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02.03.2016

30 Jahre Kunstherzen – eine Berliner Erfolgsgeschichte

Am 7. März vor 30 Jahren implantierte der Herzchirurg Prof. Emil Bücherl am Berliner Klinikum Westend zum ersten Mal in Deutschland ein künstliches Herz. Sein Patient überlebte damals nur wenige Tage. Heute aber können Patienten mit mechanischen Herzpumpen viele Jahre lang ein weitgehend normales Leben führen. Zunehmend gelten die modernen Systeme als dauerhafte Alternative zur Transplantation.

Fast 25 Jahre hatte Emil Bücherl an der Entwicklung gearbeitet, ehe er am 7. März 1986 das von ihm entwickelte Kunstherz einem 39jährigen Berliner Handwerksmeister einsetzte, für den kein Spenderherz zur Verfügung stand. Das mit Druckluft betriebene Kunstherz funktionierte, nur wenige Tage später konnte es gegen ein - nun verfügbares - Spenderherz ausgetauscht werden. Dann aber kam es zu schweren Komplikationen, am 13. März 1986 ist der erste deutsche Kunstherzpatient verstorben.

Doch trotz dieses Rückschlags wurde in Berlin immer wieder und bis heute Kunstherz-Geschichte geschrieben. Mit zunehmendem Erfolg.

Am Deutschen Herzzentrum Berlin - am 1. Januar 1986 in Betrieb genommen und am 29. April 1986 offiziell eröffnet - wurde Prof. Bücherls herzchirurgisches Programm weitergeführt. Bereits 1987 wurde hier die erste Kunstherz-Implantation vorgenommen, 1990 konnte weltweit zum ersten Mal die Wartezeit auf eine Transplantation bei einem Kind erfolgreich mit einem Kunstherz überbrückt werden.
Fünf Jahre später kam es zum nächsten Durchbruch: Das natürliche, bislang schwerkranke Herz eines 38-jährigen Thüringers erholte sich am Kunstherz so gut, dass es explantiert werden konnte und dem Patienten eine Transplantation erspart blieb. Auch dies war weltweit der erste Fall.
Aus der Forschung am DHZB ging auch die Firma „Berlin Heart“ hervor. Das Berlin Heart „Excor Pediatric“ ist heute das weltweit einzige Kreislauf-Unterstützungssystem, das bei Säuglingen und Kleinkindern zugelassen ist und weltweit über 100 mal pro Jahr eingesetzt wird.

Moderne Systeme zur Kreislaufunterstützung

Für erwachsene Patienten wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Systeme zur künstlichen Kreislaufunterstützung entwickelt, mit unterschiedlichem Erfolg.
Sogenannte „Total Artificial Hearts (TAH)“, die das Herz des Patienten tatsächlich komplett ersetzen, werden heute nur sehr selten benötigt und eingesetzt.
Das derzeit weltweit einzige zugelassene TAH wird von dem US-Unternehmen Synkardia hergestellt. Das DHZB gehört auch für dieses System zu den zertifizierten Zentren.
Heute werden in den allermeisten Fällen Unterstützungssysteme eingesetzt, bei denen das erkrankte Herz im Körper des Patienten bleibt.

Diese Systeme werden in der Fachsprache kurz als VAD, von englisch „Ventricular Assist Device“ bezeichnet. Sie bestehen aus einer wenigen Zentimeter großen elektrisch betriebenen Pumpe, die direkt am Herz des Patienten eingesetzt wird. Die Pumpe ist durch ein Kabel mit einer Steuereinheit und Akkus (Gesamtgewicht 2-3 kg) außerhalb des Körpers verbunden, die der Patient in einem kleinen Rucksack oder einer kleinen Tasche mit sich trägt. Das VAD unterstützt meistens die linke Herzkammer (Ventrikel), kann aber - je nach medizinischer Notwendigkeit - auch an die rechte oder an beiden Kammern des Herzens implantiert werden.

Die Patienten können ein weitgehend normales Leben außerhalb der Klinik führen, ihrem Beruf nachgehen und auch Sport treiben. Über die Hälfte der Träger eines VAD stehen auf der Warteliste für ein Spenderherz, immer häufiger werden Kunstherz-Systeme aber auch zu einer dauerhaften Alternative zur Transplantation, da nicht genügend Spender zu Verfügung stehen oder auch weil der Zustand eines Patienten eine Transplantation nicht zulässt.

Die derzeit am häufigsten eingesetzten kardialen Unterstützungssysteme sind das „Heartware HVAD“ und das „Thoratec Heartmate 3“. Beide Geräte kommen aus den USA. Welches System sich am besten eignet, entscheidet der Chirurg individuell mit jedem Patienten.

Die häufigsten Komplikationen sind die Bildung von Blutgerinnseln aufgrund der künstlichem Bestandteile des Systems sowie Infektionen an oder entlang der Austrittsstelle des Strom- und Steuerungskabels aus dem Körper.

VAD-Patienten müssen daher dauerhaft Medikamente zur Blutverdünnung einnehmen, der Verband an der Austrittsstelle muss regelmäßig und korrekt gewechselt werden.
Es werden derzeit auch neue Systeme entwickelt, die den benötigten Strom drahtlos ins Körperinnere übertragen und damit das Infektionsrisiko weiter senken können. Frühere Systeme dieser Art wurden wegen zu häufiger Komplikationen nicht weiter verwendet.

Kunstherzen am DHZB – eine Erfolgsgeschichte

Mit bisher über 3000 Implantationen insgesamt und rund 200 pro Jahr hat das Deutsche Herzzentrum Berlin unter ärztlicher Leitung von Prof. Volkmar Falk heute das größte Kunstherz-Programm weltweit. Hier wurden zahlreiche Innovationen entwickelt und in die Praxis umgesetzt. Dazu gehören moderne minimalinvasive Operationsverfahren sowie die Entwicklung spezieller Instrumente. Die Spezialisten des DHZB führen regelmäßig Ausbildungsseminare durch und werden weltweit angefragt, um bei schweren und komplexen Operationen in anderen Kliniken in Deutschland und im Ausland mit ihrer Erfahrung zu helfen.

Über 100 Unterstützungssysteme konnten am DHZB wieder explantiert werden, weil sich der Herzmuskel der Patienten während der dauerhaften Unterstützung durch ein VAD wieder erholt hat. Unsere Klinik verfügt über ein spezielles Programm zur Verbesserung des Erholungspotentials des Myokards (Herzmuskelgewebes) von Kunstherzpatienten und hat Verfahren entwickelt, die eine genaue Beurteilung der Erholung des Herzmuskels ermöglichen.  Die Kunstherz-Entnahme erfolgt schonend über einen kleinen Schnitt mit Verwendung eines im DHZB entwickelten speziellen Verschlussystems. Diese Methode wird weltweit auch von meisten anderen Chirurgen verwendet.
Der Erfolg einer VAD-Implantation hängt von einer rechtzeitigen Operation, aber vor allem auch von einer kontinuierlichen Nachsorge ab. Das DHZB verfügt deshalb über eine eigene VAD-Ambulanz, in der alle unsere VAD-Patienten betreut werden.

Allen unseren VAD-Patienten steht zudem rund um die Uhr unsere VAD-Hotline zur Verfügung.

Christian Maier
Pressesprecher
Deutsches Herzzentrum Berlin
cmaier@dhzb.de
mobil: +49 172 32 11 647
Tel.: +49 30 1211

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