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28.06.2018

Vereinte Kraft fürs schwache Herz

Deutsches Herzzentrum Berlin und herzmedizinische Einrichtungen der Berliner Charité am Campus Virchow-Klinikum werden als überregionales Herzzentrum zertifiziert

von links: Prof. Dr. med. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des DHZB, die Oberärzte Dr. med. Felix Schönrath und PD dr. med. Daniele Messroghli und Prof. Dr. med. Burkert Pieske, Direktor der Klinik…

von links: Prof. Dr. med. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des DHZB, die Oberärzte Dr. med. Felix Schönrath und PD dr. med. Daniele Messroghli und Prof. Dr. med. Burkert Pieske, Direktor der Klinik für Innere Medizin/Kardiologie

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK) und die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) haben das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) und die Charité - Universitätsmedizin Berlin am Campus Virchow-Klinikum gemeinsam als zertifiziertes "Überregionales Herzinsuffizienz-Zentrum" ausgezeichnet

Die Prüfer bescheinigen den beiden Einrichtungen damit ein optimales Behandlungsangebot auf Grundlage sämtlicher moderner Möglichkeiten zur Diagnose und Therapie. Vorausgegangen war die eingehende Prüfung der übermittelten Unterlagen sowie eine persönliche Überprüfung der Einrichtungen und Befragung der zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort.

"Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung als Bestätigung einer jahrelangen intensiven und interdisziplinären Zusammenarbeit beider Einrichtungen", sagt Prof. Dr. med. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin und Direktor der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie - Herzchirurgie der Charité.

"Zugleich verstehen wir das Zertifikat als Ansporn für den weiteren Ausbau eines überregionalen Herzinsuffizienz-Netzwerks, gemeinsam mit unseren klinischen und niedergelassenen Partnern", ergänzt Prof. Dr. med. Burkert Pieske, Direktor der Klinik für Innere Medizin - Kardiologie am DHZB und zugleich Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité - Universitätsmedizin Berlin.

Definition und Ursache

Eine Herzinsuffizienz liegt vor, wenn die Pumpleistung des Herzens nicht mehr ausreicht, um den Blutbedarf des Körpers zu decken - zumeist, weil der Herzmuskel nicht mehr über - vereinfacht gesagt - genügend Kraft verfügt. Die Folge ist ein Blutstau in den Gefäßen von der Lunge zum Herzen, der im weiteren Verlauf meist auch zu Atemnot führt.

Die Ursachen für eine Herzinsuffizienz sind unterschiedlich. Hauptursache ist die koronare Herzkrankheit. Weitere Ursachen sind hoher Blutdruck, Erkrankungen der Herzklappen, dauerhafte Herzrhythmusstörungen, angeborene Herzkrankheiten, Diabetes sowie Erkrankungen des Herzmuskels selbst.

Millionen Betroffene

Die Häufigkeit der Herzinsuffizienz hat in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen - auch aufgrund medizinischer Behandlungsfortschritte. Denn akute Erkrankungen wie ein Herzinfarkt werden heute dank besserer Therapie häufiger überlebt. Langfristig aber kann der erlittene Schaden dennoch zur Herzschwäche führen.

In Deutschland leiden geschätzt rund 1,8 Millionen Menschen unter chronischer Herzinsuffizienz, über 300.000 Menschen erkranken jährlich neu. Die Herzinsuffizienz ist die häufigste Diagnose bei Klinikaufnahmen und zählt zu den häufigsten Todesursachen.

Vom Symptom zum Syndrom - gewandeltes Verständnis

Das Verständnis der Herzinsuffizienz hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während sie früher eher als ein Begleitsymptom der zugrundeliegenden Herzerkrankung betrachtet wurde, wird sie mittlerweile als eigenständiges Syndrom wahrgenommen, mit oft schwerwiegenden Konsequenzen auch für andere Organe und mit einer starken Beeinträchtigung von Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten. So ist die Sterblichkeit von Patienten mit Herzinsuffizienz im fortgeschrittenen Stadium mit der einiger schwerer Tumorerkrankungen zu vergleichen.

In der Kardiologie hat sich daher inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass bei vielen Herz-Kreislauf-Patienten eine umfassende Behandlung der Herzinsuffizienz oberste Priorität gewinnt und die Ursache der Herzschwäche eher in den Hintergrund tritt. Oberstes Ziel ist es dabei, krisenhafte Verschlechterungen ("Dekompensation") mit der Notwendigkeit eines stationären Krankenhausaufenthaltes zur Stabilisierung ("Rekompensation") zu vermeiden, da jede dieser Episoden letztlich eine weitere Einschränkung der Leistungsreserve des Herzens bedeutet.

Gebündelte Expertise

In mehrjähriger Zusammenarbeit haben das Deutsche Herzzentrum Berlin, die Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie sowie die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité ein interdisziplinäres Konzept zur gemeinsamen koordinierten Versorgung von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz erarbeitet.

Dank gebündelter Erfahrung, Expertise und modernster technischer Ausstattung in unmittelbarer räumlicher Nachbarschaft kann hier das gesamte Portfolio bestmöglicher Diagnostik und Therapie angeboten werden - unabhängig von individueller Ursache und Schweregrad einer Herzinsuffizienz sowie unabhängig vom Alter der Patienten.

Neben Spezialambulanzen oder -Sprechstunden für spezielle Herzerkrankungen, schwere Herzinsuffizienz, "Kunstherz"-Patienten oder für Herztransplantation bieten die Kliniken das gesamte Spektrum moderner diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten der Kardiologie, der Kinderkardiologie und der Herzchirurgie an.

Die Mediziner arbeiten gemeinsam mit vielen Kliniken und ambulanten Praxen in Berlin und Brandenburg am Aufbau eines Herzinsuffizienz-Netzwerks, welches durch einrichtungsübergreifende interdisziplinäre Fallbesprechungen, gemeinsame Standards bei Diagnostik und Therapie sowie Initiativen zur Fort- und Weiterbildung von ärztlichem und pflegerischem Personal neue Maßstäbe im Bereich der Herzinsuffizienz-Behandlung setzen soll.

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