Das Programm für Herz- und Lungentransplantation am DHZB

Seit 30 Jahren werden am Deutschen Herzzentrum Berlin Herz-, Lungen- sowie kombinierte Herz-Lungentransplantationen durchgeführt. Damit ist eines der größten und erfolgreichsten Transplantationsprogramme Deutschlands entstanden. Als überregionales Zentrum betreuen wir Patienten mit schweren Herz- oder Lungenerkrankungen aus ganz Deutschland. Für diese Patienten ist eine Transplantation oft die letzte Hoffnung. Unsere Transplantationsambulanz ist dabei von zentraler Bedeutung: Allein 2015 kam es hier zu über 3.800 persönlichen Patientenkontakten, wobei in unserem Transplantations-Nachsorgeprogramm mehr als 600 Patienten betreut werden.

Ein erfahrenes und fachübergreifendes Team ist am DHZB auf die Diagnostik und Therapie von terminalen Herz- sowie Lungenerkrankungen spezialisiert. Kardiologen, Pneumologen sowie Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgen arbeiten Hand in Hand mit Pflegekräften, Ernährungsberatern und Psychologen, um eine individuelle Patientenbetreuung sicher zu stellen.

Wie ist eine Organspende organisiert?

Bei einer Transplantation von Herz und/oder Lunge wird ein unheilbar krankes Organ durch das eines hirntoten Spenders ersetzt. Der Hirntod wird dabei von zwei speziell ausgebildeten Medizinern unabhängig voneinander festgestellt. 

Die Organspende ist in Deutschland durch das Transplantationsgesetz geregelt. Dieses Gesetz trennt die Bereiche Organspende, Organvermittlung und Organübertragung streng voneinander, um Interessenskonflikte auszuschließen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert und unterstützt die Prozesse der Feststellung des Hirntods des Spenders und der Organentnahme.

Die Stiftung Eurotransplant in Holland ist für die Vermittlung aller Spenderorgane zuständig, die in acht europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, entnommen werden. Transplantationszentren führen die Organverpflanzung durch. Das Deutsche Herzzentrum Berlin gehört zu den 25 Zentren für Herztransplantation und 16 Zentren für Lungentransplantation in Deutschland. 

Wer bekommt ein Spenderorgan?

Voraussetzung für eine Organtransplantation ist, dass keine andere erfolgversprechende Therapie zur Behandlung der Erkrankung möglich ist. Ob ein Patient für eine Transplantation in Frage kommt, wird von den behandelnden Ärzten nach weltweit gültigen Leitlinien entschieden. So sind zum Beispiel Patienten, die an einer bösartigen Tumorerkrankung leiden, von einer Transplantation ausgeschlossen.

Wenn ein Patient für eine Transplantation in Frage kommt, kann eine aktive Listung bei Eurotransplant erfolgen (Link).  Eurotransplant vergibt Organe nach folgenden Kriterien: Übereinstimmung der Blutgruppe, möglichst ähnliche Größe und Gewicht von Spender und Empfänger (+/- 15 Prozent). Des weiteren wird die Dringlichkeit entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes berücksichtigt. Die Wartezeit kann entsprechend von Patient zu Patient deutlich variieren und bis zu mehreren Jahren dauern. 

Patienten mit einer akut lebensbedrohlichen und unheilbaren Herzschwäche, für die ein Spendenorgan nicht rechtzeitig zur Verfügung steht, wird deshalb heute oftmals eine künstliche Kreislaufpumpe eingesetzt. Diese Systeme werden VAD ("Ventricular Assist Device") oder auch Kunstherz-Systeme genannt und bestehen aus einer kleinen Pumpe, die der Arzt direkt am Herz des Patienten einsetzt. Dank verbesserter Techniken und Operationsverfahren werden Kunstherz-Systeme zunehmend auch eine längerfristige Alternative zur Transplantation.

Der Ablauf einer Organtransplantation

Sind der Hirntod und die Spendebereitschaft des Verstorbenen im Entnahmekrankenhaus durch die DSO festgestellt worden, wird Eurotransplant (ET) über das zur Verfügung stehende Organ informiert. ET ermittelt den am besten geeigneten geeigneten Empfänger und benachrichtigt nun das diesen Patienten behandelnde Transplantationszentrum.

Dort prüft ein Chirurg die übermittelten medizinischen Daten des Spenderorgans. Entscheidet er sich für die Annahme, macht sich ein Entnahme-Team auf den Weg. Ist das Team im Entnahmekrankenhaus eingetroffen, übernimmt es die Entnahme des Organs. Jetzt beginnt die sogenannte Ischämiezeit, in der das Organ nicht durchblutet wird. Sie muss so kurz wie möglich gehalten werden, um eine Schädigung zu vermeiden. 

Zeitgleich mit der Organentnahme wird der Empfänger im OP-Bereich auf die Transplantation vorbereitet. Wenn sich das Entnahme-Team auf den Rückweg macht, beginnt die Operation. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Ischämiezeit so kurz wie möglich gehalten werden kann.

Nach der Transplantation

Normalerweise würde das neue Organ vom Abwehrsystem des Körpers als fremdes Gewebe erkannt und angegriffen werden – vergleichbar mit der Unverträglichkeit zwischen verschiedenen Blutgruppen. Deshalb muss der Patient nach der Transplantation lebenslang Medikamente einnehmen, die das Abwehrsystem regulieren, sogenannte Immunsuppressiva. Nur so kann das Organ vom Körper angenommen werden und funktionieren. In den ersten Monaten nach der Transplantation wird die individuelle Auswahl und Dosierung dieser Medikamente festgelegt.