Juni 2010

Gewebebank - mehr als ein Ersatzteillager für Kranke

Gewebebank Berlin-Brandenburg - Kooperation von Charité und DHZB

 
01
v.l.n.r.: PD Pruß, Dr.Wesslau, Prof. Meyer, Patient Jürgen R., Dr. Schroeter

„Organe retten Leben, Gewebemachen das Leben wieder lebenswert“, dies ist stark vereinfacht die Erklärung, warum jährlich rund 4500 Organe, aber Zehntausende von Gewebespenden für kranke oder verletzte Menschen benötigt werden.
Auf dem Sektor der Gewebespende gibt es nunmehr eine Kooperation von Charité und DHZB unter dem Namen „Gewebebank Berlin-Brandenburg“.
Die Vereinbarung wurde bereits im August 2009 von den Ärztlichen Direktoren der Charité Prof. Dr. Ulrich Frei und des DHZB Prof. Dr. Dr. h. c. Roland Hetzer unterzeichnet und eine Geschäftsordnung erarbeitet.
Ebenfalls wurde eine Kooperationsvereinbarung mit der Stiftung Europäische Gewebebanken geschlossen. Nunmehr hat sich der in der Geschäftsordnung vorgesehene ehrenamtliche Beirat der Gewebebank BB konstituiert, dem Vertreter der Charité, des DHZB, der kooperierenden Krankenhäuser (z. Zt. Vivantes Friedrichshain und Neukölln, Unfallkrankenhaus Berlin, Sana Klinik Sommerfeld, Ernst von Bergmann-Klinikum Potsdam,Helios-Klinikum Bad Saarow, Krankenhaus Senftenberg, Helios-Klinikum Berlin-Buch,DIZG Berlin, DSO Nord-Ost) sowie der Landesregierungen Berlin und Brandenburg angehören. Unter Wahrung der vollständigen Selbständigkeit der Gewebebanken von Charité und DHZB treten die beiden Institutionen nach außen gemeinsam unter dem Namen „Gewebebank Berlin-Brandenburg, Arbeitsgemeinschaft der selbständigen Gewebebanken der Charité-Universitätsmedizin Berlin und des DHZB, Stiftung Bürgerlichen Rechts“ auf.
Eines der Ziele der Gewebebank BB ist dieTransparenz und Verbesserung der Spendergewinnung. Zu den Geweben zählen laut Gewebegesetz (Gesetz über Qualität und Sicherheit menschlicher Gewebe und Zellen, August 2007) kardiovaskuläre Gewebe wie menschliche Herzklappen (Homografts), Herzbeutel, Blutgefäße, ferner Haut, Hornhaut, muskuloskelettales Gewebe. Die Gewebeentnahme und –übertragung steht genauso wie die Organtransplantation unter dem Vorbehalt der Erlaubnis. Hierbei hat die Organtransplantation absoluten Vorrang. Gewebebanken haben die Aufgabe, unter hochkomplexen gesetzlichen Vorschriften für die Spende-Koordination, Entnahme und Weiterverarbeitung von Geweben, Qualitätssicherung, Prozessierung und bedarfsgerechte Bereitstellung und Lagerung von Geweben und Zellen zu sorgen.
Die Gewebebank BB unter Leitung von PD Dr. Axel Pruß umfasst vonseiten der Charité die Arbeitsbereiche Bank für muskuloskelettales Gewebe, Hornhautbank, Amnionbank und vonseiten des DHZB die Herzklappen- und Gefäßbank unter Leitung von Prof. Dr. Rudolf Meyer. PD Dr. Axel Pruß betonte auf einer Pressekonferenz, die Gewebebank BB stelle den Bedarf an Geweben für beide Bundesländer nach Möglichkeit zur Verfügung.
Der Beiratsvorsitzende Dr. Claus Wesslau erklärte, es sei Aufgabe des Beirats, dieTransparenz der Vergabepraxis von Geweben für die Öffentlichkeit jederzeit herzustellen. Prof. Dr. Rudolf Meyer, DHZB-Homograftbank, der größten Deutschlands, stellte einen steigenden Bedarf an kardiovaskulären Geweben, insbesondere Herzklappen fest. Etwa 100 Aortenklappen und 400 Pulmonalklappen werden jährlich benötigt.
Die Klappen stammen von den entnommenen Herzen bei transplantierten Patienten (Lebenden) oder sind postmortale Spenden (von Toten). Ralf B. (49), ein Geschäftsmann aus Berlin, erzählte, wie ihmeine Aortenklappe aus der DHZB Homograftbank das Leben, das am seidenen Faden hing, gerettet habe und ihn wieder voll leistungsfähig machte. Jürgen R. (69) sah dieWelt nur noch wie verschleiert.
Erst eine Hornhautübertragung in der Charité rettete sein Augenlicht und auch seine Lesefähigkeit konnte erhalten werden. Dr. Jan Schroeter, Leiter der Charité Hornhautbank erklärte, rund 4500 Hornhautspenden werden deutschlandweit pro Jahr in der Technik der perforierenden Keratoplastik oder als lamelläre (scheibchenförmige) Keratoplastik transplantiert, aber rund 2000 Patienten würden zurzeit noch auf eine Spende warten. Ebenfalls hoch ist die Zahl von Patienten, die beim Ersatz derHüftendoprothese oder bei Wirbelsäulen- und Gelenkdefekten spongiöses Gewebe bzw. Knochenteile, Sehnen oder Bänder benötigen. Ohne sie wäre eine Beweglichkeit kaum wiederherzustellen. Hier bedarf es wenigstens 1500 Transplantationen jährlich erklärte Dr. Pruß.

nach obenzurück


Suchen:

Schriftgröße wählen:

Sprache wählen: