Juni 2010:
„Abwarten – Durchhalten – Es wird schon“
Tag der Organspende im DHZB

Es ist schon eine Krux mit der Organspende. Fast alle, sprich 80 Prozent der Bevölkerung, bejahen eine Organspende, aber nur 14 bis 17 Prozent der Menschen tragen einen Spenderausweis bei sich.
Zählt man alle ausgegebenen Spenderausweise zusammen, so müsste jeder Mensch laut Statistik schon 19,2 Ausweise besitzen. Trotzdem funktioniert die Organspende noch immer nicht. Fragt man Angehörige eines potentiellen Spenders, ob sie einer Organspende zustimmen würden, so kommt es zu einer Ablehnungsquote von 50 Prozent.
Auf einer Pressekonferenz des DHZB zum Tag der Organspende (5. Juni) erklärte Oberarzt PD Dr. Christoph Knosalla, die Patienten, die eine Organspende erhalten, leiden unter einer schweren Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) und unterliegen der Gefährdung eines alsbaldigenHerzversagens. Sie sind bei Eurotransplant als sogenannte „high urgent“-Patienten gelistet.
Zurzeit warten in Deutschland rund 900 schwerkranke Menschen auf ein Spenderherz. Rund ein Drittel von ihnen wird die Wartezeit nicht überleben, sofern sie nicht mit einem Kunstherz (Kreislaufunterstützungssystem) versorgt werden. Kunstherzen haben im Gegensatz zur Vergangenheit aufgrund der dramatisch zurück gehenden

Spendenbereitschaft in der Bevölkerung eine immer höhere Bedeutung für die um eine Überlebenschance ringenden Patienten gewonnen.
Am DHZB, das das größte Kunstherzprogramm der Welt hat, werden mittlerweile jährlich rund 160 Kunstherzen implantiert, aber bestenfalls 40 Herzen transplantiert. Dennoch bleibt festzustellen, dass die Transplantation eindeutig die dauerhaft beste medizinische Option für die betroffenen Patienten ist. Am DHZB gibt es eine Vielzahl von Transplantierten, die bei guter Lebensqualität mehr als 20 und bereits 25 Jahre mit ihrem zweiten Herzen erreicht haben. Dr. ClausWesslau von der Deutschen Stiftung Organspende DSO ergänzte diese Angaben bezogen auf alle Organe.
So warten 8000 Menschen auf eine neue Niere, 2100 auf eine Leber, 600 auf eine Lunge. Die Region Nord-Ost der DSO, zu der Berlin gehört, sei noch gleichsam „gut“ dran, denn hier gäbe es 20 Organspenden pro eine Million Einwohner, in den anderen Regionen sähe es mit nur 15 Spenden pro eineMillion Einwohner sehr viel schlechter aus. In Spanien dagegen zähle man

34 Spenden auf eine Million Einwohner. Auch die neue EU-Richtlinie zu „Qualitätsund Sicherheitsstandards von Organen“ wurde diskutiert. Sie soll helfen, die Standards der einzelnen EU-Länder anzugleichen und die Aufgabe derTransplantationsbeauftragten zu stärken. Die Richtlinie hat das Ziel, zu einer erhöhten Verbesserung der Spendensituation beizutragen.Wesslau sprach von der zentralen Veranstaltung der DSO in Hannover zum Tag der Organspende und von dem Appell des Bundesgesundheitsministers Dr. Philipp Rösler, der den Wunsch an die Bevölkerung richtete, einen Organspendeausweis stets bei sich zu tragen.
Oberarzt Dr. Reinhard Pregla, der für die DHZB-Kampagne Proorganspende zuständig ist, berichtete, die Kampagne sei dank der hochkarätigen Förderer und Sponsoren wie Axel Springer Verlag, Wall AG, Telekom, Bundesbahn usw. außerordentlich erfolgreich. Die Kampagne, die derzeit mit Riesenposter namhafter Schauspieler und Sportler wie Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und anderen wirbt, hätte eine hohe bundesweite Durchschlagskraft.
Zwei Millionen Spenderausweise wurden in den letzten Monaten vertrieben. Die Mediennachfrage zur Organspende sei erheblich. Man habe zunehmend auch in der Social Community Rückhalt über Facebook, Twitter etc. erhalten. Als Betroffene, die vor 17 Jahren transplantiert wurde,sprach Ute Oppe, Leiterin der Interessengemeinschaft Organtransplantierter Patienten IOP, es sei sehr wichtig, den transplantierten Patienten, aber gerade auch den sogenannten „Wartepatienten“ immer wieder zur Seite zu stehen und ihnen seelischen Rückhalt zu geben. Dies erfolge über regelmäßige Treffen im DHZB und Paulinenkrankenhaus, aber auch während der Reha in Teltow. Dies bestätigten die transplantierten Patienten René B. (38) und Heiko K. (41), für die die IOP sehr hilfreich war und ist. Sie hielten sich an Ute Oppers Wahlspruch: „Abwarten – Durchhalten – Es wird schon.“ Die 14jährige Fidan erzählte, sie trüge seit wenigen Wochen das Herz eines 16jährigen Mädchens. Seit ihrer Transplantation hätten heute alle Familienmitglieder einen Spenderausweis und sprechen andere Menschen auf die Organspende an.
