„Wir sagen ja“ – DHZB-Aktion zum 50. Jahrestag der ersten Herztransplantation

Am 3. Dezember 1967 führte Christiaan Barnard in Kapstadt die erste Herztransplantation durch. Seitdem wurden weltweit weit über 100.000 Verpflanzungen des Herzens vorgenommen, allein am Deutschen Herzzentrum Berlin seit dessen Gründung 1986 rund 2000 (inklusive der kombinierten Transplantationen von Herz und Lunge).

Heute gilt die Herztransplantation als beste Möglichkeit, Patienten mit einer unheilbaren Herzschwäche langfristig zu retten.

Doch längst gibt es nicht genügend Spender: 297 Herztransplantationen (inklusive kombinierte Verpflanzungen von Herz und Lunge) wurden im Jahr 2016 in Deutschland durchgeführt. Doch am Ende des Jahres standen noch immer weit über 700 Patienten auf der Eurotransplant-Warteliste für ein Spenderherz.

Ab 1.12. porträtieren wir hier bis Weihnachten jeden Tag Patienten, die mit einem Spenderherz leben. Und: Wir möchten jeden Tag Menschen vorstellen, die „Ja“ sagen zur Organspende - per Foto mit Spenderausweis. Allen Patientinnen und Patienten und allen Unterstützern: Herzlichen Dank!

Auf diese Weise wollen wir dazu beitragen, dass sich die Menschen über das Thema Gedanken machen und zu einer persönlichen Entscheidung kommen – wie auch immer sie ausfallen mag.
Die vielen Kinder, Frauen und Männer auf den Wartelisten haben es verdient!

1. Dezember: Stefan Böök und Luise Bähr

Stefan Böök
Luise Bähr

Stefan Böök

Die erste Flugreise seines Lebens machte Stefan Böök aus Hesel in Ostfriesland im Alter von vier Jahren - in einem Ambulanzjet der US-Luftwaffe. Flugziel war Berlin, denn im Deutschen Herzzentrum sollte Stefan Böök ein Spenderherz bekommen. Mit diesem Organ lebt er nun seit über 30 Jahren. Und vor einem Jahr ist er glücklicher Vater geworden.

Ich bin am 15. Oktober 1982 in Wittmund zur Welt gekommen, das liegt bei Emden in Ostfriesland.  Bei meiner Geburt war ich bereits blau angelaufen, meine Mutter durfte mich nicht einmal sehen, da ich schnellstmöglich versorgt werden musste. Die Ärzte stellten dann fest, dass ich einen dreifachen Herzfehler habe: Ein Loch in der Scheidewand zwischen den Herzkammern, eine Verengung der Hauptschlagader am Herzen und eine Herzmuskelschwäche. Damals konnte man so etwas ja noch nicht so leicht während der Schwangerschaft diagnostizieren. Wie es meinen Eltern damals ging können Sie sich sicher gut vorstellen.

Da es in meiner Gegend keine ausreichende ärztliche Versorgung für mich gab, wurde ich in ein Bremer Krankenhaus verlegt. Hier wurde ich nun erst einmal mit herzstärkenden Medikamenten eingestellt, sodass ich nach einiger Zeit wieder nach Hause konnte.
Ich konnte zunächst mehr oder weniger gut leben und aufwachsen, allerdings war ich nie großartig belastbar, so dass ich nie lange laufen oder spielen konnte. Im Alter von vier Jahren verschlechterte sich mein Zustand dann zusehends und es wurde klar, dass mich nur ein Spenderherz retten kann. So wurde ich aus Bremen nach Berlin ins Deutsche Herzzentrum gebracht, wo man gerade ein neues Transplantationszentrum aufgebaut hat.
Zu dieser Zeit gab es noch keine großen Erfahrungen mit Herztransplantationen bei Kindern. Professor Roland Hetzer wollte die Operation aber durchführen und war zuversichtlich. Damals musste man als dringlich gelisteter Patient noch nicht in der Klinik bleiben, ich durfte also in der Wartezeit nach Hause. Mittlerweile ging es mir aber so schlecht, dass ich weder laufen noch krabbeln konnte, selbst zur Toilette musste ich getragen werden. Die Zeit lief mir davon. Am 7. Juni 1987, kurz nach Mitternacht kam dann der Anruf, ein Spenderherz für mich war da.

Kurze Zeit später klopfte es bereits an der Tür und die Polizei brachte uns zum Militärflughafen nach Wittmund, wo schon ein Jet der US-Luftwaffe auf uns wartete. Meine erste Flugreise begann.
Um 1:30 Uhr landeten wir am Flughafen Schönefeld. Ein Ostberliner Krankenwagen brachte uns ins Deutsche Herzzentrum Berlin, das zu der Zeit gerade einmal einen Monat in Betrieb gewesen ist. So musste für mich noch ein Kinderbett in einem anderen Krankenhaus organisiert werden und ein vorhandener OP- Kittel für Erwachsene wurde kurzerhand abgeschnitten. Es dauerte den ganzen Tag bis alles Voruntersuchungen abgeschlossen waren.

Die Operation hat um 22 Uhr begonnen und rund acht Stunden gedauert. Morgens gegen 6 Uhr durfte meine Mutter mich zum ersten Mal auf der Intensivstation besuchen. Am gleichen Tag noch habe ich mir zum Mittag Hähnchen und ein Eis bestellt – und auch bekommen!  Ich fühlte mich schon jetzt wie neu geboren und war kaum im Bett zu halten.
Die Wunden heilten und mir ging es von Tag zu Tag besser. Da ich aber das erste Kind war, das in Deutschland transplantiert wurde und es daher noch keine Erfahrungen auf diesem Gebiet gab, musste ich die ersten drei Monate zur Überwachung in der Klinik bleiben.
Meine Mutter hat mir dann bei Karstadt ein Dreirad gekauft. Mit dem fegte ich über die Gänge der Station, zum Leidwesen der Krankenschwestern. Die Oberschwester hat mir dann eine Hupe geschenkt und ich musste ihr versprechen, vor jeder Ecke zu hupen, damit die Schwestern aus dem Weg springen können.

Auch dank der großen Menschlichkeit aller Mitarbeiter wurde das Deutsche Herzzentrum Berlin damals wie ein zweites zu Hause für mich. Noch heute kommt mir eine Nachkontrolle deshalb vor wie ein Besuch bei Freunden. Gerade weil einige Angestellte aus dieser Zeit immer noch dort arbeiten. Schließlich wurde ich nach Hause entlassen. Ich durfte wegen der Ansteckungsgefahr mit Kinderkrankheiten zwar nicht in den Kindergarten. Zur Schule ging ich aber weitestgehend normal und erreichte auch einen guten Abschluss. Im Jahr 2000 fing ich eine Ausbildung zum Elektroniker bei der Marine in Wilhelmshaven an, aber dann haben meine Nieren versagt. Ich musste zur Dialyse. Das waren harte Jahre. Aber 2009 hatte ich dann das große Glück, im Berliner Virchow-Klinikum eine Spenderniere zu bekommen und so konnte ich 2011 meine Ausbildung wiederaufnehmen.

Anfang 2015 schloss ich meine Ausbildung als Jahrgangsbester ab und arbeite zurzeit als Ausbilder für Elektroniker bei der Marine in Wilhelmshaven. Wir sind auch auf Schiffen unterwegs, da geht es zur Sache, aber ich habe keine körperlichen Einschränkungen mehr.. Ich treibe Sport und in der Abendschule mache ich gerade den Meister für Elektrotechnik. Schon 2013 habe ich geheiratet. Meine Frau Tanja und ich leben jetzt in unserem eigenen Häuschen in Ostfriesland. Im Dezember 2016 ist unsere Tochter Elle zur Welt gekommen. Sie ist für uns der Inbegriff von Glück. Privat engagiere ich mich für eine Selbsthilfegruppe, die Wartelisten-Patienten und Transplantierte betreut. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. Es ist traurig, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland so gering ist. Ich selbst habe auch einen Organspender-Ausweis.

Irgendwo haben Eltern damals entschieden, die Organe Ihres verstorbenen zwölfjährigen Kindes frei zu geben. Seit 30 Jahren schlägt nun dessen Herz in mir. Ich werde diese Menschen nie kennen lernen dürfen. Aber ich bin ihnen für immer dankbar für diese Entscheidung.

Luise Bähr ist Schauspielerin und lebt seit vielen Jahren in Berlin. Neben vielen anderen Rollen im Kino und TV spielt sie seit 2014 in der ZDF-Erfolgsserie „Die Bergretter“ mit.

„Sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen, erfordert viel Kraft, aber es ist trotzdem sehr wichtig, sich auch mit diesem Kapitel auseinanderzusetzen. Dass das Leben anderer mit einer Organspende gerettet werden kann, kann auch ein gewisser Trost für den eigenen Tod sein. Ich habe mich intensiv mit der Möglichkeit Organe zu spenden auseinandergesetzt, mich bei Ärzten informiert und mich mit meiner Familie darüber ausgetauscht.
Ich habe auch Verständnis für Menschen, die sich nicht für einen Organspender-Ausweis entscheiden, aber für mich persönlich ist klar, dass ich als Organspenderin zur Verfügung stehen möchte. Deshalb engagiere ich mich gerne für die Aktion des Deutschen Herzzentrums Berlin.

Ich sage: Ja!

2. Dezember: Maria Wien und Tobias Schulze

Maria Wien
Tobias Schulze

Maria Wien

Meinem Bruder Tobias wurden in der Nacht zum 25. Oktober 2016 im Deutschen Herzzentrum Berlin Herz und Lunge eines Organspenders eingesetzt. War es der Spender selbst, der sich noch zu Lebzeiten entschieden hat, meinem Bruder ein neues Leben zu schenken oder war es seine Familie? Wir werden es nie erfahren und das ist wohl auch gut so. Jedenfalls bin ich diesen Menschen unendlich dankbar.

