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30.03.2018

Ein Herz an Heiligabend

Über anderthalb Jahre lebt die schwer herzkranke Clarissa (3) am DHZB, angeschlossen an ein Kunstherz. Ihre einzige Chance ist ein Spenderorgan. Am Heiligen Abend wird Clarissa transplantiert. Jetzt konnte sie entlassen werden. Pünktlich zum Osterfest!

Das Team der Station H4 beim Abschiedsfoto

Das Team der Station H4 beim Abschiedsfoto

Als Clarissa im April 2014 zur Welt kommt, sind Eltern und Ärzte wenigstens vorbereitet – denn schon während der Schwangerschaft wurde ein schwerwiegender angeborener Herzfehler diagnostiziert. Clarissa kommt als Zwillingskind zur Welt, ihr Bruder ist gesund.

Im Alter von anderthalb Jahren wird Clarissa am DHZB operiert. Der komplizierte Eingriff gelingt, doch wie sich das fehlgebildete Herz langfristig entwickeln wird, bleibt unklar.

Zunächst geht alles gut. Doch im Juli 2016 überschlagen sich die Ereignisse. Clarissas ist gerade bei ihrer Oma, als sich ihr Zustand plötzlich dramatisch verschlechtert.

Sie wird ins Krankenhaus gebracht, muss wiederbelebt werden. Mit dem Rettungshubschrauber wird sie am nächsten Tag ins Deutsche Herzzentrum Berlin gebracht. Wochenlang bleibt ihr Zustand kritisch. 

Die Ärzte müssen das Mädchen an eine mechanische Kreislaufpumpe, also ein Kunstherz anschließen. Aus ihrem Körper kommen nun zwei fingerdicke Schläuche, die ihren Kreislauf mit einer künstlichen Pumpe außerhalb des Körpers verbinden, etwa so groß wie ein kleiner Kühlschrank.

Die Diagnose der Spezialisten steht bald fest: Clarissas Herz wird sich nicht mehr erholen, sie kann langfristig nur noch durch eine Transplantation gerettet werden. Clarissa kommt auf die Warteliste bei Eurotransplant.

kurz vor Weihnachten 2017: Clarissa, noch angeschlossen ans Kunstherz, mit Kinderherzchirurg Dr. Michele Musci

kurz vor Weihnachten 2017: Clarissa, noch angeschlossen ans Kunstherz, mit Kinderherzchirurg Dr. Michele Musci

Monatelang müssen Enrico und Nadine Eichmann nun für ihre kranke Tochter im DHZB und ihre beiden Söhne zugleich sorgen. Sie müssen bangen, dass Clarissas Zustand stabil bleibt. Und hoffen, dass irgendwann der ersehnte Anruf kommt. So vergeht über ein Jahr.

Es wird schließlich Winter und Nadine fragt ihre Tochter nach Weihnachtswünschen. Clarissa hat keine - außer einen: „Mama, ich will nur endlich ein neues Herz“. Noch heute kommen Nadine Eichmann beim Erzählen die Tränen.

Familie Eichmann bereitet sich auf ein Weihnachtsfest im Krankenhaus vor. Doch am Morgen des 24. Dezember kommt der Anruf aus dem DHZB: es gibt ein passendes Spenderherz.

„Ich habe geweint, gelacht, geschrien – alles durcheinander“, erzählt Nadine Eichmann, der bei aller Freude und Hoffnung für ihre Tochter auch bewusst ist, dass irgendwo in Europa ein Kind gestorben ist.

Am Mittag macht sich das DHZB-Entnahmeteam mit dem Ambulanzjet auf den Weg. Einige Stunden später geben die Ärzte vor Ort grünes Licht. Das Herz ist in Ordnung, sie holen es nach Berlin.

Mi-Young Cho (stellv. Chefärztin der DHZB-Kinderherzchirurgie) hat die Transplantation durchgeführt.

Mi-Young Cho (stellv. Chefärztin der DHZB-Kinderherzchirurgie) hat die Transplantation durchgeführt.

Nadine und Enrico Eichmann räumen das Krankenzimmer ihrer Tochter aus, bringen die Sachen nach Hause und kommen ins DHZB zurück, warten in der „Elternoase“ der Station H4 auf Nachricht aus dem OP. Ihre beiden anderen Kinder sind bei den Großeltern. „Auch wenn es schlimm war, Weihnachten nicht zusammen sein zu können – wir wollten einfach in Clarissas Nähe bleiben“, sagt Vater Enrico.

In den frühen Morgenstunden haben Mi-Young Cho, stellvertretende Direktorin der Klinik für Kinderherzchirurgie am DHZB und ihr Team den Eingriff erfolgreich beendet.

Clarissa mit den Schwestern Jana und Sophie

Clarissa mit den Schwestern Jana und Sophie

Über 20 Monate hat Clarissa am DHZB verbracht. Eine Zeit voller Sorgen und Belastungen, an die Clarissas Eltern dennoch auch gerne zurückblicken, vor allem aber „in gewaltiger Dankbarkeit dem gesamten Team gegenüber“ sagt Nadine Eichmann heute: 

„Obwohl wir natürlich nur so selten wie möglich wiederkommen wollen – das DHZB wird für Clarissa immer ein zweites Zuhause bleiben.“

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