Auszug aus der Jubiläumsbroschüre
Herzoperationen in West-Berlin und nach der Wende
Dass die Kapazität des Herzzentrums dann doch rasch und vollständig genutzt wurde, war Verdienst der ständig ermunternden Unterstützung durch die West-Berliner, die Behörden und die Krankenkassen und des enormen Engagements der Mitarbeiter der ersten Stunde. Von diesen sind immer noch einige am Herzzentrum, ihnen gilt mein besonderer Dank. Immerhin konnten bis Ende des ersten Jahres schon nahezu 800 Herzoperationen durchgeführt werden, 1987 waren es schon über 1.700 und 1988 2.400. Viele der Patienten kamen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, wo lange Wartezeiten für Herzoperationen galten.
Im April 1986 folgte dann auch die erste Herztransplantation, bis Ende des Jahres waren es schon 43, und dies wurde rasch das größte Programm dieser Art auf dem Kontinent, obwohl 90 % dieser Patienten aus dem "Westen" nach Berlin kamen.
Gerade die spektakulären Herztransplantationen übten dann auch einen Effekt aus, an den zunächst keiner von uns dachte, waren unsere Orientierungsmaßstäbe doch vor allem auf die USA, jedenfalls auf den Westen gerichtet. Im Ostteil der Stadt, wo man sich im "eigentlichen" Berlin empfand und stolz auf den vermeintlich überragenden Medizinstandard war, wurde das Herzzentrum genau beobachtet. Dass diese Herztransplantationen zuerst und dann mit so offensichtlicher Routine in West-Berlin erfolgten, war dort im Osten ernüchternd und auch beunruhigend aufgenommen worden, und wie es später Stasiakten zeigten, Ursache hektischer Aktivitäten, unter anderem wurde ein ähnliches Herzzentrum in der "Hauptstadt der DDR" geplant, kam aber nicht mehr zur Ausführung.
Seine eigentliche Bedeutung erlangte das Herzzentrum dann auch nach der Wende mit der Eröffnung der Grenzen zur DDR. Im Jahre 1989 war in der DDR in fünf herzchirurgischen Kliniken annähernd die gleiche Anzahl an Herzoperationen vorgenommen worden, wie am Herzzentrum allein. Dementsprechend kam es dann zu einem Ansturm von vielen DDR-Patienten, zum Teil mit sehr fortgeschrittenen Erkrankungsstadien. In der Folgezeit wurde dies verstärkt durch die rasch in den neuen Bundesländern eingerichteten Herzkatheterlabors, die zwar viele Erkrankungen aufdeckten, zu deren Versorgung die nötigen herzchirurgischen Kliniken aber noch auf sich warten ließen.
Das Herzzentrum war dann auch die einzige Klinik im Osten Deutschland, die rasch einspringen konnte, was dann auch auf Wunsch der Gesundheitsverwaltungen und der Krankenkassen Berlins und Brandenburgs mit der Ausweitung der Kapazität am Herzzentrum von 2.500 auf 3.500 Operationen am offenen Herzen ab 1996 beantwortet wurde. Mittlerweile wurden 54.000 solcher Eingriffe hier durchgeführt.
Auszug aus der Jubiläumsbroschüre 20 Jahre Deutsches Herzzentrum Berlin
Mit freundlicher Genehmigung der FR&P Werbeagentur