Einen Organspender-Ausweis trage ich übrigens schon seit meinem 16 Lebensjahr, nicht erst seit Tobias’ Transplantation oder seit er auf die Warteliste kam. Aber natürlich hatte es mit seiner Krankheit zu tun, dass ich mich schon relativ früh mit dem Thema auseinandergesetzt habe.

Die Monate des Wartens waren schlimm. Wir leben in Jena, ich habe drei Kinder. Da war es schwer, Tobias regelmäßig in der Berliner Klinik zu besuchen. Obwohl ich wusste, wie verzweifelt er oft war.

Umso schöner ist es zu wissen, wie gut es ihm jetzt geht, ein Jahr später. Tobias ist ein Guter. Er hat es mehr als verdient.

Tobias Schulze

Einfach mal eine Stunde alleine durch den Wald wandern – das war für Tobias Schulze (35), der mit einem schweren Herzfehler geboren wurde, sein Leben lang nur ein Traum. Seit seiner Herz-Lungen-Transplantation im Oktober 2016 ist das anders.

Ich kam 1982 mit einem schweren angeborenen Herzfehler zur Welt, eine chirurgische Behandlung war damals nicht möglich, aufgewachsen bin ich in Cunewalde bei Bautzen. Meine Kindheit und Jugend waren eigentlich noch einigermaßen normal, obwohl ich körperlich schon sehr eingeschränkt war. Ich habe eine Ausbildung zum Informatik-Kaufmann gemacht und dann auch einen Job gehabt. Aber schon 2009 musste ich leider berentet werden. Mein Herz war zu schwach. Und durch den Rückstau des Bluts war auch meine Lunge inzwischen unheilbar geschädigt.

Einige Jahre konnte ich noch mit Hilfe von Medikamenten durchhalten. Aber im März 2016 kam ich als Notfall ins Deutsche Herzzentrum Berlin und wurde Ende Mai kommt er auf die Warteliste für eine Herz-Lungentransplantation gesetzt. Ab dann hieß es warten. Körperlich ging es mir schon ziemlich schlecht. Und ich gebe zu, auch psychisch war ich manchmal am Ende.

Am Schlimmsten war diese Zeit vielleicht für meine Eltern. Aber sie haben mich das nie spüren lassen und mir immer Kraft und Mut zu geben versucht.

Am Abend des 25. Oktober kam eine Krankenschwester in mein Zimmer: Eurotransplant hatte passende Organe gemeldet.  „Gefühlschaos“ – das klingt vielleicht ein bisschen abgedroschen, aber es fasst meinen Zustand in dem Moment ganz gut zusammen. Angst vor der OP hatte ich aber keine mehr. Mir war klar, dass ich mich ab jetzt völlig den Ärzten anvertrauen muss. Und dass es gut gehen wird.

Um 2 Uhr morgens wurde ich in den OP gebracht. Ich habe mich an der Schleuse von meinen Eltern verabschiedet, das Team der Anästhesie hat sich vorgestellt. Und dann weiß ich nichts mehr.

Professor Knosalla und sein Team hatten bei dem Eingriff wohl keine Probleme. Nach einer Woche war ich wieder vollständig bei Bewusstsein und konnte meinen mühsamen Weg zurück ins Leben antreten. Das kann man auch wörtlich nehmen, weil ich regelrecht wieder gehen lernen musste, meine Muskeln waren ja völlig verkümmert.
Aber gemeinsam mit den Ärzten, Pflegekräften und Physiotherapeuten ging es eigentlich täglich bergauf.

Nach etwa einem Monat wurde ich von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt.  Im Dezember 2016 wurde ich in die Reha-Klinik entlassen. Und war am 23.12.2016 wieder zu Hause.

Vor der Transplantation habe ich mit Mühe und Not vielleicht noch 200 Meter zu Fuß geschafft.
Inzwischen laufe ich locker 13 Kilometer am Stück. Das konnte ich in meinem Leben noch nie Eine Wanderung war früher nur möglich, wenn mich mein Vater als Kind auf den Schultern getragen hat. Später bin ich dann einfach nirgend wo mehr hingegangen.

Umso mehr genieße ich jetzt diese unglaubliche Freiheit. Schon seit 2007, weit vor meinem langen Klinikaufenthalt habe ich mich als vom Gericht bestellter Betreuer um 8 geistig behinderte bzw. psychisch erkrankte Menschen gekümmert. Mein Vater hat das vorübergehend für mich übernommen. Jetzt mache damit wieder weiter.

Ich bin dem unbekannten Spender meiner Organe unendlich dankbar. Das sagt an dieser Stelle wohl fast jeder Organtransplantierte. Aber man kann es auch nicht oft genug wiederholen.

3. Dezember: Beate Feige und Harald Pignatelli

Beate Feige
Harald Pignatelli

Ein Jahr und neun Monate hat Beate Feige im Deutschen Herzzentrum Berlin auf eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation gewartet. Jetzt konnte sie in die Reha entlassen werden. Und hofft auf Weihnachten zu Hause. Hier ist ihre Geschichte.

Ich bin 1964 in Potsdam geboren und aufgewachsen. Mit dem Herz hatte ich nie was. Erst als ich mit dem jüngsten meiner vier Kinder schwanger war, merkte ich, dass was nicht stimmt. Ich wurde immer kurzatmiger, allein an der Schwangerschaft konnte das nicht liegen. Die Ärzte haben eine pulmonale Hypertonie festgestellt. Dabei steigt der Widerstand in den Blutgefäßen vom Herz zur Lunge an. So kommt zu wenig Blut in der Lunge an und das Herz muss immer gegen diesen Widerstand anpumpen.

Man kann das mit Medikamenten behandeln, aber nicht wirklich heilen. Und so blieb am Ende nur noch die Transplantation von Herz und Lunge als Überlebenschance. Im Februar 2016 wurde ich mit höchster Dringlichkeit für eine Transplantation gelistet und wurde stationär im DHZB aufgenommen.

Ein Jahr und neun Monate lang habe ich gewartet. Ein Jahr und neun Monate. Station H3, Zimmer 1. Was ich gemacht habe?  Gelesen, gemalt. Und irgendwann gepuzzelt. Sehr viel gepuzzelt. Wenn es mir körperlich gut ging. Und das war leider nicht immer der Fall.

Natürlich bin ich auch mal in ein Loch gefallen. Wollte einfach abhauen. Aber ich wusste: Wenn ich das mache, fliege ich von der Liste. Also habe ich mich eben immer wieder aufgerappelt. Und weiter gewartet.

Vor vielen Monaten gab es schon mal ein Angebot und ich wurde in den OP gebracht. Aber dann war mit einem der beiden Organe wohl was nicht in Ordnung. Die Operation wurde abgesagt, ich wurde wieder auf die Station gebracht. Ja, das war hart. Sehr hart.

Als es dann am 15. Oktober wieder losging, war ich völlig entspannt. „Wird ja eh wieder nix“ hab’ ich mir gedacht. An viel mehr kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

Dass ich mich von der Operation so schnell erhole, hätte ich selbst nicht gedacht. Etwa zwei Wochen war ich auf der Intensivstation, dann ging’s zurück auf die H3. Die wollten mich wieder in Zimmer eins legen. „Nee“, hab’ ich gesagt: „Da war ich lange genug“.

Am letzten Dienstag bin ich in die Reha entlassen worden. Wenn alles klappt bin ich Weihnachten zu Hause. Wir werden an den Stadtrand ziehen, nahe am Wald. Ein kleiner Hund, und dann ‚raus in die Natur, das ist es was ich mir wünsche. Mehr nicht. Dass ich keinen Sauerstoff mehr brauche, dass ich ‚raus bin aus der Klinik, das ist mir Glück genug. Und natürlich meine Familie: Zwei Söhne, zwei Töchter, 4 Enkel.

Trotz der viel zu langen Zeit habe ich mich am DHZB immer gut aufgehoben gefühlt, dafür bin ich allen Ärzten und den Pflegekräften sehr dankbar. Und ich danke meinem Lebensgefährten Hans-Joachim. Er steht sein 35 Jahren an meiner Seite. Viele andere wären bei meiner Krankengeschichte längst abgehauen.

Der nicht!

Harald Pignatelli ist seit vielen Jahren ebenso erfahrener wie beliebter TV-Moderator, unter anderem der RBB-Sendung ZiBB – „Zuhause in Berlin und Brandenburg“. Privat setzt sich Harald Pignatelli auch für die Freunde des Deutschen Herzzentrums Berlin e.V. ein. Den Spenderausweis zu tragen ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

„Gibt es einen schöneren Gedanken, als aktiv helfen zu können, auch wenn man selbst nicht mehr aktiv werden kann? Organspende ist Leben - und eben auch „Weiter-leben“. Mein persönlicher Aufruf an alle, die noch keinen Ausweis tragen:  Machen auch Sie endlich mit, und springen Sie über Ihren Schatten!“

4. Dezember: Julia Müller und die Band „Etalon Zero“

Julia Müller
Die Band „Etalon Zero“

„Mami ist wieder da, Mami ist wieder da“, ruft Julia Müllers siebenjähriger Sohn immer wieder, als seine Mutter im Oktober 2014 endlich wieder nach Hause kommt. Nach sieben Jahren schwerer Herzkrankheit wurde der heute 37jährigen Berlinerin am DHZB ein Spenderherz eingesetzt. 

Als ich im Dezember 2006 in der neunten Woche schwanger war, erlitt ich bei der Arbeit plötzlich einen Herzstillstand. Glücklicherweise konnte ich schnell reanimiert werden, sodass weder das aufkeimende Leben in mir noch ich selbst einen bleibenden Schaden davontrugen.

