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25.05.2018

Premiere ohne Komplikationen

Zum europaweit ersten Mal wurde am Deutschen Herzzentrum Berlin ein neues Implantat zum Verschluss von Defekten der Kammerscheidewand im Herzen eingesetzt. Vielen Kindern soll damit in Zukunft eine belastende Herzoperation erspart bleiben.

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Luisa (2) aus Malchin in Mecklenburg und Sophie Louisa (3) aus Wandlitz bei Berlin werden ihren kurzen Aufenthalt im Deutschen Herzzentrum Berlin vermutlich bald wieder vergessen haben. Den Ärztinnen und Ärzten aber bleiben sie in Erinnerung. Denn die beiden Mädchen sind die europaweit ersten Menschen, die mit einem neuen Implantat zur Reparatur eines häufigen Herzfehlers behandelt wurden.  

Beide Mädchen sind 2015 mit einem sogenannten „Ventrikelseptumdefekt“ zur Welt gekommen, vereinfacht gesagt einem Loch in der Scheidewand (Septum) zwischen den Herzkammern (Ventrikeln).

„Natürlich ist so eine Diagnose kurz nach der Geburt erst einmal ein Schock“, erzählt Sophie Louisas Mutter Anika, „aber unsere Kinderkardiologin hat uns sehr gut informiert und damit auch entsprechend beruhigt“. 

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Defekte der Scheidewand zwischen den beiden Herzhälften gehören zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern. Im Bereich der Herzvorhöfe werden sie heute in den meisten Fällen mit einem Herzkatheter verschlossen, ohne dass eine Operation am offenen Herzen nötig wird. 

Dabei wird ein Schirm aus einem Drahtgeflecht, ein sogenannter Okkluder, durch einen dünnen Schlauch von einem kleinen Einschnitt in der Leistengegend über die Blutgefäße bis ins Herz vorgeschoben und über dem Loch in der Scheidewand aufgespannt. Schnell wird es vom Organismus mit Bindegewebe umhüllt und verbleibt folgenlos ein Leben lang im Herzen. 

Liegt der Septumdefekt im Bereich der Herzkammern, ist der Verschluss per Herzkatheter aber deutlich schwieriger, erläutert Privatdozent Dr. Stephan Schubert, Oberarzt der Klinik für Kinderkardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin: „Bei der Implantation besteht oft ein hohes Risiko, dass die empfindlichen elektrischen Reizleitungsbahnen des Herzens geschädigt werden können. Die Folge ist eine Herzrhythmusstörung, der sogenannte AV-Block. Und manchmal können wir die Defekte auch mit den bisher verfügbaren Okkludern eben nicht verschließen, da sie zu groß sind oder die Schirme nicht verankert werden können.“ Oft sei dann eine Herzoperation die einzige Alternative, so der Kinderkardiologe -  trotz aller damit verbundenen Risiken und Belastungen für das Kind.  

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Auch im Fall von Sophie Louisa und Luisa musste eine Entscheidung getroffen werden. Fest stand für die Ärzte nur, dass beide Kinder relativ schnell behandelt werden müssen, bevor der gestörte Blutfluss im Herzen für irreversible Schäden sorgt. 

Stephan Schubert konnte den Eltern aber eine Alternative sowohl zur OP als auch zur Herzkatheter-Behandlung mit den bisher verfügbaren Schirmen anbieten – denn er wusste, dass völlig neuartige Okkluder zum Verschluss per Herzkatheter kurz vor der europäischen Zulassung standen. 

„Diese neuen Schirmchen vermindern nicht nur das Risiko für einen AV-Block drastisch“, so Schubert, „sie haben auch eine verbesserte Form und sind wesentlich weicher und elastischer als die bisher verfügbaren Katheter-Systeme. Damit lassen sie sich über kleinere und schonendere Einführschleusen besser und erfolgreicher in das Loch der Kammerscheidewand einbringen."

Nach sorgfältiger Beratung entscheiden sich beide Familien auf das neuere System zu warten, das bisher nur in Asien erfolgreich eingesetzt wurde. Als die europäische Zulassung vorliegt, werden beide Kinder für den 14. Mai auf den Plan des Kinder-Herzkatheterlabors gesetzt.

„Wir waren umfassend aufgeklärt und sehr zuversichtlich“, sagt Luisas Vater Falko – „aber der Kloß im Hals war dennoch riesengroß, als wir die Kleine dann abgeben mussten“. 

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Die Europa-Premiere verläuft jedoch komplikationslos. Beide Kinder können schon am übernächsten Tag aus dem DHZB entlassen werden. „Lebenslang sind keine Einschränkungen hinsichtlich der Belastbarkeit zu erwarten“, meint Oberarzt Schubert. 

Das neue Verfahren soll nun dazu beitragen, mehr Kindern mit einem angeborenen VSD eine belastende Herzoperation zu ersparen. 

Die beiden „Europa-Pioniere“ sind jedenfalls wieder äußerst munter – zur großen Freude und Erleichterung, der Eltern.  „Manchmal schon fast zu munter“, setzt Mutter Anika am Telefon noch lachend hinzu.

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