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12.07.2016

DHZB-Team gewinnt Ideenwettbewerb von FU Berlin und Charité

Auszeichung für faszinierende Forschung in der Kinderherzmedizin

Die Preisträger, stellvertretend für Ihr ganzes Team: Dr. Boris Schmitt und Kai Riemer

Die Preisträger, stellvertretend für Ihr ganzes Team: Dr. Boris Schmitt und Kai Riemer

Mit ihrem Forschungsprojekt „GrOwnValve“, das schon in naher Zukunft zu einer deutlich verbesserten Therapie für viele herzkranke Kinder führen könnte, haben DHZB-Kinderkardiologe Dr. med. Boris Schmitt und sein Team jetzt den von der Charité und der FU Berlin ausgerufenen Ideenwettbewerb „Research to Market Challenge“ in der Kategorie Gesundheitswirtschaft gewonnen. 

Boris Schmitt und seine Arbeitsgruppe arbeiten seit Jahren an der Entwicklung von biologischen Herzklappen, die aus körpereigenem Gewebe des Patienten hergestellt werden können. Die Forschungsarbeit konzentriert sich dabei zunächst auf die Pulmonalklappe, die als Ventil zwischen rechter Herzkammer und Lungenarterie wirkt. 

„Etwa jedes zehnte Kind mit einem angeborenen Herzfehler benötigt im Laufe seines Lebens eine neue Pulmonalklappe“, so Dr. Boris Schmitt, „bislang stehen uns dafür künstliche Prothesen aus Metall und Kunststoff oder Ersatzklappen aus tierischen Gewebe zur Verfügung“. Doch beide Systeme haben Nachteile, weiß der Kinderkardiologe: 

„Biologische Ersatzklappen rufen Immunreaktionen des Körpers hervor. Obwohl diese bis zu einem gewissen Grad mit Medikamenten unterdrückt werden können, schädigt die körpereigene Abwehr das Gewebe der Klappe, so dass sie irgendwann wieder ausgetauscht werden muss. Junge Patienten benötigen deshalb mehrere Eingriffe in ihrem Leben.

Ersatzklappen aus Metall oder Kunststoff sind zwar deutlich länger haltbar, können aber gefährliche Blutgerinnsel (Thrombosen) hervorrufen. Die Patienten müssen deshalb ihr Leben lang blutverdünnende Medikamente einnehmen.“

Bei der Behandlung herzkranker Kinder aber hätten beide Varianten einen entscheidenden Nachteil, so Schmitt: „Sie wachsen nicht mit.“ 

Die Lösung: Eine Pulmonalklappe aus körpereigenem Material, das dem Patienten ambulant und minimalinvasiv am Herzbeutel entnommen wird. Mit Hilfe von Daten aus dem Computer- oder Magnetresonanztomographen wird nun im Labor eine 

individuell passgenaue Herzklappe hergestellt, bereits eine Woche später kann sie dem Kind mit einem Herzkatheter minimalinvasiv eingesetzt werden. Eine Herzoperation ist also nicht nötig. 

„Die Herzklappe aus körpereigenem Gewebe ruft keine Abstossungsreaktionen hervor, sie hält länger als eine Prothese aus tierischem Material, sie passt sich dem Organismus an  - und sie ist in der Herstellung sogar ziemlich günstig“, fasst Boris Schmitt zusammen. 

Was klingen mag wie schöne Science-Fiction, ist bereits Realität: „Wir können diese Klappen herstellen und wissen aus Tierexperimenten, dass sie funktionieren“, so Schmitt. Bis die „GrOwnvalve“ - eine Wortschöpfung aus englisch „to grow (wachsen)“, „own (körpereigen)“ und „valve (Herzklappe)“ - aber mit restloser Sicherheit bei Kindern eingesetzt werden kann, sind noch viele ausführliche Tests nötig.

Bereits innerhalb der nächsten vier Jahren wollen Boris Schmitt, der DHZB-Ingenieur Kai Riemer und ihr Team aber die Marktzulassung für die GrOwnValve erreichen und damit vielen herzkranken Kindern ein erheblich verbessertes Behandlungsangebot machen können. 

Langfristig wollen die DHZB-Forscher auch andere Herzklappen aus körpereigenem Material formen. „Vor uns liegt noch ein langer Weg“, sagt Dr. Schmitt, „aber wir sind überzeugt, dass er der richtige ist“. 

Der Gewinn des „Research to Market Challenge“- Wettbewerbs ist dafür eine Bestätigung. Und das Preisgeld von 1500 Euro? „Fließt natürlich ins Projekt!“, sagt Boris Schmitt. 

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