Trotz vieler Einwände der Mediziner konnte ich mein Kind unter strenger Überwachung austragen und es kam gesund zur Welt. Zwei Tage nach der Geburt bekam ich meinen ersten Defibrillator implantiert und - mit kleinen Ausnahmen - war mein Zustand während der nächsten drei Jahre einigermaßen stabil. Als Auslöser für meinen Zusammenbruch sah man damals das Zusammenspiel einer verschleppten Erkältung, Stress und hormonellen Umstellungen. Später allerdings stellte sich heraus, dass ich eine genetisch bedingte „dilatative Kardiomyopathie“, also Herzmuskelschwäche hatte. Diese Erkrankung ist nicht heilbar, und so wurde mein Herz nach und nach immer schwächer.

Irgendwann konnte ich mich kaum noch bewegen, ohne total erschöpft zu sein. Ich begrenzte meine Aktivitäten auf die wichtigsten Wege, um mein Kind von A nach B bringen zu können. Ansonsten lag ich so viel es ging im Bett. Ich bekam auch immer wieder elektrische Schläge vom Defibrillator, die wahnsinnig schmerzhaft und sehr traumatisierend waren.

Zum Glück ist dies nie passiert, als mein Sohn in der Nähe war. Ich konnte ihm noch eine ganze Zeit lang die starke Mutter vorspielen, aber im Sommer 2013 wusste ich, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Ich hatte mich schon lange im Voraus mit dem Thema Herztransplantation beschäftigt, weil mein Vater ebenfalls diese Krankheit hatte, den Weg der Transplantation aber ablehnte und irgendwann verstarb.

Ich meldete mich im DHZB, dort untersuchten mich die Ärzte und bestätigten mir, dass ich ein klarer Fall für eine High-Urgent-Listung war, also eine Listung mit hoher Dringlichkeit. Ich wurde also stationär aufgenommen. Damit war ich zwar von meinem Kind getrennt, aber war auch eine enorme Erleichterung für mich.

Endlich konnte ich mich mal ausruhen und ich wusste mein Kind bei Freunden, Vater und Familie gut versorgt.

Ein halbes Jahr wartete ich im Paulinenkrankenhaus, versuchte mich währenddessen so fit wie möglich zu halten, damit nicht die ganze Muskulatur erschlaffte, aber die letzten zwei Monate waren sehr, sehr hart. 

Im Juli 2014 kam dann der Anruf und ich wurde transplantiert.

Als ich aufwachte, war ich überglücklich. Ich spürte mein neues Herz ganz kräftig schlagen. Regelmäßig, ohne Angst, dass der nächste Schlag ausbleiben könnte, so wie ich es die letzten Jahre so oft erleben musste. 

Die Physiotherapeutinnen kamen jeden Tag mehrmals, um die viele eingelagerte Flüssigkeit wieder aus meinem Körper zu bekommen und ich machte fleißig mit. Danach kam ich von Intensiv- auf Normalstation und dann schon relativ zügig in die Reha. 

Dort lernte ich wieder Sport zu machen und meinem Körper wieder etwas zuzutrauen. Ich machte schnell Fortschritte und durfte auch schon bald sehr gestärkt nach Hause. 

Mein Sohn freute sich wahnsinnig: ,,Mami ist wieder da, Mami ist wieder da“, hat er immer wieder gerufen.  Als ich im Paulinenkrankenhaus auf die Transplantation gewartet habe, war mein größter Wunsch, mit ihm wenigstens mal zusammen langsam Fahrrad fahren zu können, heute gehen wir auch zusammen schwimmen, ich jogge und mache mehrere Male die Woche Tai Chi.

Ich habe noch einmal angefangen zu studieren und genieße jeden Tag meines geschenkten Lebens. Es ist schon wieder sehr alltäglich geworden alles - und doch immer noch so besonders.

Spenderfamilie und Empfänger dürfen sich ja nicht kennenlernen. Aber es ist möglich, der Familie des Spenders einen anonymisierten Brief zukommen zu lassen. Das habe ich getan. Und dabei fest versprochen, dass ich auf dieses große Geschenk gut aufpassen werde. Jeden Tag meines Lebens.

Wir sagen Ja!
Heute: Die Band „Etalon Zero“: Arnaud, Mathieu und Kornelius (auf dem Foto v.l.)

Ich heiße Kornelius und bin der Drummer von „Etalon Zero“, das ist Französisch und heißt: „Eichmaß Null“. Wir sind also Nullen, aber geeichte Nullen! Fragen Sie mich nicht, wie wir auf diesen Bandnamen gekommen sind. Nur die Sprache ist klar, denn Arnaud, unser Sänger und Gitarrist und Mathieu, der Bassist, kommen beide aus Frankreich. So wie ich leben sie aber schon seit vielen Jahren in Berlin. Vor zwei Jahren haben wir uns kennengelernt und machen jetzt Musik zusammen. Der Stil: Irgendwo zwischen Rock, Punk und Heavy Metal; jedenfalls ziemlich experimentell und sehr düster.

Wir machen das nur als Hobby, beruflich bin ich Cutter für Fernseh- und Werbeproduktionen. Ich habe schon einige Filme fürs Deutsche Herzzentrum Berlin geschnitten und dabei schon viel über die Herzmedizin gelernt, über die oft beeindruckende Kraft der Patienten und die faszinierenden Möglichkeiten der Ärzte.

Die Aktion war ein guter Anlass, sich endlich mal einen Spender-Ausweis zu besorgen. 

Und als ich Arnaud und Mathieu davon erzählte, waren die beiden sofort dabei. 

Dass man durch seinen Tod einem anderen Menschen das Leben schenken kann, das ist für uns alle drei ein ziemlich schöner Gedanke.

Das Foto haben wir in unserem Proberaum gemacht: Wir sagen ja!

5. Dezember: Recep Mamak und Bernhard Bettermann

Recep Mamak
Bernhard Bettermann

Der heute sechsjährige Recep Mamak verbrachte über anderthalb Jahre stationär am DHZB, angeschlossen an ein Kunstherz. In dieser langen Zeit ist Recep mit seiner Neugier und seinem Lebensmut wohl allen Mitarbeitern der Klinik ans Herz gewachsen. Am 1.8.2015 wurde Recep herztransplantiert. Sein Bruder Fatih (18) erzählt eine bewegende Geschichte, die auch sein Leben für immer verändert hat. 

Mein Bruder Recep wurde am 17.März 2011 im Krankenhaus Neukölln geboren. Vorher hatte man nicht erkannt, was für einen schweren Herzfehler er hat. Da musste also alles plötzlich ganz schnell gehen. Ich war damals erst 10 Jahre alt und habe alles gar nicht so recht begriffen. Heute weiß ich das natürlich: Recep ist mit einem hypoplastischen Linksherz-Syndrom zur Welt gekommen, ihm fehlte sozusagen das halbe Herz. Ohne eine Operation wäre er sofort gestorben. Wenige Tage später wurde der erste Eingriff vorgenommen, etwa fünf Monate später kam die nächste Operation. 

Klar, in unserem Leben war nichts mehr wie vorher. Ich weiß noch, dass ich mich in die Intensivstation nicht 'reingetraut habe. Ich wollte meinen Bruder so nicht sehen, angeschlossen an die ganzen Schläuche und Kabel. Und meine Mutter habe ich meistens nur am Wochenende gesehen, die war ja immer bei Recep. Aber Oma und Papa, die waren immer für mich da. 

Das wurde dann Alltag für uns, Untersuchungen, Herzkatheter, Operationen, Angst, Sorge, Hoffnung. Recep stand immer im Mittelpunkt. Aber ich habe mich trotzdem nie vernachlässigt gefühlt. Dafür bin ich meinen Eltern für immer dankbar. 

Einige Zeit lang schien alles ganz gut zu laufen, Recep konnte auch entlassen werden. Aber ich weiß noch, ich war auf Klassenfahrt an der Nordsee, da hat mir meine Oma am Telefon gesagt, dass Recep wieder ins Krankenhaus muss. Von da ab ging es wohl immer schlechter, obwohl die Ärzte alles getan haben, was sie können. Am 17. Januar 2014 wurde Recep dann ans Kunstherz angeschlossen, also an eine Maschine, die die Arbeit seines Herzens übernimmt. Aus seiner Brust kamen zwei Schläuche, angeschlossen an einen Apparat so groß wie ein Kühlschrank, immerhin auf Rollen. 

Und so haben wir dann auf ein Spenderherz gewartet, Wochen und Monate. Der Imbiss am Augustenburger Platz auf der einen Seite, die Mittelallee vom Virchow-Klinikum auf der anderen Seite. Soweit reichte seine Welt. Das DHZB, die Station H4, das war sein Zuhause. 

Klar, das hört sich schlimm an. Aber Recep kannte es ja gar nicht anders. Und er war nicht der einzige. Thore, Shira, Lisa-Maria, da waren ja die anderen Kunstherz-Kinder und ihre Eltern. Wir alle waren wie eine große Familie. Jeden Donnerstag um drei hat Pfarrer Ekkehard Kirchner Gitarre gespielt und mit uns gesungen. Und es gab viele andere Termine, Physiotherapie und so. Und die ganzen Krankenschwestern, Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, die waren alle immer da für uns.  Vor allem aber Danni, also Daniela Gratz-Greiser, die Erzieherin auf der Station H4. Ohne Danni, das muss ich hier mal sagen, hätten wir das alles vielleicht nicht überstanden. 

Vielleicht bin tatsächlich ein bisschen schneller erwachsen geworden als andere Jungs in meinem Alter. Mir war schnell klar, was meine Eltern durchmachen müssen. Und ich wollte ihnen deshalb meine Gefühle, meine Nöte und Ängste möglichst wenig zeigen. Wenigstens einer von uns muss immer stark sein, also auch ich, habe ich mir gedacht. Und diese Zeit hat uns als Familie sehr zusammengeschweißt. 

Ich bin auf Mama und Papa auch sehr stolz. Meine Eltern stammen aus der Türkei, mein Vater ist zwar in Heilbronn geboren, hat aber seine Kindheit und Jugend in der Türkei verbracht. Und meine Mama ist erst 1998 nach Deutschland gekommen. Ehrlich: Bevor das mit Recep losging, war ihr Deutsch aber noch ziemlich mies. Aber sie hat dann extrem schnell gelernt, davor habe ich großen Respekt. 

