Was sind Biofilme?

Unter Biofilm versteht man eine "Schleimschicht", in der Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze angesiedelt sein können und die eine funktionierende Lebensgemeinschaft bilden. Für Mikroorganismen bietet der Biofilm Vorteile wie leichtere Ernährung und Wachstum, erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Antibiotika und besserer Schutz gegen Angreifer aus dem menschlichen Immunsystem. Biofilme bilden ein sich immer wieder erneuerndes Reservoir von teilweise multiresistenten Erregern. Nach Angaben des National Institute of Health lassen sich 80 prozent aller Infektionen auf Biofilme zurückführen. 

Biofilme sind vermutlich die ältesten Lebensgemeinschaften der Erde und sie sind überall. Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem ist das Risiko, sich über einen Biofilm zu infizieren, relativ gering. Für kranke oder verletzte Menschen besteht allerdings Lebensgefahr durch Biofilme: Die Keime werden vom Immunsystem nicht mehr ausreichend abgewehrt. Sie sind deshalb eine oft nicht mehr behandelbare Gefahr für Patienten auf Intensivstationen und immunsupprimierte Patienten nach Organtransplantationen, ontologischer Chemotherapie oder Eingriffen.

Unsere Arbeit und ihre Ziele

Das Biofilmzentrum unter der Leitung von PD Dr. Annette Moter dient der Erforschung und Diagnostik von Biofilminfektionen und anderen schwer diagnostizierbaren Infektionen. Es betreibt praxisnahe Grundlagenforschung, um Wesen und Funktionalität von Biofilmen zu entschlüsseln und therapeutische Konzepte zu entwickeln, mit denen Biofilminfektionen wirksamer bekämpft werden können. 

Dazu bedarf es innovativer Laborverfahren zur schnellen, präzisen Keimidentifikation. Mit der Identifikation können die Keimreduktion, Keimeradikation und Prävention von Biofilmen wirksamer betrieben und eine individualisierte Infektionstherapie entwickelt werden.

Projekte 2015

Auf der diagnostischen Seite untersuchte das Biofilmzentrum beispielsweise über 100 am DHZB operierte Herzklappen mit Verdacht auf Endokarditis und beurteilte sie mikrobiologisch. In vielen Fällen konnten Infektionen festgestellt werden, die der Routinediagnostik entgangen waren. Im Bereich der Forschung konnten Mittel mehrerer großer Förderprogramme mit einer Gesamtfördersumme von über einer Million Euro eingeworben werden. Innerhalb des COST-Programmes der europäischen COST-Action ipromedai ("Improved protection of medical devices against infection") führt das Biofilmzentrum die Arbeitsgruppe Cardiovascular Devices – es übernimmt so eine führende Rolle bei der Entwicklung und Verbesserung von kardiovaskulären Implantaten.