
Hybridtherapie zur optimierten Behandlung angeborener Herzfehler
Durch den kooperativen Einsatz chirurgischer und katheterinterventioneller Techniken in einer Prozedur können Eingriffe am Herzen in Zahl, Dauer und Komplexität verringert werden.
Einleitung
Die drei wichtigsten Säulen in der Therapie angeborener Herzfehler bestehen aus konservativer, meist medikamentöser Behandlung, Herzkatheterintervention und Operation. Bei vielen einfachen angeborenen Herzfehlern kann heutzutage auf eine Operation verzichtet und mittels Katheterintervention ein gleichwertiges oder zum Teil besseres Ergebnis erzielt werden. Dazu werden Katheter unter Röntgendurchleuchtung meist über die Leiste durch die Gefäße zum Herzen vorgeschoben und dort z. B. Engen mit Ballonkathetern und Stents erweitert oder Septumdefekte mittels Occludern verschlossen. Die Patienten können in der Regel am nächsten oder übernächsten Tag entlassen werden. Bei komplexeren Herzfehlern ist die Operation nach wie vor unverzichtbar. In schweren Fällen sind mehrere operative oder interventionelle Eingriffe erforderlich, um ein stabiles Ergebnis im Laufe des Lebens zu erhalten.
Methode
Um die therapeutischen Eingriffe für den Patienten so effektiv wie möglich und nur so invasiv wie nötig zu gestalten, wird in besonderen Fällen die Hybridtherapie als Kombination von Katheterintervention und Operation in einem Eingriff durchgeführt. Dies geschieht entweder in Zusammenarbeit mit einem Operationsteam im Herzkatheterlabor oder mit einem Herzkatheterinterventionsteam im Operationssaal.
Im DHZB wird diese Art der Eingriffe seit März 2008 in einem speziellen Hybrid-Operationssaal durchgeführt. Hier steht die vollständige Ausstattung für die Durchführung komplexer herzchirurgischer Eingriffe an der Herz-Lungen-Maschine und zusätzlich eines modernen Herzkatheterlabors zur Durchführung komplexer interventioneller Eingriffe zur Verfügung.

Abb. 1 Blutfluß (Farbwolke) über einem großen Ventrikelseptumdefekt

Abb.2 Eine Einführschleuse (Doppelkontur) ist durch die freie Ventrikelwand über den Defekt eingeführt

Abb. 3 Endergebnis mit komplett implantiertem Occluder

Abb. 4 Der linksventrikuläre Schirmanteil ist entfaltet
Derzeitige Einsatzgebiete
Operativer Pulmonalklappenwechsel und interventionelle Behandlung von Pulmonalarterienstenosen. Der operative Klappenersatz wird mit Stentimplantationen unter direkter Sicht kombiniert. Der Vorteil besteht in einer Verkürzung der Operationsdauer, da die Stenosen interventionell angegangen werden; gleichzeitig wird die Intervention durch den direkten Zugang durch das operativ freigelegte Gefäß ebenfalls sehr erleichtert. Der Patient muß sich nur einem Eingriff unterziehen.
Palliation beim Hypoplastischem Linksherz
Bei diesem schweren Herzfehler sind in den ersten Lebensjahren drei Operationen erforderlich, von denen die erste und komplizierteste in den ersten Lebenstagen durchgeführt werden muß.
Ein alternativer Ansatz besteht aus einer Hybridtherapie, die die erste Operation wesentlich erleichtert. Es ist keine Herz-Lungen-Maschine erforderlich, die Pulmonalarterien werden gebändelt und der Ductus arteriosus wird interventionell gestentet. Dabei kommt dem Interventionisten der direkte Zugangsweg über die freigelegte Pulmonalarterie entgegen.
Verschluß von großen muskulären Ventrikelseptumdefekten bei Säuglingen
Dieser Eingriff ist rein chirurgisch oft schwierig, da die Defekte tief in der Herzkammer liegen und schwer zugänglich sind. Eine reine Katheterintervention ist risikoreich, da die Einführkatheter nicht beliebig miniaturisierbar und daher relativ grob ausgelegt sind.
Der Hybrideingriff sieht die chirurgische Eröffnung des Brustkorbs vor. Dann wird unter Ultraschallkontrolle (Abb. 1) der Katheter durch einen winzigen Stichkanal direkt durch die Herzwand ins Herz gebracht (Abb. 2) und zum Septumdefekt vorgeschoben.
Hier kann nun über den Katheter ein Occluder am schlagenden Herzen eingesetzt werden um den Defekt zu verschließen (Abb. 3 u. 4). Der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist nicht erforderlich. Nach Entfernen der Katheter übernäht der Chirurg den Stichkanal und verschließt den Brustkorb.
Fazit
Durch den kooperativen Einsatz chirurgischer und katheterinterventioneller Techniken in einer Prozedur können Eingriffe am Herzen in Zahl, Dauer und Komplexität verringert werden.
Korrespondenzadresse
Dr. med. Peter Ewert
Klinik für Angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie
Deutsches Herzzentrum Berlin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Email : ewert@dhzb.de
Tel. : +49 30 4593 2800
Fax : +49 30 4593 1003