Am ersten August 2015 hatten wir gerade Besuch. Wir saßen im Warteraum von der Aufnahme. Da kam Dr. Musci rein und sagte, es gibt ein Angebot für ein Spenderherz. Alle haben geweint, nur ich nicht. Ich habe erst geweint, als die uns gesagt haben, dass das Angebot endgültig bestätigt ist. Um 15 Uhr ist Recep dann reingefahren worden in den OP. So um 10 Uhr abends war das Herz da. Professor Photiadis hat es eingesetzt. 

Alles ist gut gegangen. Am 21. September ist Recep in die Reha entlassen worden, da gab's ein richtiges Fest im Innenhof, schön war das. Von den ganzen Medikamenten war sein Gesicht erst mal aufgedunsen und ein wenig behaart. Und noch lange hat er nach drei Schritten halt gemacht. Und vor jeder Ecke ausgeholt, dass sein Wagen mit der Pumpe nicht anstößt. Obwohl der gar nicht mehr dranhing. 

Recep genießt sein Leben. Jeden Tag. Der will alles wissen, alles erleben. Und er ist absoluter Fuball-Fanatiker. Recep könnte 24 Stunden am Tag kicken, wenn's nach ihm geht. 

Recep hat auch mein Leben verändert, ja. Ich habe die Schule nach der mittleren Reife unterbrochen und ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kinder-Intensivstation vom Herzzentrum gemacht.  Ich wollte das kennenlernen, bevor ich mich weiter entscheide. Jetzt steht der Plan. Fachabitur. Und dann die Ausbildung zum Krankenpfleger. Das Ziel: Zurück auf die Kinder-Intensiv vom DHZB. Diesmal als Profi!

Er hat bei diversen Tatort-Krimis mitgespielt, bei "Der Alte", "Siska" oder der "Soko Kitzbühel", dazu in diversen Fernseh- und Kinofilmen: Es dürfte kaum eine Rolle geben, in die Schauspieler Bernhard Bettermann in seiner über 30jährigen Karriere noch nicht geschlüpft ist. Den meisten Zuschauern aber dürfte er inzwischen als Dr. Martin Stein bekannt sein, leitender Oberarzt der Chirurgie in der seit Jahren ungebrochen erfolgreichen ARD-Klinikserie "In aller Freundschaft":

Ich spiele den Dr. Stein bereits seit 2006. Sicher nicht nur, aber auch wegen dieser Rolle habe ich mich mit dem Thema Organspende schon vor langer Zeit auseinandergesetzt. 

Ich muss aber ehrlich zugeben: den Ausweis habe ich erst seit etwa 2 Jahren. Viele können das vielleicht nachvollziehen, man nimmt sich das vor, aber im Alltag sind dann immer wieder andere Dinge wichtiger.

Ich fände es deshalb gut, wenn so ein Ausweis ungefragt an alle Bürger verschickt wird, dann wäre die Hürde geringer, als wenn man ihn sich abholen, zuschicken lassen oder herunterladen muss. 

Noch besser wre es meines Erachtens, wenn sich eine Widerspruchslösung wie in vielen anderen europischen Lndern auch bei uns politisch durchsetzen könnte. Da sehe ich aber leider sehr wenige Impulse, von welcher Partei auch immer.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich die Karte jetzt in der Brieftasche habe - und sage Ja!

6. Dezember: Erik Bitterling und Angela Ipach von den "Jungen Helden"

Erik Bitterling
Angela Ipach von den "Jungen Helden"
Einige der vielen Unterstützer "Jungen Helden"

Am 5. März 2016 wurde Erik Bitterling herztransplantiert. Nach fast einem Jahr Wartezeit und sechsjähriger Krankheit, die ihn aus heiterem Himmel getroffen hat. 

„Hallo, mein Name ist Erik, ich bin 22 Jahre und komme aus Rostock. Alles fing im Frühjahr 2010 an, als ich eine Grippe verschleppt habe und die sich aufs Herz gelegt hat. Meine Herzleistung war bei ca. 12% und ich konnte von einen auf den anderen Tag nicht mal mehr zehn Meter gehen, ohne dass ich aus der Puste war.

Ich war bei meinem Hausarzt, der hat dann ein Ultraschall gemacht und mich sofort in die Uniklinik nach Rostock überwiesen. Von da ging es dann gleich weiter mit dem Helikopter nach Berlin. Dort war ich dann sechs Wochen und wurde ganz gut mit Medikamenten eingestellt, sodass sich mein Herz wieder ein wenig erholen konnte.

Die Leistung war nun bei ca. 30% und ich musste nur noch jedes Jahr einmal nach Berlin zur Kontrolle. Ich habe 2013 dann meinen Realschulabschluss geschafft und wollte mich eigentlich nach Arbeit umgucken. Aber daraus wurde leider nichts, weil sich mein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hat. Im Sommer 2013 musste mir ein Kunstherz eingesetzt werden. 5 Wochen nach der Implantierung wurde ich wieder nach Hause geschickt und konnte 2014 sogar eine Ausbildung beginnen, als Kaufmann für Büromanagement.

2015 musste das Kunstherz wegen eines Blutgerinnsels getauscht werden. Danach kam ich auf die Warteliste für ein Spenderherz, als Hochdringlichkeits-Patient. Ich wurde im Paulinenkrankenhaus stationär aufgenommen. Das Warten ging los und ich wusste nicht so wirklich, was auf mich zukommt. Zum Glück hatte ich einen super Zimmernachbarn, der auch auf ein Herz gewartet hat, mit Ihm lag ich zusammen, bis ich transplantiert wurde. 

Am 5. März 2016, nach elfeinhalb Monaten Wartezeit war es bei mir soweit.

Mein Zimmernachbar hat sein Herz zum Glück ein paar Tage nach mir bekommen. Wir treffen uns heute noch regelmäßig.

Heute, anderthalb Jahre nach der Transplantation, hab’ ich meine Ausbildung wieder angefangen und fühle mich richtig gut. Ich mache jetzt regelmäßig Sport und unternehme viel mit Freunden.

Freue mich schon riesig auf Weihnachten und auf das gute Essen, das es immer gibt -  endlich wieder Zuhause mit meiner Familie!

Eins ist klar: Ohne die tollen Ärzte, Schwestern und Pfleger, meiner Familie und den neuen Freunden, die ich in der Klinik kennengelernt habe, hätte ich das wahrscheinlich alles psychisch nicht durchgehalten.

Und ganz GROSSEN Dank an meinen unbekannten Spender: Ohne Dich würde ich jetzt hier nicht sitzen und diesen Text schreiben. Ich bin Dir unendlich Dankbar dafür!

In diesem Sinne: Euch allen schöne Weihnachten!“

Angela Ipach ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Vereins Junge Helden e.V., der sich seit vielen Jahren und mit großem Erfolg für Wissensvermittlung und Aufklärung zum Thema Organspende einsetzt. Angela Ipach und ihr Team setzen damit ein Projekt fort, dass sie gemeinsam mit Angelas Schwester Claudia gegründet hatten. Claudia wurde im Mai 2007 am DHZB lungentransplantiert und ist vier Jahre später verstorben. 

Im Alter von sieben Jahren wurde bei Claudia die seltene Autoimmunkrankheit Sklerodermie diagnostiziert. Trotz der Diagnose hat sie es jedoch geschafft, ein relativ normales Leben zu führen, denn Claudia hat sich nicht als krank empfunden, die Krankheit aber auch nicht als ihren Feind verstanden. Vielmehr hat sie sich weiterhin an ihrem gesunden Umfeld orientiert und versucht, ihre Krankheit in ein möglichst aktives Leben zu integrieren.

Schon damals waren ihr unbeschreiblicher Lebenswille und ihre Kraft zu spüren. Als sich mit 20 Jahren der Zustand ihrer Lunge jedoch enorm verschlechtert hatte, wurde schnell deutlich, dass ihr Leben nur durch eine Lungentransplantation gerettet werden kann. Vier Jahre musste Claudia auf eine neue Lunge warten.

Die Zeit bis zur Transplantation hat sie jedoch genutzt, indem sie „Junge Helden“ gegründet und einen neuen Umgang mit dem Thema Organspende etabliert hat.

Anstatt zu moralisieren und pro zu agieren, hat Claudia den Weg für einen liberalen und lebensbejahenden Umgang mit dem Thema geebnet. 

Am 9. Mai 2007 wurde Claudia schließlich transplantiert und konnte ihr Leben danach noch intensiver als zuvor leben. Sie ist verreist, hat Sport gemacht, ein Buch geschrieben, sich noch mehr für Junge Helden stark gemacht und einfach jede Sekunde mit ihren Freunden und ihrer Familie genossen. Am 14. Juni 2011 ist Claudia an einem Herzversagen in ihrer Berliner Wohnung gestorben.

So plötzlich Claudi uns auch verlassen hat, so sehr hat sie uns aber auch auf diesen Moment vorbereitet. Das hat sie eher indirekt gemacht, aber indem sie ihre Gedanken und Vorstellungen immer mit uns geteilt, Diskussionen und offene Worte nie gescheut hat, haben wir immer deutlich vor Augen, wie Claudi handeln würde.

Gemeinsam setzen wir nun die Initiative meiner Schwester fort.

Wir klären an Schulen, Universitäten, Unternehmen und Sportveranstaltungen auf, wir produzieren und verteilen Aufklärungsmaterial. Seit 2015 ist unser Aufklärungsfilm „Entscheidend ist die Entscheidung“ online sowie als DVD verfügbar.

Durch regelmäßige Beiträge in der Presse sowie auf unseren Social Media-Kanälen verschaffen wir dem Thema Organspende eine weitreichende Aufmerksamkeit und fördern die öffentliche Wahrnehmung.

Unser Ziel ist es, dass sich möglichst viele Menschen die Frage beantworten, ob sie Organe spenden möchten, oder nicht.  Ein "Nein" auf dem Organspender-Ausweis ist genauso wichtig wie ein "Ja".

