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July 2017

Ein Happy End namens Kalle

Im vierten Monat ihrer Schwangerschaft musste Kim Kassuhn aus Berlin vier Stunden lang am offenen Herzen operiert werden. Jetzt ist ihr Sohn ein halbes Jahr alt geworden.

v.l: Professor Joachim Photiadis, Chefarzt der Abteilung für Kinderherzchirurgie am DHZB, Mi-Young Cho, die Kim Kassuhn operiert hat, Vater Lars, Mama Kim, Nachwuchs Kalle und Professor Felix Berger,…

v.l: Professor Joachim Photiadis, Chefarzt der Abteilung für Kinderherzchirurgie am DHZB, Mi-Young Cho, die Kim Kassuhn operiert hat, Vater Lars, Mama Kim, Nachwuchs Kalle und Professor Felix Berger, Chefarzt der Kinderkardiologie

Als Kim Kassuhn im Februar 1982 blau angelaufen zur Welt kommt, klingt die Diagnose dramatisch: „Fallot’sche Tetralogie“, eine Kombination von gleich vier angeborenen Herzfehlern.

Doch Kims Organismus kann die Fehlbildungen erstaunlich gut verkraften. Sie wächst normal auf, kann am Sportunterricht teilnehmen, macht sogar Leichtathletik. Ihre Mutter achtet zwar darauf, dass Kims Herz wenigstens einmal im Jahr untersucht wird. Doch die Ärzte sind jedes Mal zufrieden.

So denkt die junge Frau immer weniger an ihre angeborenen Herzfehler. Sie zieht aus, macht eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, dann beginnt das Berufsleben, bei Musikmanagern, einer Werbeagentur, schließlich beim Deutschen Institut für Normung (DIN) wo Kim Kassuhn bis heute tätig ist.

„Schon 2009 hat mir mein Kardiologe geraten, mich mal von den Experten im Berliner Herzzentrum untersuchen zu lassen“, gibt sie heute offen zu – „aber ich habe es nicht gemacht. Ich hatte doch keine Beschwerden!“ Ihren Partner Lars Weichert lernt Kim Kassuhn 2011 kennen und lieben. „Dein Herz hört sich seltsam an“, sagt der zu ihr, wenn er an ihrem Brustkorb lauscht. Doch weiter machen sich beide keine Gedanken.

Im Mai 2016 wird Kim Kassuhn schwanger. Die werdenden Eltern sind glücklich, „aber von Anfang an ging es mir körperlich sehr schlecht“, erzählt Kim. Lange glaubt sie, die Kurzatmigkeit sei eben bei Schwangeren normal. Doch Anfang August überweist die Gynäkologin ihre Patientin als dringenden Fall zum Kardiologen. Und der meldet Kim sofort im DHZB an.

Dort wird schnell klar: Der angeborene Herzfehler der Patientin hat sich extrem verschlechtert. Ärzte und werdende Eltern treffen nach langer Beratung die gemeinsame Entscheidung: Kim Kassuhn muss am Herzen operiert werden – trotz aller Risiken, vor allem für das Kind.

Am frühen Morgen des 17. August 2016 übergibt Lars Weichert seine Frau dem OP-Team. „Ich habe bitter geweint“, gibt Kim Kassuhn heute zu, „denn natürlich hatte ich Angst. Um mich, aber vor allem um mein Kind.“ Mi-Young Cho, leitende Oberärztin für die Chirurgie der Angeborenen Herzfehler am Deutschen Herzzentrum Berlin, nimmt den Eingriff vor.

Eine schwangere Patientin ist auch für die Chirurgin, die in ihrem Fach zur Weltspitze gehört, etwas Besonderes: „Welche Auswirkungen die Narkose und der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine auf das Baby haben, können wir nicht genau abschätzen“, so Mi-Young Cho, „deshalb war klar, dass ich so zügig wie irgend möglich operieren muss“. Die OP dauert vier Stunden und verläuft komplikationslos. Schon am nächsten Tag kann die Patientin von der Intensiv- auf die Normalstation entlassen werden.Und auch das Baby in ihrem Bauch hat den Eingriff offenbar gut überstanden.

Kim Kassuhn will dazu beitragen, dass andere Frauen mit angeborenen Herzfehlern sich regelmäßig untersuchen lassen und mögliche Risiken einer Schwangerschaft frühzeitig mit einem Facharzt absprechen: „Spätestens wenn es um zwei Leben geht, sollte man Rat suchen - auch wenn man vorher nie Probleme hatte“, sagt sie.

Am 24. August wird Kim Kassuhn aus dem Deutschen Herzzentrum Berlin entlassen. Der Rest der Schwangeschaft verläuft problemlos - und das Happy End dieser Geschichte hat einen Namen: Kalle. Geboren am 25. Januar 2017 im Virchow-Klinikum der Charité. Gesund. Und sehr munter!

Hintergrund:

Jedes Jahr kommen in Deutschland über 6000 Kinder zur Welt, die an einer angeborenen Herzerkrankung leiden. Etwa ein Drittel dieser Kinder benötigt eine intensive und komplexe Medizin oft schon kurz nach der Geburt. Sie sorgt dafür, dass das Kind nicht nur überlebt, sondern auch eine gute Startposition für das gesamte Leben erhält. Heute erreichen etwa 90 Prozent aller Kinder mit einem angeborenen Herzfehler in guter Lebensqualität mindestens das Erwachsenenalter.

Die 1988 eröffnete Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) bildet heute gemeinsam mit der DHZB-Klinik für Chirurgie der Angeborenen Herzfehler – Kinderherzchirurgie eines der größten Kinderherzzentren in Deutschland.

Bei der Diagnose und Behandlung von angeborenen und erworbenen Herzerkrankungen aller Schweregrade stehen einem hochqualifizierten und erfahrenen Ärzteteam sämtliche technischen Möglichkeiten bis hin zur modernsten Intensivmedizin zur Verfügung.

Viele Patienten mit angeborenen Herzfehlern benötigen lebenslang eine spezialisierte Versorgung, die Erfahrung und die Kenntnis der aktuell besten Behandlungsmöglichkeiten voraussetzt. In der medizinischen Betreuung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern liegt daher ein besonderer Schwerpunkt der Klinik. Die aktive Beratung junger Patientinnen hinsichtlich einer Schwangerschaft ist dabei eine Selbstverständlichkeit.

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