottes Körper wird kaum mit Sauerstoff versorgt.

Jetzt muss plötzlich alles sehr schnell gehen. Schon an ihrem neunten Lebenstag wird Lotte nach Berlin verlegt. Zwei Tage später korrigiert Prof. Joachim Photiadis mit seinem Team den Herzfehler seiner nur 47 Zentimeter kleinen Patientin. Der sechsstündige Eingriff gelingt.

„Dass wir selbst eine so komplexe Operation ohne Einsatz von Fremdblut durchführen konnten, ist das Resultat langjähriger unablässiger Teamarbeit“, sagt Prof. Photiadis: „Entsprechend sind wir alle gemeinsam auch ein bisschen stolz“.

Einige Wochen lang muss Lotte intensiv überwacht werden, doch dann erholt sie sich schnell. Jetzt konnte sie aus dem DHZB entlassen werden und mit ihren Eltern zurück Holland fahren. Nach Hause, wo ihre fünf Geschwister schon sehnsüchtig auf sie warten. 

Mehr über den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine am DHZB erfahren Sie auf der Website für Kardiotechnik am DHZB.

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