Was zählt, ist die Entscheidung!

7. Dezember: Frank-Rüdiger Hoppe und Stephanie Maile

Frank-Rüdiger Hoppe
Stephanie Maile

Es ist heute Abend vor genau einem Jahr, als eine Krankenschwester und ein Arzt ins Zimmer von Frank-Rüdiger Hoppe kommen, der im Berliner Paulinenkrankenhaus auf eine Herztransplantation im DHZB wartet: Eurotransplant hat ein passendes Organ gemeldet. „Ich hätte sie beide knutschen können“, sagt Frank-Rüdiger Hoppe heute.

Ich bin im März 1955 im thüringischen Nordhausen geboren, wo ich heute noch lebe.
Nach dem Besuch der polytechnischen Oberschule habe ich als Elektromonteur gearbeitet, 18 Monate war ich als Wehrdienstleistender bei der Marine auf Rügen. Dort habe ich auch meine Frau kennengelernt.

1977 haben wir geheiratet, 1978 und 1981 wurden unsere beiden Söhne geboren, 1987 haben wir gebaut. Es war ein glückliches und sehr aktives Leben, dass ich geführt habe. Ich sag’s mal so: Ich war nie ein Mensch, der einen Wecker gebraucht hat.

Bis ins Jahr 1992: Plötzlich hatte ich mich immer häufiger schlapp gefühlt, war antriebslos und hatte kaum noch Lust aufzustehen. Das ging ein paar Monate so und ich habe das zunächst eher verdrängt.

Eines Tages im September bin ich dann mit stark geschwollenen Beinen aufgewacht und endlich mal zum Arzt gegangen. Der hat mich zunächst zum Urologen geschickt. Doch der konnte nichts feststellen. Und eine Woche später ging dann alles sehr schnell: ich wurde zu einer Lungenfachärztin geschickt, die hat mich sofort ins Krankenhaus überwiesen.

Noch am selben Tag wurde mir dort mitgeteilt, dass ich schwer herzkrank sei und wohl nie weder werde arbeiten können. Die Diagnose: Restriktive Kardiomyopathie, also eine fortschreitende Herzmuskelschwäche, die zwar mit Medikamente behandelt werden kann, aber letztendlich unheilbar ist.

Das war natürlich ein Schock, das kann sich sicher jeder vorstellen. Im Sommer 1993 wurde ich als erwerbsunfähig berentet und musste lernen, damit klarzukommen.

Etwa drei Jahre später las ich in einer Zeitschrift was übers Deutsche Herzzentrum Berlin und dachte mir sofort, dass ich mich da mal vorstellen will. Gedacht, getan: Also bin ich nach Berlin gefahren. Dort wurde mir dann zum ersten Mal mitgeteilt, dass eine irgendwann mal eine Transplantation meine letzte Möglichkeit sein könne. Wollte ich aber nicht wahrhaben.  Ich konnte ja trotz der schweren Krankheit auch erstmal ganz gut weiterleben.

Aber im Frühjahr 2013 ist mein Zustand dann regelrecht umgekippt. Ich konnte mich kaum noch bewegen. Und bin am 7. Juni mit hoher Dringlichkeit für die Transplantation gelistet worden.  So schnell wie ich jetzt ein Spenderorgan gebraucht hätte, war aber keines da. Und so mussten mir die Ärzte wenige Wochen später eine künstliche Kreislaufpumpe einsetzen. Sonst wäre ich auf der Warteliste gestorben.

Drei Jahre später haben sich aber Blutgerinnsel im Schlauch der Maschine gebildet und es war klar, dass ich mit dem System nicht mehr lange weiterleben kann. Am 15.10.2016 kam ich auf die Warteliste. Und nur 56 Tage später am Abend des 7. Dezember kam eine Schwester in mein Zimmer. Und im Schlepptau ein Arzt. Eurotransplant hatte ein passendes Herz für mich gemeldet. Ich hätte beide knutschen können, so froh und aufgeregt war ich.

Ich hatte auch keine Angst vor der OP. Ich wusste, dass das gut geht. Und es ging gut. Am 26. Januar ging’s in die Reha, am 16. Februar nach Hause. Ganz klar, der Weg zurück ins Leben war kein leichter. Aber jetzt bin ich wieder fit. Und seit vorletzten Montag auch Mitglied einer Herzsport-Gruppe. Ich kann dankbar sein heute. Und danke sagen: Den Ärzten, Pflegekräften und allen anderen Mitarbeitern des DHZB und des Paulinenkrankenhauses. Vor allem aber meiner Frau, die immer an meiner Seite geblieben ist in vielen schweren Zeit. Seit 40 Jahren sind wir nun miteinander verheiratet. Was für ein Glück.

Die „Ausweis-Trägerin des Tages“ ist heute Casterin und Schauspielerin Stephanie Maile aus Berlin -  eine enge Freundin von Julia Müller, die uns am 4. 12. ihre Geschichte erzählt hat:


„Julia kenne ich seit 10 Jahren – und ich kannte sie eigentlich immer nur krank. Ich war dabei, als sie an jenem Abend im Juli 2014 aus dem Paulinenkrankenhaus ins Deutsche Herzzentrum Berlin verlegt wurde und habe sie bis zur OP-Schleuse begleitet.

Dass es Julia heute wieder so gut geht, ist für mich das größte Glück meines Lebens. Wie sehr würde ich sie und all’ unseren Schabernack wohl missen, wenn es keine rechtzeitige Spende gegeben hätte!

Obwohl ich es schon längst hatte machen wollen, habe ich mir den Spender-Ausweis erst zugelegt, als Julia für die Transplantation gelistet und ins Paulinenkrankenhaus aufgenommen wurde.

Deshalb mache ich bei der Aktion sehr gerne mit: Vielleicht kann ich ja einen ganz kleinen Beitrag dazu leisten, dass auch andere Menschen handeln!“

8. Dezember: Chantal Bausch und das Team von Chantals Hockeyclub in Bremen

Chantal Bausch
Hockeyclub zur Vahr Bremen

Chantal Bausch aus Bremen feiert heute ihren 25. Geburtstag. Und zugleich lebt sie ab heute länger mit ihrem „neuen“ Herz als mit ihrem „alten“: Denn vor genau zwölfeinhalb Jahren wurde Chantal am DHZB herztransplantiert. Wir wünschen Chantal alles Beste! Hier ist ihre Geschichte:

Ich bin als gesundes und sehr aktives Kind aufgewachsen, schon mit 5 habe ich angefangen Hockey zu spielen. Doch im Alter von 11 Jahren ging es mir von einem Tag auf den anderen plötzlich sehr schlecht: Ich fühlte ich mich plötzlich antriebslos und bekam beim Treppensteigen Luftprobleme. Nach wenigen Tagen hat mich ein Kardiologe untersucht und sofort den Notarzt gerufen. In der Bremer Klinik hatten sie wohl Sorge, dass ich die Nacht nicht überlebe, so kritisch war mein Zustand.
Die Diagnose: Myokarditis - eine Herzmuskelentzündung die mein Herz irreparabel beschädigt hat. Ich wurde ins Deutsche Herzzentrum Berlin verlegt.

Dort stand bald fest, dass eine Herztransplantation die einzige Möglichkeit sei, langfristig weiterzuleben. Um die Wartezeit auf ein geeignetes Spenderorgan zu überbrücken, wurde ich an ein Kunstherz angeschlossen. Dreieinhalb Monate verbrachte ich auf der Kinderstation im Deutschen Herzzentrum Berlin, bis am 8. Juni 2005 der erlösende Anruf kam und ich in den OP gebracht wurde.

Nach der Transplantation hatten die Ärzte noch mit Komplikationen zu kämpfen. Aber dann ging es aufwärts, ich konnte wieder am Leben teilnehmen und ein normales Kind sein. Mittlerweile habe ich mein Abitur gemacht und studiere an der Uni Bremen Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaft. Nebenbei stehe ich bei meiner Hockeymannschaft im Tor, wir spielen in der zweiten Bundesliga. Zudem spiele ich Tennis und Golf, gehe im Winter Skifahren und im Sommer segeln.

Seit 2013 nehme ich erfolgreich an Sportveranstaltungen für Transplantierte teil. Unter anderem konnte ich bei der Weltmeisterschaft 2013 im südafrikanischen Durban im Tennis-Doppel, bei der Ski-WM ein Jahr später im Parallelslalom und 2015 in Argentinien im Golf jeweils die Goldmedaille gewinnen. Durch meine Teilnahme an den internationalen Wettkämpfen für Transplantierte möchte ich zeigen, was durch eine Transplantation wieder möglich ist und dass ich wieder ein ganz normales Leben führen kann.
Mir geht es sehr gut – und die Dankbarkeit für meine zweite Lebenschance lässt sich kaum in Worten ausdrücken. Was ich aber tun kann, ist, mich für die vielen Menschen, die auf ein Organ warten, einzusetzen, indem ich mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit gehe.“

Für das Team von Chantal Bauschs Hockeyclub zur Vahr Bremen gilt: „Wir sagen Ja!“

Natürlich machen wir hier gerne mit, denn Organspende ist für uns eine ‚Herzensangelegenheit’. Unsere Torhüterin ist seit zwölf Jahren herztransplantiert und unser fester Rückhalt. Als 7-Meter-Killerin können wir uns immer auf Chanti verlassen.
Auch im 1-gegen-1 schreckt sie vor niemanden zurück und stürzt sich gerne kopfüber in die Gegenspieler. Dass sie mal schwer krank war, merkt man ihr heute nicht mehr an.
Ihre positive Art ist ansteckend und wir sind froh, dass sie ein Teil von uns ist. Wir würden uns wünschen, dass auch vielen anderen geholfen werden kann.

