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25.11.2016

„Geschützte Zeit“ für bessere Forschung

DHZB-Herzchirurg wird ins „Clinical Scientist“ Programm der Charité aufgenommen.

Dr. med. Alexander Meyer

Dr. med. Alexander Meyer

Dr. Alexander Meyer, Arzt in Ausbildung zum Herzchirurgen an der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum Berlin, wurde jetzt in das „Clinical Scientist Program“ am Berlin Institute for Health (BiH) der Charité aufgenommen. 

Das Förderprogramm ermöglicht Ärztinnen und Ärzten eine strukturierte Facharztweiterbildung mit genug „geschützter Zeit“ für klinische und grundlagenorientierte Forschung. Dabei geht es vor allem um Translation, also die Umsetzung von Ergebnissen der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung.  

Angehende Fachärzte sind angesichts enger Klinikbudgets meist vollständig in die klinische Praxis eingebunden und müssen ihre Forschungsarbeit in der Freizeit erledigen.  Diese „Feierabendforschung“ führt oft zu einer erheblichen Doppelbelastung, so dass einige junge Mediziner entweder ihre klinische Forschung abbrechen oder sogar  Deutschland verlassen. So kommen Ergebnisse aus der Grundlagenforschung erst spät oder gar nicht beim Patienten an. 

Wer als „Clinical Scientist“ beim BiH der Charité aufgenommen wird, kann von der Klinik für die Forschungsarbeit freigestellt werden, da der entsprechende Teil seines Gehalts durch das Förderprogramm übernommen wird. 

Darüber hinaus absolvieren die Teilnehmer ein fachübergreifendes Curriculum und werden so optimal auf eine Karriere als klinische Forscher vorbereitet. Am Ende des Programms steht die abgeschlossene Facharztausbildung und im Idealfall auch die Habilitation. 

Ingesamt werden durch das 2011 gestartete Programm bereits über 100 Ärztinnen und Ärzte gefördert. 

Dr. Alexander Meyer hat vor seiner Laufbahn als Mediziner bereits eine Ausbildung zum Informatiker abgeschlossen. Entsprechend bewegt sich auch seine Forschungsarbeit im EDV-Bereich: „Auf großen Intensivstationen wie im DHZB werden von einer Vielzahl von Messinstrumenten, aber auch vom Labor umfangreiche Datenmengen generiert“, so Meyer, „oft aber liegen diese Daten in unterschiedlichen Formaten vor und sind nicht miteinander kompatibel“. 

Ziel seiner Arbeit sei nun zunächst, diese Daten mit einer zentralen Software zu sammeln, zu vereinheitlichen und zu vernetzen. Im nächsten Schritt will Meyer Algorithmen entwickeln, die alle diese Daten „intelligent“ und lernend in Bezug zu einander setzen können. 

Diese künstliche Intelligenz soll letztendlich das Risiko bedeutender Komplikationen in der herzchirurgischen Intensivmedizin für jeden Patienten genau und kontinuierlich bewerten und den behandelnden Ärzten entsprechende Handlungsempfehlungen geben. 

„Wir wollen eine ärztliche Entscheidung damit gewiss nicht ersetzen, können Sie aber erleichtern“, sagt Meyer, „denn künstliche Intelligenz kann subtile Muster in den kontinuierlich eingehenden Daten häufig viel früher erkennen als der Mensch“. 

Ermutigt und unterstützt von seinen beiden Mentoren, Prof. Volkmar Falk (Ärztlicher Direktor des DHZB) und Prof. Titus Kühne (DHZB-Klinik für Angeborene Herzfehler/Kinderkardiologie), hat Meyer wochenlang an seinem Antrag gefeilt und musste sich nach dessen erfolgreicher Bewertung noch einem kritischen Kolloquium stellen. 

Die Mühe hat sich gelohnt: Mit dem Beginn des neuen Jahres kann sich Alexander Meyer als „Clinical Scientist“ nun sowohl seiner klinischen Ausbildung als auch der Forschungsarbeit mit ganzer Kraft widmen. Und seinen Feierabend dennoch mit der Familie statt mit „Big Data“ verbringen.  

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