14.12.2018

Mit Kunstherz über den Atlantik

Zum ersten Mal wird ein ans „Kunstherz“ angeschlossenes Kleinkind aus den USA zur Operation nach Deutschland geflogen, um das Gerät wieder zu entnehmen. Der Eingriff ist geglückt. Jetzt darf Chloé wieder nach Hause.

Eine glückliche Familie: Ryan, Chloé und Treasure Caldwell am Tag 14 nach der OP

Eine glückliche Familie: Ryan, Chloé und Treasure Caldwell am Tag 14 nach der OP

Die Patientin, ihre Mutter und das Ärzteteam (v.l.:) Oberarzt Mathias Redlin, Spezialist für Kardioanästhesie bei Kindern, Kardiotechniker Wolfgang Böttcher, Professor Joachim Photiadis, Chefarzt der…

Die Patientin, ihre Mutter und das Ärzteteam (v.l.:) Oberarzt Mathias Redlin, Spezialist für Kardioanästhesie bei Kindern, Kardiotechniker Wolfgang Böttcher, Professor Joachim Photiadis, Chefarzt der Kiunderherzchirurgie, Oberärztin Dr. Katharina Schmitt, Leiterin der Kinderstation, Oberazt Dr. Oliver Miera, Leiter der Kinder-Intensivstation und Professor Felix Berger, Chefarzt der Kinderkardiologie

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Die zweijährige Chloé aus Salt Lake City in den USA, wird im Juli dieses Jahres aufgrund einer akut lebensbedrohlichen Herzmuskelentzündung an eine künstliche Kreislaufpumpe, das in Berlin entwickelte „Berlin Heart Excor Pediatric“, angeschlossen. Sie kommt auf die Warteliste für eine Herztransplantation.

Vieles deutet in der Folge zwar darauf hin, dass sich ihr eigenes Herz durch die maschinelle Entlastung wieder erholt haben könnte.

Doch mit der operativen Entnahme einer maschinellen Kreislaufunterstützung gibt es in den USA kaum Erfahrungen.

Chloés Eltern, Ryan und Treasure Caldwell, recherchieren im Internet und finden heraus, dass am DHZB bereits vor über zehn Jahren Standard-Verfahren zur Beurteilung der Möglichkeit der Kunstherz-Entnahme sowie zur optimalen Vorbereitung und Durchführung der Operation entwickelt wurden. Und dass diese Verfahren dank intensiver Forschung der DHZB-Kinderkardiologen kontinuierlich weiterentwickelt wurden.

Am Deutschen Herzzentrum Berlin konnten bereits über 130 Kunstherzen verschiedenen Typs wieder entnommen werden, ohne dass eine Transplantation nötig wurde – darunter auch bei 27 Kindern am „Berlin Heart Excor Pediatric“, jenem Gerät, das auch Chloés Leben gerettet hat.

Ryan und Treasure Caldwell übermitteln Chloés Unterlagen an das DHZB mit der Bitte um Prüfung. Die Berliner Experten bewerten die Erfolgschancen einer operativen Entnahme des Kunstherzens als hoch.

Treasure und Ryan Caldwell erreichen schließlich, dass ihre Tochter am 13. November samt Kunstherz mit einem Ambulanzjet und einer speziell ausgebildeten medizinischen Crew ins Deutsche Herzzentrum nach Berlin geflogen wird.

 

An der Klinik für Angeborene Herzfehler – Kinderkardiologie des Deutschen Herzzentrums Berlin unter Leitung von Prof. Dr. med. Felix Berger werden sorgfältige Tests durchgeführt, dann geben die Kinderkardiologen grünes Licht für die OP.

Am Morgen des 26. November nimmt Prof. Dr. med. Joachim Photiadis, Direktor der DHZB-Klinik für Kinderherzchirurgie, die künstliche Kreislaufpumpe in einer sechsstündigen Operation von Chloés Herz ab.

Nach nur zwei Tagen kann Chloé die Intensivstation verlassen und steht nun kurz vor der Heimreise. Nicht nur Weihnachten wird Chloé damit voraussichtlich wieder zuhause in Amerika verbringen können. Sondern voraussichtlich auch ihren dritten Geburtstag am 22. Dezember.

