20.04.2019

Voll ins Schwarze getroffen

Nach zweieinhalb Jahren am Kunstherz und einer äußerst schwierigen Transplantation konnte die 14-jährige Selina nun aus dem DHZB entlassen werden. Jetzt will sie Bogenschiessen lernen. 

Selina mit Mitgliedern des Pflegeteams der Transplantationsstation H3, Leiter Dr. Felix Schönrath und Kinderkardiologin Dr. Katharina Schmitt (rechts)

Selina mit Mitgliedern des Pflegeteams der Transplantationsstation H3, Leiter Dr. Felix Schönrath und Kinderkardiologin Dr. Katharina Schmitt (rechts)

Selina und ihre Eltern

Selina und ihre Eltern

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Selina Kaya aus der Nähe von Regensburg in Bayern ist elf Jahre alt, als sie und ihre Eltern die Diagnose bekommen: „Restriktive Kardiomyopathie“ – eine krankhafte Verdickung und Vernarbung des Herzmuskels. 

Die Erkrankung ist unheilbar und nimmt einen schnellen Verlauf. Schon im Oktober 2016 wird Selina in der Uniklinik Erlangen ein Kunstherz angeschlossen. Weil die Krankheit durch den Rückstau des Blutes auch die Lunge in Mitleidenschaft zieht, scheint eine Herztransplantation nicht machbar zu sein. 

Über das befristete Leben am Kunstherz hinaus scheint es für Selina keine Behandlungsperspektive mehr zu geben. Immerhin: Selina trägt ein mobliles Pump-System, das ihr ein Leben außerhalb der Klinik ermöglicht. Schon immer träumte die damals 12-jährige davon, einmal am Meer zu leben. Im November 2017 beschließen ihre Eltern Natascha und Necmi, Selina diesen Wunsch zu erfüllen. Die Familie zieht um nach Stralsund an die Ostsee. 

Die tapfere Patientin und ihre Eltern müssen schlimme Rückschläge hinnehmen: Durch die Bildung von Gerinnseln im Kunstherzsystem erleidet Selina zweimal einen Schlaganfall ist teilweise gelähmt. Doch immer wieder kämpft sie sich zurück ins Leben: Auch dank der professionellen Hilfe ihrer Familie: Eltern und Großeltern sind Krankenpfleger. 

Wegen eines Defekts der Pumpe kommt Selina 2018 im Oktober als Notfall ins DHZB. Hier wird sie von den Kinderkardiologen in den nächsten Wochen noch mehrfach ausführlich untersucht und intensiv therapiert. Tatsächlich zeigt sich, dass sich der gefährliche Lungenhochdruck bei Selina gebessert hat – eine Herztransplantation scheint machbar. 

Nach nur 56 Tagen auf der Warteliste ist es soweit. Selina wird mit Blaulicht nach Berlin gefahren und am Vormittag des 9. März in den OP gebracht. Die Grunderkrankung, die Voroperationen, das Pumpsystem: Mi-Young Cho, stellvertretende Leiterin der Kinderherzchirurgie am DHZB, weiß, dass ihr und ihrem Team ein äußerst schwieriger Eingriff bevorsteht. Erst nach 10 Stunden bekommen Natascha und Necmi Kaya die erlösende Nachricht, dass die Operation erfolgreich war. 

Nach zweieinhalb Jahren am Kunstherz schlägt nun ein kräftiges Spenderherz in Selinas Brust. Die Erholung verläuft schneller und besser als angesichts der schwierigen Umstände erwartet. 

Jetzt geht es endlich heim. Ans Meer, zu den beiden Hunden „Sammy“ und „Tombi“. Nach jahrelangem Unterricht zu Hause will Selina in einem halben Jahr wieder zur Schule gehen. Und: Bogenschießen lernen!  Wir wünschen ihr, dass sie von nun an nur noch mitten ins Schwarze trifft. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn!

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