9. Dezember: Bettina Dorau und Hubert Knicker

Bettina Dorau
Hubert Knicker

Die Nacht zum ersten Januar 1995: Ein neues Jahr beginnt. Und für Bettina Dorau aus Berlin ein neues Leben. Denn in dieser Nacht wird die damals 21jährige herz-lungentransplantiert. Und lebt mit den Spenderorganen nun fast 23 Jahre.

Als der liebe Gott damals die Krankheiten verteilt hat, habe ich wohl ein paar Mal zu oft den Finger gehoben. Ich bin im März 1973 mit einem sehr schweren Herzfehler geboren worden, den man damals nicht behandeln konnte. Dazu kam dann eine schwere Wirbelsäulenverkrümmung, Abszesse am Gehirn und ein Schlaganfall – alles noch vor meinem zehnten Geburtstag.

Arztbesuche, Krankenhäuser, Physiotherapie, Schmerzen – das gehörte also zu meiner Kindheit und Jugend dazu. Vor allem durch den Herzfehler war ich körperlich sehr eingeschränkt. Aber vor allem dank der ungeheuren Kraft meiner Eltern konnte ich den Umständen entsprechend normal aufwachsen.  Als ich zehn Jahre alt war, ist meine Mutter mit mir ins evangelische Johannisstift nach Berlin-Spandau gezogen. In der behindertengerechten Schule dort habe ich den erweiterten Hauptschulabschluss geschafft und dann eine Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen.

Aber die musste ich abbrechen. Es hat mit meiner Belastungsfähigkeit einfach nicht gereicht.

Meine Eltern und ich waren schon ziemlich lange darauf vorbereitet, dass mich nur eine Organtransplantation retten könnte. Im Juli 1994 kam ich dann auf die Warteliste für Herz und Lunge, denn auch meine Lunge war durch die lebenslange Herzerkrankung bereits unheilbar geschädigt.

Ich habe damals in einer betreuten WG im Johannisstift gelebt. Es ging mir nicht gut, aber trotzdem wollten wir am Silvesterabend 1994 das Leben und die Hoffnung feiern.

Zwischen 18 und 19 Uhr kam dann der Anruf aus dem DHZB: Es gebe Organe. Mit dem Krankenwagen wurde ich in die Klinik gefahren. Kurz vor der Übergabe ans OP-Team hat mich wohl der Mut verlassen:  ’Mama, nimm mich wieder mit! ‘ habe ich wohl gerufen. Aber das hat die nicht gemacht. Zum Glück.

Es gab nach dem Eingriff heftige Komplikationen. Aber auf der Intensivstation haben sie den Kampf um mein Leben aufgenommen. Und gewonnen.

Was ich nie vergessen werde: Ein halbes Jahr nach der Transplantation habe ich mir den von Christo verhüllten Reichstag angeschaut.

Das ist jetzt schon alles sehr lang her. Ich lebe unabhängig in einer eigenen Wohnung, ich arbeite bei den Berliner Werkstätten für Menschen mit Behinderung, nur wenige hundert Meter vom DHZB entfernt.

Als ich geboren wurde, haben die Ärzte keine großen Hoffnungen gehabt, was meine Lebenserwartung angeht. Aber hier bin ich - und es geht mir saugut!

Auch Hubert Knicker wurde herztransplantiert, am Herzzentrum von Bad Oeynhausen in Nordrhein-Westfalen. Auf unseren Aufruf hin hat er sich aber bewusst als Träger eines Organspender-Ausweises gemeldet:

Am 24. Juli 2010 habe ich nach langer Krankheit mit der Herztransplantation meinen „zweiten Geburtstag“ gefeiert. Ich bin sehr dankbar und habe mich deshalb der Aufklärung
verschrieben. Ich finde, dass ich das meinem Retter ebenso schuldig bin wie den Ärzten und Pflegern, die immer für mich da waren.

Mit der großen Unterstützung meiner Frau spreche ich in Schulen, Kirchen, Unternehmen, Kliniken, Hochschulen oder Behörden von meinem „Fall“ und informiere so gut ich kann, denn immer wieder erlebe ich, wie viele offene Fragen die Menschen haben.

Ich möchte dabei niemanden überreden, sondern bei einer selbstbestimmten Entscheidung für oder auch gegen eine Organspende helfen. Hier erfahren Sie mehr, wenn Sie möchten: http://www.organpate-owl.de

Ich habe miterlebt, dass Menschen gestorben sind, die vergebens auf eine Transplantation gewartet haben. Und ich möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass so etwas in Zukunft weniger häufig geschieht.

10. Dezember: Karsten Holz und Ulla Kock am Brink

Karsten Holz
Ulla Kock am Brink

Vier Enkeltöchter halten Karsten Holz aus Nauen ordentlich auf Trab.  Die damit verbundene körperliche Aktivität ist für den 57jährigen kein Problem. Dank einer Herztransplantation im Februar dieses Jahres.

Ich bin im September 1960 in Nauen bei Berlin geboren und ganz in der Nähe auch aufgewachsen. Nach der Schule habe ich das Malerhandwerk bei der „Hochbaumeisterei Wustermark“ der Deutschen Reichsbahn gelernt und da auch gearbeitet. Reichsbahn-Wohnsiedlungen, Bahnhöfe, Stellwerke, das alles in Schuss zu halten war unser Job. Und der hat auch Spaß gemacht. Gut zwei Jahre nach der Wende war damit Schluss und es ging bei einem Privatbetrieb weiter.

Dass ich mal einen Herzinfarkt kriegen könnte, war gar nicht unwahrscheinlich: Vater, Tante, Onkel, Großmutter, alle hatten einen. Trotzdem habe ich an sowas nicht gedacht, als es mir Ende April 2010 plötzlich ziemlich schlecht ging. Erst am nächsten Morgen hat mich meine Frau gezwungen, zum Arzt zu gehen - und mir damit wohl das Leben gerettet. Denn ich wurde sofort per Rettungswagen und Hubschrauber ins Herzzentrum nach Bernau gebracht. Dort haben Sie mir vier Bypässe eingesetzt, später noch einen Defibrillator. Danach ging es auch erstmal ganz gut, aber meine Krankengeschichte war leider nicht beendet.  Anfang 2016 war mein Herz sehr schwach geworden und die Ärzte konnten nicht mehr viel tun. Ich wurde für eine Transplantation gelistet, aber Ende März war mein Zustand so schlecht, dass ich eine weitere Wartezeit wohl nicht überlebt hätte.

Ich bekam also ein Kunstherz eingesetzt. Aber schon nach wenigen Monaten gab es damit Probleme. Denn ich hatte eine Infektion. Um es kurz zu machen: Anfang Dezember war ich wieder im Paulinenkrankenhaus und auf der Warteliste für die Transplantation.

Und man muss ja auch mal Glück haben: Nicht mal drei Monate später, am 17. Februar 2017 gab es ein Angebot. Für heutige Verhältnisse also ziemlich schnell.

Die Sachen packen, hier noch ein Telefonat, da noch eine SMS, Verlegung ins DHZB, OP-Vorbereitung: Für Angst vor der OP hatte ich eigentlich gar keine Zeit.

Es war wohl kein ganz einfacher Eingriff bei mir, jedenfalls hat es sehr lange gedauert, wie ich heute weiß. Und auch erholt habe ich mich nicht besonders schnell. Aber dafür gründlich! Heute geht es mir sehr gut – und ich bin glücklich. Fahrradfahren, Hanteltraining, Gartenarbeit, Urlaubsreisen - alles wieder drin bei mir! Und vier Enkeltöchter habe ich schon. Die halten mich ordentlich auf Trab. Aber ich wünsche mir natürlich noch mehr. Und es dürfte auch mal ein Junge sein.

Bypässe, Kunstherz, Transplantation, immer wieder Klinik und auch immer wieder Rückschläge - ohne den Beistand und die Liebe meiner Familie hätte ich das alles sicher nicht durchgestanden. Und ja, ich denke auch oft an den Spender. In großer Dankbarkeit.

Ich wünsche allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Paulinenkrankenhauses und des Deutschen Herzzentrums Berlin eine schöne Weihnachtszeit, frohe Festtage und ein gutes Neues Jahr!

Ich habe mich in beiden Häusern perfekt aufgehoben gefühlt, das gilt für alle Stationen. Die Arbeit der Ärzte, die menschliche Betreuung – das ganze Paket hat gepasst.

Dafür Danke – von ganzem Spenderherzen!"

Unsere heutige „Ausweisträgerin des Tages“ ist Ulla Kock am Brink: Die TV-Moderatorin ist seit vier Jahren offizielle Botschafterin der Herzfreunde, dem Verein zur Unterstützung der klinischen Arbeit und der Forschung am DHZB:

"Als ich gefragt wurde, ob ich das Ehrenamt der Herzfreunde-Botschafterin übernehmen würde, habe ich keine Sekunde gezögert. Die Mediziner und Pflegekräfte leisten Großartiges, das wird mir bei jedem Besuch in der Klinik bewusst. Und es ist selbstverständlich, dass ich mich längst auch mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt habe. Für mich gab es da nie einen Zweifel: Ich sage Ja!"

11. Dezember: Hartwig Gauder und Cindy Gill

Hartwig Gauder
Cindy Gill

Hartwig Gauder wurde 1954 in Vaihingen nördlich von Stuttgart geboren, aber schon sechs Jahre später sind seine Eltern nach Ilmenau gezogen - seine Mutter hatte dort ein Haus geerbt.

Am Rand des Thüringer Waldes gibt es für sportliche Betätigung jede Menge Möglichkeiten. Entsprechend aktiv bin ich aufgewachsen und wurde schließlich auch an der Kinder- und Jugendsportschule Erfurt aufgenommen. Etwa mit 16 habe ich mich aufs Gehen als Sportart konzentriert.

Beim SC Turbine Erfurt begann meine Erfolgsgeschichte, auf die ich durchaus stolz bin. Denn über die 50-Kilometer-Distanz gewann ich eigentlich alles, was es zu gewinnen gibt: Weltmeisterschaft, Europameisterschaft, DDR- und schließlich gesamtdeutsche Meisterschaft, die Goldmedaille bei den olympischen Spielen 1980 in Moskau.

