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January 1970

„Einfach wieder frei sein“

Als Tobias Schulze (34) im Oktober für einen TV-Beitrag gefilmt wurde, stand er seit 5 Monaten auf der Warteliste für eine Doppeltransplantation von Herz und Lunge. Kurz danach wurde der Eingriff durchgeführt. Jetzt wurde Tobias Schulze entlassen.

Tobias Schulze und PD Dr. Christoph Knosalla

Tobias Schulze und PD Dr. Christoph Knosalla

Tobias Schulze kommt 1982 mit einem schweren angeborenen Herzfehler zur Welt, eine chirurgische Behandlung ist nicht möglich. Er wächst in Cunnewalde bei Bautzen in Sachsen auf. Seine Kindheit und Jugend verlaufen noch weitgehend normal, er macht eine Ausbildung zum Informatik-Kaufmann und beginnt zu arbeiten. Doch 2009 muss er berentet werden, sein Herz ist zu schwach. Und auch seine Lunge ist durch den Rückstau des Bluts inzwischen unheilbar geschädigt. 

Einige Jahre lebt Tobias Schulze mit der Hilfe von kreislaufstärkenden Medikamenten noch weiter. Doch Anfang März wird er als Notfall ins Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) eingeliefert; Ende Mai kommt er auf die Warteliste für eine Herz-Lungentransplantation. Nun beginnt das quälende Warten im Krankenhaus, im Bewusstsein, das jede Minute der ersehnte Anruf kommen könnte, dass es aber auch noch Monate dauern kann.  

Im DHZB lernt Tobias den 17jährigen „Ogi“ kennen, der ebenfalls auf eine Doppeltransplantation wartet. „Stern TV“ dreht einen TV-Beitrag über diese ungewöhnliche Freundschaft. Am Abend des 25. Oktober, noch vor der Ausstrahlung des Beitrags, kommt eine Krankenschwester in Tobias' Zimmer: „Eurotransplant“ die zentrale Koordination für Organspenden in acht europäischen Ländern, hat ein passendes Organ gemeldet. 

„Gefühlschaos“ - mit diesem einem Wort fasst Tobias Schulze seinen Zustand in diesem Moment zusammen. „Angst hatte ich aber keine mehr. Mir war klar, dass ich mich ab jetzt völlig den Ärzten anvertrauen muss. Und dass es gut gehen wird“. 

Ein spezialisierter Herzchirurg des DHZB prüft am Entnahmeort die Organe, gibt telefonisch grünes Licht und macht sich auf den Rückweg nach Berlin. Um 2 Uhr morgens wird Tobias in den OP gebracht. „Ich habe mich an der Schleuse von meinen Eltern verabschiedet, das Team der Anästhesie hat sich vorgestellt. Und dann weiß ich nichts mehr.“ 

In einer zehnstündigen Operation setzen DHZB-Oberarzt Dr. Christoph Knosalla und sein Team ihrem Patienten die Spenderorgane ein. Der Eingriff verläuft ohne Komplikationen, etwa eine Woche später ist Tobias wieder vollständig bei Bewusstsein und beginnt seinen Weg zurück ins Leben. Weil seine Muskeln völlig verkümmert sind, muss er langsam wieder gehen lernen, doch mit Hilfe des Teams aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten geht es täglich bergauf. 

Nach etwa einem Monat wird Tobias Schulze von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt.  Und schließlich geben die Ärzte grünes Licht für die Entlassung aus dem DHZB in die Reha-Klinik. 

 „Wenn es gut läuft, bin ich vielleicht noch in diesem Jahr wieder zu Hause“, hofft er. 

Gerade 200 Meter schaffte Tobias Schulze vor der Transplantation noch zu Fuß. Inzwischen sind es viereinhalb Kilometer. 

Auch wenn er nie etwas über den Spender seiner Organe erfahren darf, denkt er oft in großer Dankbarkeit an den Verstorbenen und seine Familie. Pläne für seine Zukunft hat Tobias noch keine:  „Einfach wieder frei sein“ - das reiche ihm für den Anfang völlig, sagt er. Ein erstes Ziel hat er sich aber schon gesetzt: „Ich will mit meinem sechsjährigen Neffen Maximilian beim Rennen mithalten können“, sagt Tobias, „und der ist für sein Alter ganz schön schnell“!

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