„Natürlich sind Komplikationen nie völlig ausgeschlossen und Chloés Zustand sollte weiterhin engmaschig kontrolliert werden“, sagt Klinikdirektor Professor Felix Berger; „unsere Prognose ist aber sehr positiv und wir freuen uns, Chloé voraussichtlich noch vor dem Weihnachtsfest entlassen zu können“.

Chloés Eltern machen den Fall ihrer Tochter öffentlich, weil sie auch in den USA darauf aufmerksam machen wollen, dass für Kinder am Kunstherz in manchen – wenn auch seltenen – Fällen eine Alternative zur Herztransplantation existiert.

„Uns ist völlig bewusst, dass eine Kunstherz-Entnahmen oder Transplantation längst nicht in allen Fällen möglich ist“, sagt Chloés Mutter Treasure, „aber wir wollen Eltern und Ärzten in den USA darauf aufmerksam machen, dass es diese Alternative gibt und dass sie in Berlin seit langem erfolgreich angewendet wird.

Wir hatten die finanziellen Möglichkeiten, unser Kind nach Berlin zu bringen. Aber auch alle anderen Kinder sollten in den USA die Chance auf ein Leben ohne Herztransplantation bekommen – wenn es, wie in Chloés Fall, möglich ist. Wir wollen die klinische Anwendung des Verfahrens und die Forschung in diesem Bereich unterstützen. Und gehen deshalb auch an die Öffentlichkeit.“

  • 1986 implantiert der Herzchirurg Prof. Emil Bücherl am Berliner Klinikum Westend zum ersten Mal in Deutschland ein künstliches Herz. Am Deutschen Herzzentrum Berlin wird Prof. Bücherls herzchirurgisches Programm weitergeführt.
  • 1987 wird am DHZB die erste Kunstherz-Implantation vorgenommen.
  • 1990 kann weltweit zum ersten Mal die Wartezeit auf eine Transplantation bei einem Kind erfolgreich mit einem Kunstherz überbrückt werden.
  • 1994: Zum ersten Mal weltweit kann am DHZB ein Kunstherz wieder entnommen werden, weil sich das Herz des Patienten wieder erholt hat.
  • Aus der Forschung am DHZB ging auch die Firma „Berlin Heart“ hervor. Das „Berlin Heart Excor Pediatric“ ist das weltweit einzige Kreislauf-Unterstützungssystem, das auch bei Säuglingen und Kleinkindern zugelassen ist und weltweit über 100 mal pro Jahr eingesetzt wird.
  • Mit bisher über 2.800 Implantationen insgesamt hat das Deutsche Herzzentrum Berlin unter ärztlicher Leitung von Prof. Dr. med. Volkmar Falk heute das größte Kunstherz-Programm weltweit.
  • Hier wurden zahlreiche Innovationen entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Dazu gehören moderne minimalinvasive Operationsverfahren sowie die Entwicklung spezieller Instrumente.
  • Die Spezialisten des DHZB führen regelmäßig Ausbildungsseminare durch und werden weltweit angefragt, um bei schweren und komplexen Operationen in anderen Kliniken in Deutschland und im Ausland mit ihrer Erfahrung zu helfen.
  • Über 130 Unterstützungssysteme konnten am DHZB wieder explantiert werden, weil sich der Herzmuskel der Patienten während der dauerhaften Unterstützung durch ein Kunstherz-System wieder erholt hat.
  • Das DHZB verfügt über ein spezielles Programm zur Verbesserung des Erholungspotentials des Myokards (Herzmuskelgewebes) von Kunstherzpatienten und hat Verfahren entwickelt, die eine genaue Beurteilung der Erholung des Herzmuskels ermöglichen.
  • Der Erfolg einer Implantation hängt von einer rechtzeitigen Operation, aber vor allem auch von einer kontinuierlichen Nachsorge ab. Das DHZB verfügt deshalb über eine eigene Ambulanz, in der alle Patienten mit künstlichen Kreislaufpumpen betreut werden.
  • Allen Kunstherz-Patienten steht zudem rund um die Uhr eine spezielle Hotline rund um die Uhr zur Verfügung.

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