Bei den Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart habe ich meine Profi-Laufbahn beendet. Trotzdem habe ich natürlich sportlich aktiv weitergelebt, bis ich im Herbst 1994 einen deutlichen Leistungsabfall hatte.

Zuerst habe ich das noch auf nachlassende Trainingsintensität im Vergleich zu meiner Profi-Karriere geschoben. Aber ich wurde immer schlapper und müder. Ich hatte Architektur zu studieren begonnen und bin beim Zeichnen manchmal von einer Minute auf die andere eingeschlafen.

Ich habe lange dagegen angekämpft, erst im März 1995 bin ich zum Arzt gegangen. Die Diagnose war dann ein ziemlicher Schock: Die Leistung meines Herzens lag bei 30 Prozent des Normalwertes, später dann bei nur noch 16 Prozent. Ursache war wohl eine bakterielle Infektion, die ich mir bei einer studentischen Aufgabe beim Vermessen einer ehemaligen Geflügelmast der sowjetischen Armee eingefangen hatte.

Mir wurde 1996 zunächst ein Kunstherz eingesetzt, ich hatte die Hoffnung, dass mein Herz sich durch diese Entlastung wieder erholt. Doch dann kam es zu einer Infektion. Die Herztransplantation war damit meine letzte Möglichkeit zu überleben. Die Entscheidung dazu ist mir nicht leicht gefallen.

Gut ein Jahr habe ich gewartet. Bis am 30. Januar 1997 eine Ärztin zu mir kam: „Gauderchen, wir haben was.“

Als ich nach der Operation wach wurde, habe ich in mich hineingehört, den Herzschlag gehört und mir gesagt: Das passt. Von der ersten Sekunde an, die ich mit dem Spenderherzen erlebt habe, waren wir ein Team.

Es ist dann schnell bergauf gegangen. Ich habe so bald wie möglich wieder angefangen zu trainieren. Und stand anderthalb Jahre nach der Transplantation als Geher am Start für den New York Marathon. Mit meinem „dritten Herzen“ habe ich auch mein Architektur-Studiukm abgeschlossen.

2003 habe ich als erster Mensch mit einem transplantierten Herzen den Fuji-San, den höchsten Berg Japans bestiegen.

Ja, auch nach der Transplantation gab es medizinische Rückschläge. Aber ich habe eben immer wieder von vorne angefangen. Bis heute treibe ich Sport, ich walke, spiele Golf, ich schwimme.

Ich habe sechs Bücher geschrieben, ich gebe Seminare über Krisenbewältigung durch die richtige Motivation. Ich unterstütze das Thema für Organspende durch den „Verein Sportler für Organspende“ www.vso.de und einen Verein zur Unterstützung von Familien mit Organtransplantierten Kindern “Kinderhilfe Organtranspantation“ www.kiohilfe.de.

Denn ich will etwas weitergeben von meiner Geschichte.

Dem unbekannten Spender meines Herzens und seiner Familie, den Ärzten und Pflegekräften, ich bin vielen Menschen zu Dank verpflichtet.
Aber dass es mir so gut geht heute, das habe ich vor allem meiner Frau zu verdanken. Sie bremst mich oder treibt mich an, sie versteht mich und sie war und ist immer ganz nah bei mir.

Wegen ihr kann ich trotz meiner Krankengeschichte schon jetzt ein Fazit ziehen: Ich bin ein Glückspilz!

Cindy Gill leitet das Ronald McDonald Haus Berlin-Wedding. Seit 1998 finden dort jährlich über 500 Familien ein Zuhause auf Zeit, während ihre schwer kranken Kinder im nahe gelegenen Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) oder der Charité Campus Virchow-Klinikum behandelt werden.
Im Ronald McDonald Haus haben die betroffenen Familien Gelegenheit, sich miteinander auszutauschen, sie finden Hilfe, Rat und Beistand. Ganz in der Nähe ihres Kindes können sie den Klinikalltag für ein paar Stunden hinter sich lassen und so die nötige Kraft für die Betreuung der kleinen Patienten schöpfen.

„Durch meine Tätigkeit habe ich schon viele Kinder kennengelernt, die im Deutschen Herzzentrum Berlin auf eine Spende von Herz und/oder Lunge gewartet haben. Und natürlich auch ihre Eltern. Wer einmal die Sorge und das manchmal jahrelange Warten dieser Familien miterlebt hat, wird dem Thema Organspende nicht mehr gleichgültig gegenüberstehen. Ich würde bestimmt nicht sagen, dass jeder einen Spenderausweis tragen muss. Aber für mich persönlich gibt es keinen Zweifel: Ich sage ja!

12. Dezember: Stefan Sichelschmidt und Juliane Behnfeldt

Stefan Sichelschmidt
Juliane Behnfeldt

„Was auch passiert ist: Ich bin immer wieder aufgestanden“ sagt Stefan Sichelschmidt (53) aus Berlin. Und wieder aufstehen musste er in den letzten Jahren oft genug. Herzstillstand, Reanimation, fast acht Jahre lang Leben mit einem Kunstherz. Am 31. Mai 2017 wurde Stefan Sichelschmidt schließlich herztransplantiert. Hier ist seine Geschichte:

„Ich wurde am 08.09.1964 in Königswinter bei Bonn geboren. Mein Vater hat für das Auswärtige Amt gearbeitet, ich bin in verschiedenen Ländern aufgewachsen, was mich geprägt hat. Auch ich habe 1983 beim Auswärtigen Amt angefangen. Und bin sehr viel herumgekommen, habe unter anderem in Österreich, Ungarn, Kanada und Südkorea gelebt.

2007 habe ich geheiratet, meine Frau Iulia hat einen Sohn mit in die Ehe gebracht, kurz darauf wurde unsere Tochter Mascha geboren. Wir waren in Berlin, aber dann stand wieder eine Versetzung an – nach Los Angeles.

Meine Frau war dort gerade auf Wohnungssuche. Ich hatte die Kinder in den Kindergarten und zur Schule gebracht und hatte noch einen Termin beim Hausarzt. Dort bin ich zusammengebrochen. Als meine Frau am Nachmittag wieder in Berlin gelandet ist, hatte ich bereits zwei Herzstillstände hinter mir und wurde gerade im DHZB operiert.

Mir musste ein Kunstherz implantiert werden. Erst nach zwei Monaten bin ich aus dem künstlichen Koma wieder aufgewacht. Ich hatte überlebt. Aber das Leben mit so einem Kunstherz schien mir nicht mehr lebenswert.

Dank meiner Therapeuten, vor allem aber dank meiner Familie habe ich da herausgefunden. „Du bist am Leben, du hast Verantwortung für zwei Kinder, also kneife gefälligst Deine Hinterbacken zusammen und mach' was draus“, habe ich mir gesagt.

Eine große Inspiration für mich waren die Rollstuhlfahrer und Handbiker beim Marathon 2013 in Berlin. Ich war so beeindruckt von diesen Menschen, dass auch ich zeigen wollte, was man als herzkranker Mensch leisten kann.

Ich habe im April 2015 am RBB Lauf als „Walker“ teilgenommen, ich war im Mai beim 60 Kilometer-Fahrradrennen „Velothon“ dabei. Und wollte beim Berlin-Marathon als Inline-Skater mitmachen. Mein Kunstherz hatte inzwischen sechs Jahre gut funktioniert. Doch dann wurde festgestellt, dass eine Art Dichtung des Geräts an meinem Herzen erneuert werden musste. Nach der OP kam es dann leider zu Komplikationen. Ich brauchte ein neues Kunstherz. Und mit dem Marathon war es natürlich nichts.

In ein psychisches Loch gefallen bin ich aber nicht mehr. Zusammen mit den Ärzten habe ich mich da durchgekämpft und wieder angefangen zu arbeiten. Ich hätte als Beamter längst in Frühpension gehen können, aber das wollte ich nicht. Und mein Arbeitgeber hat immer hundertprozentig hinter mir gestanden, wofür ich sehr dankbar bin.

Schließlich musste ich dann doch für eine Herztransplantation gelistet werden. Trotz meiner Einstufung als hochdringlicher Patient wartete ich 9 Monate lang im Paulinenkrankenhaus auf ein passendes Spenderorgan. Am 31. Mai 2017 war es dann soweit.

Doch wieder war der Weg zurück ins Leben nicht einfach. Nach diversen Rückschlägen konnte ich erst Ende September aus dem DHZB in die Reha-Klinik entlassen werden. Und dann nach Hause. Endlich.
„Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben. Der sichere Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen.“ Das hat der Erfinder Thomas Alva Edison einmal gesagt. Und das ist mein Motto geworden.

Wie schon in meiner Zeit als Kunstherzpatient halte ich viele Vorträge und das inzwischen sogar weltweit. Und ich betreue weiterhin auch andere Kunstherz-Patienten und deren Familien.

Was auch passiert ist: Ich bin immer wieder aufgestanden. Dank den Ärzten, Therapeuten und Pflegern am DHZB, dank meinen Freunden, meines Arbeitgebers. Und vor allem dank meiner wunderbaren Frau Ioulia und meiner Kinder Max und Mascha.

Wollt ihr mehr erfahren, dann geht auf meine Webseite und/oder auf Facebook "marathon mit kunstherz" oder gebt einfach auf Google "stefan sichelschmidt" ein. Ihr findet mich!

