Was ist eine Aortendissektion?

Eine Aortendissektion ist eine Aufspaltung der drei Wandschichten der Aorta, meist verursacht durch einen Riss der inneren Schicht. Das Blut dringt in den Zwischenraum und vergrößert ihn immer weiter. Die Aortendissektion verursacht plötzliche, heftige Schmerzen und ist lebensbedrohlich, weil sie zu einem Aufplatzen der Hauptschlagader (Aortenruptur) und zu Durchblutungsstörungen von Organen führen kann.

Vor 50 Jahren war die Aortendissektion meist tödlich, heute überlebt die Mehrzahl der Patienten durch eine sofortige Operation. Eine schnelle Diagnose ist deshalb von entscheidender Bedeutung. Eine Aortendissektion am aufsteigenden Teil der Aorta unmittelbar am Herzen wird als "Typ A-Dissektion" bezeichnet. Sie ist die häufigste und gefährlichste Form. 

Ursache und Häufigkeit

Warum es bei manchen Menschen zu einer Schwächung der Aorta-Innenwände kommt, ist nicht vollständig geklärt. Aktuelle Studien zeigen eine Häufigkeit von 15 Fällen auf 100.000 Einwohner. Männer erkranken dabei bis zu dreimal so häufig wie Frauen. Am häufigsten sind Aortendissektionen bei 50- bis 70-Jährigen. Aus unbekannten Gründen treten Aortendissektionen vor allem in den Wintermonaten auf. Ebenfalls unklar ist, warum sich die meisten Dissektionen am Vormittag zwischen 6 und 12 Uhr ereignen.



Symptome und Diagnose

Typisch für die Aortendissektion sind plötzlich einsetzende, stechende oder reißende Schmerzen, die meist im Brustbereich lokalisiert sind und in den Bauch- oder Rückenbereich ausstrahlen. Je nachdem welche Blutgefäße durch die Dissektion blockiert werden, können auch starke lokale Schmerzen in den Armen oder Beinen, Symptome eines Schlaganfalls (bei hirnversorgenden Arterien) und Bauch- oder Seitenschmerzen bei Durchblutungsstörungen des Darmes oder der Nieren auftreten. 

Die Symptome der Aortendissektion können von Notfallmedizinern als Symptome des wesentlich häufiger auftretenden Herzinfarkts missdeutet werden, was schlimmstenfalls zu einer falschen Erstbehandlung führt. Eine gesicherte Diagnose ist meist erst mit Hilfe der Computertomographie möglich. 

Therapie

Mit jeder Stunde, die eine akute Aortendissektion unbehandelt bleibt, sterben statistisch zwei Prozent der Patienten. Die einzige Therapie der Dissektion ist eine sofortige Operation am offenen Herzen. Der Herzchirurg öffnet dabei den Brustkorb des Patienten, anschließend wird der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und das Herz stillgelegt. Meist wird der betroffene Abschnitt der Aorta durch eine Gefäßprothese ersetzt, manchmal muss auch eine künstliche Aortenklappe eingesetzt werden. 

Die Operation der Aortendissektion muss von einem spezialisierten Team aus Chirurgie, Kardiotechnik, Anästhesie und OP-Pflege vorgenommen werden. Das Deutsche Herzzentrum Berlin gehört zu den wenigen Kliniken, die eine akute Aortendissektion jederzeit operativ behandeln können, da solche Teams rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Mit jährlich weit über hundert Operationen sind wir deutschlandweit eines der größten Zentren für diesen Eingriff.

Das Aortentelefon am DHZB

Hier sehen Sie einen Film, der das Prinzip des Aortentelefons verdeutlicht

Anhand der Patientenakten von über 1.600 Patienten hat ein Team der Klinik für Herz,-Thorax- und Gefäßchirurgie ermittelt, dass die durchschnittliche Zeit vom Auftreten der ersten Symptome der Aortendissektion bis zum Beginn der Operation bei über sieben Stunden liegt. Am Deutschen Herzzentum Berlin wurde deshalb 2015 ein "Aortentelefon" eingerichtet: Eine Hotline, unter der allen Berliner und Brandenburger Ärzten rund um die Uhr ein geschulter Mediziner zur Seite steht. So soll die Zeit vom Beginn der Symptome bis zur OP nicht nur entscheidend verkürzt, sondern auch besser genutzt werden: Der Arzt am Aortentelefon steht auch für das Personal der regionalen Rettungsstellen zu Verfügung. Er leistet medizinischen wie organisatorischen Support für die Kollegen vor Ort und koordiniert auch die Vorbereitung des Eingriffs am DHZB. Hierzu haben die Mediziner am DHZB Standardverfahren zur bildgebenden Diagnostik und Medikation erarbeitet und sie mit Rettungsdiensten, leitenden Notärzten und den Rettungsstellen der Kliniken in Berlin und Brandenburg abgestimmt.

Ziel des Programms ist es, die Zeit vom ersten Symptom bis zur Operation im Raum Berlin-Brandenburg zu halbieren.