Wichtiges Ziel zur Verbesserung des Krankheitsverlaufs

Operationen am Herzen und den großen Gefäßen sind häufig mit erheblichen Blutverlusten verbunden. Obwohl Fremdblutkonserven kaum noch eine Gefahr hinsichtlich einer Übertragung von Krankheitserregern darstellen, zeigen neuere Studien, dass die Gabe den Krankheitsverlauf nach der Operation deutlich verschlechtern kann. Ein wichtiges Ziel unserer Klinik ist es deshalb, die Transfusion von Fremdblutkonserven wenn möglich zu vermeiden oder auf ein Minimum zu reduzieren. 

Eigenblutspende

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, vor der Operation eigenes Blut zu spenden, das in der Blutbank gelagert und bei Bedarf während der Operation verwendet wird. Für die Eigenblutspende werden erwachsenen Patienten vier Wochen vor der Operation ca. 500 ml Blut abgenommen. Auch Kinder können ab einem Gewicht von circa 25 kg Eigenblut spenden, wobei mindestens 250 ml Blut gewonnen werden müssen. Die Spende wird im Abstand von einer Woche, in Abhängigkeit von Krankheitsbild und Laborwerten, gegebenenfalls noch ein oder zweimal wiederholt. Ob bei Ihrem Krankheitsbild eine Eigenblutspende in Frage kommt, können Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Sie können selbst mit dem Zentrum für Transfusionsmedizin und Zelltherapie Berlin, wo die Eigenblutspende durchgeführt wird, Kontakt aufnehmen:

Eigenblutspende Campus Charité Mitte (CCM)
Luisenstr. 7, 10117 Berlin
Tel.: +49 30 450 52 51 66

Herz-Lungen-Maschine

Die meisten Operationen in der Herzchirurgie erfordern den Einsatz einer Herzlungenmaschine, welche die Funktionen des Herzens und der Lunge sowie den Bluttransport übernimmt. Die Maschine saugt das Blut aus den großen Venen am Herzen ab, reichert es in einen sogenannten Oxygenator mit Sauerstoff an und pumt es anschließend in eine große Hauptschlagader zurück.

Vor der Operation ist die Herz-Lungen-Maschine mit einer Infusionslösung gefüllt. Wenn der Patient an das System angeschlossen wird, kommt es somit zu einer Verdünnung des Blutes, sodass in einigen Fällen Fremdblut gegeben werden muss. Um die Verdünnung des Blutes möglichst gering zu halten, verwenden wir die für den Patienten und bevorstehenden Eingriff kleinstmöglichen Komponenten der Herz-Lungen-Maschine.

Besonders in der Kinderherzchirurgie sind wir in diesem Bereich weltweit führend: Durch die konsequente Verkleinerung des Systems konnten wir das Füllvolumen der Herz-Lungen-Maschine von 450 ml bis auf 100 ml verringern. So ist es möglich, auch bei Säuglingen ausgedehnte Eingriffe ohne Verwendung von Fremdblut oder mit deutlich kleineren Mengen von Fremdblut vorzunehmen. 

Cell Saver

Mit Cell Savern wird das Blut während der Operation abgesaugt und gesammelt, da es andernfalls dem Operateur die Sicht nimmt. Wenn eine größere Menge Blut gesammelt wurde, wird es mit dem Cell Saver gewaschen. Anschließend werden die roten Blutkörperchen dem Patienten wieder zurück infundiert. Mithilfe dieses Verfahrens können selbst Eingriffe mit großen Blutverlusten ohne die Gabe von Fremdblut durchgeführt werden. Im Deutschen Herzzentrum Berlin steht in jedem Operationssaal ein Cell Saver bereit.

Hepcon HMS

Viele Operationen in unserer Klinik müssen mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden. Während dieser Zeit muss das Blut "ungerinnbar" gemacht werden, damit es die Herz-Lungen-Maschine nicht verstopft. Hierzu wird das Medikament Heparin verabreicht. Wenn das Herz wieder schlägt, wird die Herz-Lungen-Maschine abgestellt und das Medikament Protamin gegeben, um die Wirkung des Heparins aufzuheben. 

Die Wirkung von Heparin auf das Gerinnungssystem des Körpers ist individuell sehr unterschiedlich. Während in vielen Kliniken die Gabe von Heparin nach dem Körpergewicht berechnet wird, verwenden wir das Heparinmanagementsystem Hepcon HMS. Das System testet vor der OP, wie empfindlich der Patient auf Heparin reagiert und ermittelt daraufhin den Heparinbedarf. Im Verlauf der Operation wird der Heparinspiegel mehrmals bestimmt und es wird ggf. gezielt nachdosiert. Auf dieser Basis wird auch die Menge des Gegenmittels Protamin ermittelt.

Im DHZB sind alle Operationssäle mit einem Hepcon HMS ausstattet. Unsere Klinik ist europäisches Referenz- und Trainingszentrum für dieses System.

Hybrid-Eingriffe

Wir verfügen als eines der wenigen Herzzentren weltweit über einen sogenannten Hybrid-Operationsaal. Der Operationssaal ist mit einer Herz-Lungen-Maschine und einem modernen Herzkatheterlabor ausgestattet, sodass Operations- und Herzkathetertechniken kombiniert werden können. Der Vorteil besteht darin, dass diese Eingriffe kürzer und weniger komplex sind – so reduziert sich das Risiko und die Belastung einer Operation. So kann vor allem bei Kindern auch eine kleinere Herz-Lungen-Maschine verwendet werden, was die Notwendigkeit einer Gabe von Fremdblut deutlich reduziert.

Erythropoetin und Eisenpräparate

Vor der Operation kann die Bildung der roten Blutkörperchen durch die Gabe von Eisenpräparaten und des Hormons Erythropoetin angeregt werden, um einen besseren Ausgangswert vor der Operation zu erreichen. Das Medikament ist allerdings sehr teuer und wird deshalb nur in Ausnahmefällen verschrieben. Es muss drei bis vier Wochen vor der Operation zweimal wöchentlich als Injektion verabreicht werden. Ob Erythropoetin gegeben werden sollte, bespricht Ihr behandelnder Arzt vor der Operation mit Ihnen.

Antifibrinolytika

Zusätzlich wird bei allen Operationen, die mit der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt werden, das Medikament Tranexamsäure gegeben, ein sogenanntes Antifibrinolytikum. Es schützt das Blutgerinnungssystem während der Zeit an der Herz-Lungen-Maschine. Ziel ist es, dass das Blut schnell wieder gerinnen kann (siehe Punkt Hepcon HMS) und Blutungskomplikationen vermieden werden.