Unsere Ausweisträgerin des Tages ist Juliane Behnfeldt, Unternehmerin aus Berlin:

"Ich bin Organspender, weil es jeden treffen kann...weil auch geliebte Menschen und Familie betroffen sein können!“

13. Dezember: André Mony und Peter Fissenewert

Nach einer Herzkatheter-Untersuchung liegt André Mony aus Berlin zur Überwachung für eine Nacht im DHZB auf der Transplantationsstation H3. Ausgerechnet hier nahm seine Erkrankung seinen Anfang – während seines Zivildiensts. André Monys Geschichte zeigt, dass nicht jede Transplantation langfristig glückt. Warum es ihm heute dennoch gut geht, das erzählt er uns hier:

„Ich bin im Juli 1973 in Berlin geboren und hier auch aufgewachsen. Als Jugendlicher war ich sehr aktiv, habe Leichtathletik auf Leistungssportniveau gemacht. Bis dann eben im Leben eines Jugendlichen auch andere Dinge wichtig werden als nur das Training. Ich habe dann die Ausbildung zum Maurer gemacht. Im Jahr 1993 war ich damit fertig. Später sollte ich zum „Bund“: Den Grundwehrdienst habe ich noch ableisten müssen. Aber danach ging’s mit Zivildienst weiter. Auf der Station H3 im Deutschen Herzzentrum Berlin.

Ausgerechnet hier fingen die Beschwerden an: Leistungsabfall, Müdigkeit. Als Zivi im DHZB hatte ich es bis zu einer guten Untersuchung ja nicht weit. Die Diagnose war hart: Eine Herzmuskelschwäche, ebenso plötzlich wie rätselhaft. Denn die genaue Ursache kennt bis heute niemand. Meine Herzleistung lag jedenfalls nur noch bei 15 Zuerst hat man das mit Medikamenten in den Griff bekommen. Jahrelang habe ich ganz gut gelebt. Obwohl mit dem Maurerhandwerk natürlich Schluss war und ich berentet werden musste.

Allmählich ging’s aber begab. Um das DHZB habe ich dennoch einen Riesenbogen gemacht: ‚Wenn ich dort hingehe, dann listen die mich für eine Transplantation’, habe ich gedacht. Und davor hatte ich große Angst. Deshalb war ich auch erstmal in einer anderen Klinik, als es richtig schlecht wurde.  Aber letztendlich haben die mich dann ins DHZB überwiesen – zur Transplantation.

Im Sommer 2000 kam ich auf die Hochdringlichkeits-Liste, nach gut einem Jahr wurde ich transplantiert. Danach gab es Abstossungs-Reaktionen, die sich dann aber in den Griff bekommen ließen. Ich arbeite hobbymäßig gerne als DJ, das ging dann auch irgendwann wieder. In einem Club habe ich dann auch meine zukünftige Frau kennengelernt. Wir haben zwei Kinder miteinander bekommen - voller Zuversicht. Doch dann wurde klar, dass mein Spenderherz nicht mehr lange mitmacht. 2007 wurde ich für eine erneute Transplantation gelistet, mit „normaler“ Dringlichkeit. 2011 kam ich dann wieder auf die HU-Liste, also „High Urgency“ – hochdringlich. Für Herz und Niere. Denn auch meine Nieren waren, salopp gesagt, hinüber.

Gut ein halbes Jahr habe ich gewartet. Und währenddessen im Paulinenkrankenhaus geheiratet. Wir wollten das ohnehin längst tun. Aber jetzt ging es auch um die Absicherung meiner Familie.  Dann war es soweit. Ich war froh. Aber ja, ich hatte auch Angst. Ich wusste, eine Re-Transplantation ist schwierig. Und eine Doppel-Transplantation erst recht. Am Ende ist alles gutgegangen. Trotz einiger schwerer Rückschläge, die da noch kamen. Mir geht es gut, ich kann für meine beiden Jungs da sein. Ich arbeite nebenher als Hausmeister in unserem Wohnhaus. Und als DJ lege ich auch noch ab und zu auf. Ich spreche eigentlich nicht gerne über meine Krankheit und meine Transplantation. Aber wenn ich dazu beitragen kann, dass die Leute eine Entscheidung treffen, dann mache ich gerne eine Ausnahme. Denn während meiner Wartezeit habe ich Menschen kennengelernt, die gestorben sind, weil das Organ nicht kam. Und das war bitter.

Prof. Peter Fissenewert, Rechtsanwalt aus Berlin, ist seit 13 Jahren Präsident der „Gesellschaft der Freunde des Deutschen Herzzentrums Berlin e.V.“, kurz und einfach auch: Herzfreunde. Seit fast 30 Jahren unterstützt dieser Verein die Arbeit, Weiterbildung und Forschung der Mediziner am DHZB.  Schon häufig wurden mit Hilfe der Herzfreunde aber auch Kinder aus dem Ausland operiert, in deren Heimatländern ein lebensrettender Eingriff nicht möglich gewesen wäre. 

„Mein Ehrenamt nehme ich mit großer Freunde und ganzem Herzen wahr – und ich bin durchaus auch ein bisschen stolz, für dieses Zentrum einstehen zu dürfen. Und ich sage Ja zur Organspende!“

14. Dezember: Ulrike Saß und Maik Meuser

Ulrike Saß
Maik Meuser

Angesichts des Mangels an Organspenden und entsprechend immer längeren Wartezeiten ist die Geschichte von Ulrike Saß aus Cottbus eine kleine Sensation: Die 62jährige hat etwa 12 Stunden auf Ihr Spenderherz gewartet. Das war vor nicht mal drei Wochen. Heute wird Ulrike Saß aus dem DHZB entlassen.

Ich bin 1955 in Bautzen geboren, aber in Cottbus aufgewachsen.
Von 1972 bis 1974 habe ich die Ausbildung zur Textillaborantin gemacht und dann im Textilkombinat in Cottbus gearbeitet. Mein Traum war eigentlich immer, Lehrerin zu werden, aber das ging damals nicht, wegen Knoten auf den Stimmbändern und entsprechend häufiger Heiserkeit. Da war man damals streng. In die Pädagogik habe ich es aber dennoch geschafft, ich wurde Hort-Erzieherin an einer Sonderschule für Lernbehinderte.

1978 habe ich geheiratet, zwei Jahre später kam unsere Tochter Grit zur Welt.

Nach meiner Elternzeit habe ich bis kurz nach der Wende am Hort der Sonderschule weitergemacht, dann fiel meine Stelle leider Einsparungsmaßnahmen zum Opfer. Ich wechselte zur Stadt Cottbus als Sozialarbeiterin. Zuerst in der Jungendrechtshilfe, wo man sich um jugendliche Straftäter kümmert, danach betreute ich die Eingliederung und das Leben von Kindern bei Pflegeeltern.

Mein beruflicher Werdegang wurde aber leider mehrfach durch Krankheit unterbrochen.
Im August 2003 fing alles an: Mit einem Knoten in meiner Brust. Die schlimmste Befürchtung wurde leider wahr, ich hatte Krebs und musste operiert, bestrahlt und Chemo-therapiert werden. Die Behandlung war erfolgreich. Die Krankheit kam nicht zurück und ich galt als geheilt.

Erst 2008 wurde festgestellt, dass wohl die Chemotherapie mein Herz sehr schwer geschädigt hatte – als ich wegen starker Ermüdung und Atemnot zum Arzt gehen musste. In den folgenden Jahren konnte die Herzmuskelschwäche noch mit Medikamenten behandelt werden.

Ausgerechnet auf dem Heimweg von der Silvesterfeier zu Beginn dieses Jahres bin ich dann aber zusammengebrochen. Und Sie können mir glauben: Es lag nicht an zu viel Alkohol. Ich wurde sofort ins Herzzentrum Cottbus gebracht und konnte auch wieder entlassen werden.

Ich mache es kurz: nach mehreren Klinikaufenthalten in Cottbus, dem DHZB und im Paulinenkrankenhaus wurde ich am 17. November wieder im DHZB aufgenommen und am 22.11. bei Eurotransplant in als hochdringlich auf die Warteliste gesetzt. „Hochdringlich“ – das kann ja heutzutage dennoch viele Monate Wartezeit bedeuten. Und darauf war ich eingestellt.

Um drei Uhr nachts kam die Schwester ins Zimmer. Es sei soweit.
‚Da müssen Sie sich im Zimmer irren, ich bin erst seit gestern auf der Liste’ habe ich noch geantwortet. Dann haben sie mich vorbereitet für die OP.  Meine nächste Erinnerung ist das köstliche kühle Eis auf der Intensivstation.

Gesundheitlich ging es schnell wieder aufwärts. Seelisch allerdings hat es mir sehr hart zugesetzt, dass ein Mensch sterben musste, damit ich weiterlebe. Ich weiß schon, dieser Mensch wäre ohnehin gestorben. Aber ist dieser Gedanke sehr traurig. Ich lerne aber immer besser damit umzugehen.

Wenn dieser Text erscheint, werde ich aus dem Deutschen Herzzentrum Berlin entlassen und gehe in die Reha-Klinik.

Ich würde gerne besser ausdrücken können, wie geborgen und gut behandelt ich mich im Paulinenkrankenhaus und im Deutschen Herzzentrum Berlin gefühlt habe, ausnahmslos immer und menschlich wie fachlich; welchen Respekt ich vor der Arbeit aller Menschen habe, die den Weg zurück ins Leben für mich möglich gemacht haben, ob Ärzte, Pflegekräfte oder Physiotherapeuten.

Aber dafür fehlen mir die Worte. Und ich beschränke mich deshalb auf ein einziges:

Danke.

Unser Ausweisträger des Tages ist Maik Meuser, Journalist und TV-Moderator. Nach vielen Jahren als Autor, Reporter und Redakteur bei ARTE und der Deutschen Welle moderiert Meuser heute das RTL Nachtjournal und die Hauptnachrichtensendung RTL aktuell:

"Es gibt viele Dinge, über die möchte man nicht nachdenken. Der eigene Tod gehört dazu. Das kann ich verstehen. Ist auch nicht mein Lieblingsthema. Aber wenn man einen Schritt zurück macht und weiß, dass man Leben retten kann, oder zumindest Leben immens erleichtern kann, nur indem man diesen kleinen Ausweis bei sich trägt – dann bleibt die Erkenntnis: Hey, jeder kann aus sich selbst am Ende noch einen Superhelden machen. Mehr geht nicht! Also: Machen Sie mit!"