29.01.2019

Praxisnah und faszinierend

Als W3-Professor für kardiovaskuläre Forschung an DHZB und Charité widmet sich Max Emmert mit seinem Team der Erschaffung von Herz-Implantaten aus körpereigenen Zellen

Prof. Dr. Dr.med. Max Emmert

Prof. Dr. Dr.med. Max Emmert

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Der Herzchirurg und Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. med. Maximilian Emmert (39) ist seit Oktober als W3-Professor für kardiovaskuläre Forschung an der Charité und dem DHZB tätig. Die Professur wurde von beiden Institutionen in Kooperation ausgeschrieben. 

Der gebürtige Hannoveraner studierte Medizin in Hamburg, Hannover, Zürich, London, Sydney und Singapur. Er wurde am Züricher Universitätsspital zum Facharzt für Herzchirurgie ausgebildet. 

2012 habilitierte sich Maximilian Emmert mit einer Arbeit über kardiovaskuläres Tissue Engineering und nur ein Jahr später schloss er sein PhD Studium zum Thema Translational Therapies to Regenerate the Heart“ an der Technischen Universität in Eindhoven ab. In der Folge erhielt er 2016 eine Direktberufung zum Professor für „Translationale Herzchirurgie“ an der Medizinische Fakultät der Universität Zürich und ist seit 2014 assoziierter Wissenschaftler am Wyss Institute in Boston.

Tissue Engineering: Implantate aus Körperzellen

Seine herzmedizinischen Forschungsvorhaben sind gleichermaßen praxisnah wie faszinierend, etwa im Bereich des „kardiovaskulären Tissue Engineering“: Hier arbeiten Emmert und sein Team an regenerativen, mitwachsenden Implantaten zum Ersatz von erkrankten Herzklappen, Blutgefäßen und anderen kardiovaskulären Strukturen. 

Humane, aber körperfremde Zellen aus sog. Biobanken (z.B. aus der Nabelschnur Neugeborener) werden zunächst auf ein künstliches Trägergerüst (Polymer) mit der Form eines Blutgefäßes oder einer Herzklappe aufgebracht. In einem speziellen Behälter, dem Bioreaktor, bilden diese Zellen eine Struktur aus menschlichem Bindegewebe, die „extrazelluläre Matrix“.

Aus dieser Matrix werden die körperfremden Zellen wieder „herausgewaschen“. Dem Empfänger wird also nur das zellfreie Bindgewebe implantiert. In seinem Körper wird das Implantat dann von körpereigenen Zellen besiedelt, die es schrittweise wieder in lebendes Herzklappen- oder Blutgefässgewebe umwandeln. 

Solche Implantate würden viele Probleme herkömmlicher Prothesen beenden, sagt Maximilian Emmert: „Sie werden vom Organismus nicht abgestoßen, haben Wachstumspotential und die Patienten müssen keine Medikamente zur Gerinnungshemmung einnehmen wie etwa bei Herzklappen aus Kunststoff.“

Forschung für Infarktpatienten 

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung von Maximilian Emmert und seinem Team ist eine der häufigsten wie auch gefährlichsten akuten Herzerkrankungen, der Herzinfarkt. Dabei stirbt Herzmuskelgewebe ab, weil es durch eine Verengung oder Verstopfung in den Herzkranzgefäßen nicht mehr mit Blut versorgt wird. 

Emmert und sein Team wollen zellbasierte „3D-Organoide“ schaffen, also eine Art dreidimensionale, regenerative „Mikro-Körperteile“. Mit Hilfe moderner Bildgebungstechnik sollen sie über einen Herzkatheter zielgenau in das geschädigte Herzmuskelgewebe implantiert werden können, ohne dass dazu eine Herzoperation nötig wird. 

Möglich soll dies mit Hilfe von sogenannten adulten Stammzellen oder „Progenitorzellen“ werden, einer Art Zwischenstadium von Stamm- und ausdifferenzierter Zelle. Die ethisch umstrittene Verwendung embryonaler Stammzellen ist dabei nicht nötig.

Klinische Projekte 

Im Bereich der klinischen Forschung beschäftigt sich Emmert vor allem mit dem sogenannten Vorhof-Ohr: in dieser Aussackung des linken Herzvorhofs können sich bei Patienten mit bestimmten Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) Gerinnsel bilden, die das Risiko für Schlaganfälle oft erheblich erhöhen. Emmert und sein Team erforschen, inwieweit ein chirurgischer Verschluss des Vorhof-Ohrs eine Alternative zur dauerhaften Einnahme von blutverdünnen Medikamenten darstellt. 

Maximilian Emmert kooperiert mit zahlreichen nationalen wie nationalen Institutionen wie der Harvard University, der Mayo Clinic in Rochester, sowie der Chris Barnard Division of Cardiothoracic Surgery an der University of Cape Town. Für seine zahlreichen international beachteten Publikationen in hochrangigen Fachmedien wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Pfizer Forschungspreis, dem Siegenthaler Preis der Universität Zürich oder dem Jahrespreis der Schweizerischen Gesellschaft für Herz-und Gefäßchirurgie.

„Ich freue sehr auf die Zusammenarbeit den Kolleginnen und Kollegen am Deutschen Herzzentrum Berlin, an der Charité sowie an allen wissenschaftlichen und klinischen Partnern und hoffe, mit meiner Arbeit zum weiteren Erfolg eines kardiovaskulären Forschungsstandorts mit internationaler Strahlkraft beitragen zu können“, sagt Emmert. 

„Maximilian Emmerts internationaler Stellenwert im Bereich der kardiovaskulären Forschung ist durch seine zahlreichen wie nachhaltigen Erfolge eindrucksvoll belegt“, sagt Professor Dr. med. Volkmar Falk, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums und Direktor der Klinik für kardiovaskuläre Chirurgie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, „doch nicht nur fachlich, sondern auch menschlich ist Maximilian Emmert dank seines gewinnenden Wesens und seiner ausgeprägten Teamfähigkeit ein großer Gewinn.“

Seine Professur an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich behält Emmert weiterhin aktiv bei. Er möchte bestehende Kooperationen beider Standorte weiter ausbauen und neue schaffen. 

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