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11.01.2017

Hilferuf aus Tel Aviv

DHZB-Spezialist Evgenij Potapov hat ein israelisches Chirurgenteam dabei unterstützt, einem schwerkranken Patienten das derzeit modernste Kunstherz-System an beiden Herzhälften zu implantieren.

Patient Nof Sade und seine ständigen Begleiter: In den beiden Taschen stecken Akkus und Steuerung seiner beiden Kunstherzen.

Patient Nof Sade und seine ständigen Begleiter: In den beiden Taschen stecken Akkus und Steuerung seiner beiden Kunstherzen.

Der 23jährige Israeli Nof Sade ist ein scheinbar kerngesunder Mann. Dreimal pro Woche joggt er mindestens eine Stunde, dreimal pro Woche geht er ins Fitnessstudio. Vor etwa einem Jahr aber wird Nof Sade, der gerade seinen Militärdienst ableistet, plötzlich übel und er bekommt Brustschmerzen. Die Diagnose: Eine akute Herzschwäche. Die Ursache bleibt bis heute ungeklärt.


Nof Sades wird ins „Chaim Sheba Medical Center“ nahe Tel Aviv verlegt, das größte Krankenhaus Israels. Dort schaffen es die Ärzte, seinen Zustand zunächst zu stabilisieren, zweitweise kann Nof Sade entlassen werden.

Doch die Herzschwäche ist unheilbar und fortschreitend. Mitte Dezember verschlechtert sich Nof Sades Zustand plötzlich dramatisch. Auf ein Spenderherz kann er nun nicht mehr warten. Seine einzige Überlebenschance ist daher die Implantation einer künstlichen Kreislaufpumpe direkt an seinem kranken Herzen. In den meisten Fällen genügt es, ein solches „Kunstherz“ an der linken Herzhälfte zu implantieren. Doch Nof Sades Herz ist so schwach, dass er eine Kreislaufpumpe an beiden Hälften des Herzens benötigt.

PD Dr. Evgenij Potapov und PD Dr. Thomas Krabatsch, Kunstherz-Spezialisten am DHZB

PD Dr. Evgenij Potapov und PD Dr. Thomas Krabatsch, Kunstherz-Spezialisten am DHZB

Professor Jacob Lavee, Herzchirurg am Chaim Sheba Medical Center, bittet nun seine Kollegen vom Deutschen Herzzentrum Berlin um Unterstützung bei der Operation. Denn die biventrikuläre, also beidseitige Implantation eines Kunstherzens des derzeit modernsten Typs „Heartmate 3“ wurde weltweit zum ersten Mal am Deutschen Herzzentrum Berlin vorgenommen; die entsprechende OP-Technik wurde von Dr. Thomas Krabatsch, Leiter des DHZB-Kunstherz-Programms, und seinem Stellvertreter Dr. Evgenij Potapov entwickelt.


Für die beiden Kunstherz-Spezialisten sind derartige Anfragen keine Seltenheit: „Wir haben hinsichtlich der chirurgischen Technik und des OP-Managements mehrere Verfahren entwickelt, die weltweit als Standard gelten“, sagt Potapov, „und wir helfen überall, wo wir können“.

Die Bitte aus Israel ist allerdings außergewöhnlich dringend. Denn Nov Sade wird nur noch mit starken Medikamenten am Leben gehalten und muss so schnell wie möglich operiert werden. Bereits am übernächsten Tag sitzt Dr. Potapov im Flieger nach Tel Aviv, kurz darauf, am 19. Dezember, steht er mit seinen israelischen Kollegen im OP.


Sade Nof erholt sich schnell von dem Eingriff. Bereits zwei Wochen später kann er aus der Klinik entlassen werden. Die beiden „Heartmate 3“-Pumpen sind durch jeweils ein dünnes Kabel mit den Steuereinheiten und Akkus außerhalb des Körpers verbunden, die der Patient nun in zwei Taschen immer bei sich tragen muss.


„Sicher, das ist kompliziert und lästig“, sagt Nof Sade, „aber ich bin selbst erstaunt, wie gut es mir wieder geht. Und es wird mit jedem Tag besser.“ Wenn sich sein Organismus weiter stabilisiert hat, wird Nof Sade auf die Warteliste für eine Herztransplantation gesetzt.

Eine große Tageszeitung und mehrere Fernsehsender in Israel haben bereits über den „Mann mit den drei Herzen“ berichtet. Pläne für die Zukunft hat Nof Sade vorerst nicht – außer bald zu heiraten. „Meine Verlobte Kay hat diese schwere Zeit gemeinsam mit mir durchgestanden“, sagt er, „einen besseren Beweis, dass wir zueinander gehören, kann es nicht geben!“

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