November 2009

Pro und Contra Widerspruchslösung

Kongress zum Europäischen und Welttag der Organspende in Berlin

 
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In Europa herrscht ein eklatanter Spenderorganmangel.
Derzeit warten rd. 63.000 Menschen auf ein Organ, davon in Deutschland ca. 12.000. Pro Tag ist mit etwa 12 Todesfällen von Patienten auf der Warteliste zu rechnen. Auf dem 5. Welttag und 11. Europäischen Tag der Organspende, auf den der 10. und erstmals in Deutschland stattfindende internationale Organspendekongress der International Society for Organ Donation and Procurement (ISODP) folgte, trafen sich in Berlin Teilnehmer aus über 60 Staaten. Zentrales Thema war der Organmangel und seine Auswirkungen. Diskutiert wurden neben Fragen der Transplantationsmedizin auch juristische, ethische, religiöse und krankenhauslogistische Fragen (Spender-Management) sowie Probleme rund um die Organspende.
Dr. Axel Rahmel von der Stiftung Eurotransplant/ Leiden, die die Organzuteilung von/an sieben angeschlossene Staaten koordiniert, gab eine Analyse der Transplantationsergebnisse des Jahres 2008. Auf derWarteliste standen 11.000 Patienten für die Niere, 2442 Leber, 361 Pankreas, 1007 Herz, 859 Lunge. Es sei für 2009 eine zwei- bis dreiprozentige Steigerung (für die Leber sogar achtprozentige) an Spenderorganen gegenüber dem Jahr 2008 zu erwarten. Deutschland sei nach wie vor ein „Importland“ (100 Organe aus dem Ausland). Man bewege sich mit 14,6 Spendern pro 1 Mio. Einwohner unterhalb des europäischen Durchschnitts von 16,1 Spendern (zum Vergleich Spanien 34,2; Portugal 26,7 und USA 26,3 Prozent). Um dem Organmangel Einhalt zu gebieten, sei laut Prof.Dr. Axel Kirste (Vorsitzender der Deutschen Stiftung Organtransplantation, DSO) keine Änderung der erweiterten Zustimmungslösung hin zur Widersprungslösung imTransplantationsgesetz nötig, sondern man erhoffe sich eine Kompetenzerweiterung der DSO. Sie wolle in geeigneten Krankenhäusern eigene, gut geschulte Transplantationskoordinatoren per Vertrag beschäftigen.Diese könnten das in der Klinik häufig überlastete Personal der Intensivstationen logistisch unterstützen oder z. B. in Todesfallkonferenzen mehr für Fragen der Organspende sensibilisieren. Auch Aufklärung von Ärzten über die Eignung Hochbetagter zur Lebendspende seien dringend nötig. Er sehe aber erhebliche Probleme in der Umsetzung dieser Wünsche, da zwar das Transplantationsgesetz ein Bundesgesetz sei, aber letztlich die Organspende in Krankenhäusern stattfinde, die der Aufsicht der jeweiligen Landesbehörden unterstellt seien. Aus Sicht der transplantierenden Kliniken erklärte der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin Prof. Dr. Roland Hetzer, er habe in den 90iger Jahren und vor Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes mehr als doppelt so viele Herzen und Lungen als Spenderorgane zur Verfügung gehabt. Um seine schwerkranken Patienten während der vielfach ein Jahr und mehr dauernden Wartezeit am Leben erhalten zu können, setze er vermehrt sogenannte Kunstherzen und Totale Künstliche Herzen ein. Der Trend gehe mittlerweile sogar zu Kunstherzen auf Dauer.
Sie stellen den einzigen Ausweg aus dem eklatantenMissverhältnis zwischen Organbedarf und Organangebot dar. Die neuen, sehr effektiven Assist- Systeme bieten ähnlich der Dialyse bei Nierenpatienten eine durchaus erträgliche Lebensperspektive. Er plädiere anders als Prof. Kirste für die Änderung des Transplantationsgesetzes in Deutschland hin zur Widerspruchslösung entsprechend den Maßgaben der leider verworfenen Empfehlungen des Deutschen Ethikrates. Gleichzeitig berichtete er über das dem Organmangel geschuldete Problem, durch dass man heute gewisse Kompromisse in Bezug auf die Qualität akzeptierter Organspenden machen müsse, umPatienten überhaupt versorgen zu können. Er wies auch auf ein neuartiges System (Organ Care System, Transmedics) zur kontinuierlichen Organperfusion während des Organtransports hin, das eine hervorragende Gewebequalität des Spenderorgans und eineVerdopplung derTransportzeit (7 bis 9 Stunden) möglich mache. PD Dr. Lothar Färber, Novartis Pharma GmbH, wies auf die globale Novartis-Initiative „Transplantation Tree of Life Academy“ hin. Die neue Akademie fördert wissenschaftliche Projekte rund um die Transplantation, Ärztefortbildung und das bessere Management von Organspenden. Sinnbildlich pflanzteman auf demCampusMitte der Charité in Berlin den ersten Tree of Life zur Ehre derjenigen, die durch ihre Organspende schwerkranken Menschen eine zweite Lebenschance gaben.verringert.

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