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Auszug aus der Jubiläumsbroschüre
 

Entscheidungen und Investitionen für die Zukunft

Von Thomas Michael Höhn, Verwaltungsdirektor

Seit Beginn der 80er Jahre war erkennbar, dass sich auf dem Gebiet der Operationen am offenen Herzen kapazitive Engpässe abzeichnen. Im Auftrag der Gesundheitsministerkonferenz hatte sich u. a. der Ausschuss für Krankenhauswesen der Arbeitsgemeinschaft der leitenden Medizinalbeamten 1983 sehr ausführlich mit der Bedarfs- und Planungssituation aus der Sicht der einzelnen Bundesländer befasst. Unter Einbeziehung von internationalen Vergleichen wurde danach die Untergrenze des für die Zukunft zugrunde zu legenden Bedarfs mit 400 Operationen pro 1 Million Einwohner, das waren etwa 24.000 Operationen jährlich für die damalige gesamte BRD, als realistische Größenordnung eingeschätzt.

Die Ermittlungen der – nach Abschluss damals bereits laufender und geplanter Neubau- und Erweiterungsmaßnahmen – zur Verfügung stehenden Kapazitäten in allen Bundesländern ergaben, dass 1986 insgesamt 20.100 und 1988 rund 23.000 Operationen erfolgen konnten. Hierbei wurde berücksichtigt, dass in einem neuen Herzzentrum in Berlin ab 1986 (Anlaufjahr) 800 Operationen und 1988 bereits 2.000 Operationen durchgeführt werden. Bereits zuvor, Ende 1982, kamen in Berlin nationale und internationale Fachexperten zur Diskussion und Ermittlung geeigneter Standorte zusammen. Berlin bot sich als überregionales Zentrum zur Versorgung herzkranker Patienten an.

Seit der Bedarfserkennung Anfang 1982 wurde bis Anfang 1983 ein Bedarfsprogramm in der Qualität einer Bauplanungsunterlage erstellt. Hierzu wurden in- und ausländische Fachleute mit in die Erarbeitung einbezogen.

Der Berliner Senat beschloss am 29. März 1983, auf dem Gelände des Rudolf-Virchow-Krankenhauses ein Herzzentrum mit einem hohen Leistungsniveau und internationaler Attraktivität zu errichten und übertrug dementsprechend die Bauherrschaft an das Rudolf-Virchow-Krankenhaus. Im Interesse eines Baubeginns noch im Jahre 1983 sowie der Sicherstellung der vom Bund angebotenen Mitfinanzierung aus der Schwerpunktförderung nach § 23 Abs. 2 KHG wurde vom Senat ein besonderes Planungsverfahren durchgeführt.

Innerhalb eines halben Jahres wurde die Bauplanungsunterlage aufgestellt und planungsbegleitend geprüft. Sie wurde mit 84 Mio. DM festgestellt. In diesem Sinne stimmte auch der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses am 28. Mai 1983 dem besonderen Planungsverfahren für diese Maßnahme zu.

Danach war es vorrangig erforderlich, durch Verhandlungen mit den Krankenkassenverbänden in Berlin die Deckung der Betriebskosten des Herzzentrums prospektiv sicherzustellen. In einer am 25. Juli 1983 vom Land Berlin und den Vertretern aller Krankenkassenverbände in Berlin unterzeichneten Vereinbarung erklärten die Krankenkassenverbände ihre Bereitschaft, kostendeckende Entgelte, bestehend aus einer so genannten Fallkostenpauschale und gegebenenfalls einem allgemeinen Pflegesatz nach den §§ 5 und 3 der Bundespflegesatzverordnung für die stationären Leistungen in dem Herzzentrum, zu vereinbaren. In einer Protokollnotiz zu dieser Vereinbarung wurde Übereinstimmung dahingehend erzielt, dass bei den zu führenden Einigungsverhandlungen über die Höhe der Benutzerkosten die Entgelte für entsprechende in Betrieb befindliche Einrichtungen zum Vergleich herangezogen werden. Entstehende Mindereinnahmen durch Unterbelegung sollten – wie in anderen Fällen auch – nicht zu Lasten der Kostenträger gehen. Die Spitzenverbände der Träger der gesetzlichen Krankenversicherung auf Bundesebene hatten ihren Mitgliedskrankenkassen und ihren Unternehmen empfohlen, das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) nach seiner Fertigstellung im Rahmen ihrer Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen.

Der Grundstein für diese der überregionalen Krankenversorgung auf dem Gebiet der Herzchirurgie dienenden Einrichtung wurde am 22. Dezember 1983 in einem Teilbereich des Hauptgebäudes des damaligen Rudolf-Virchow-Krankenhauses gelegt.

Historischer Zustand bis zum 2. Weltkrieg

Historischer Zustand bis zum 2. Weltkrieg

Das ehemalige Städtische Rudolf-Virchow-Krankenhaus wurde im Jahr 1906 nach Plänen von Rudolf Virchow und dem Stadtbaurat Ludwig Hoffmann im Stadtteil Wedding als Krankenstadt im Pavillonstil errichtet. Es war das größte und modernste Krankenhaus des Kaiserreiches. Im Hauptgebäude, das dem Augustenburger Platz zugewandt ist, befanden sich, um einen Ehrenhof (heute Brunnenhof) gruppiert, die Ärzte- und Schwesternwohnungen und die Geburtshilflich- Gynäkologische Abteilung. Weitere Abteilungen beherbergten die Pavillons rechts und links der Mittelallee, deren Bäume 1906 aus dem Tiergarten, wo sie der Anlage der Siegesallee weichen mussten, in den Wedding umgepflanzt wurden.

Nach den schweren Zerstörungen des 2. Weltkrieges konnte die Gesamtanlage in ihrer ursprünglichen Form nicht wiederhergestellt werden. Das ebenfalls in Teilen zerstörte Haupthaus wurde zum Gegenstand der Baumaßnahme "Deutsches Herzzentrum Berlin", nach den Plänen der Münchner Architekten von Werz, Ottow, Bachmann und Marx. Dieses Vorhaben wurde zügig vorangebracht und nach zwei Jahren, Ende 1985, fertig gestellt.

Zustand vor der Sanierung Ende der 70er Jahre

Zustand vor der Sanierung Ende der 70er Jahre

Von der Hoffmann’schen Architektur blieb insbesondere das künstlerisch gestaltete Treppenhaus erhalten, das sich jedem Besucher beim Betreten des DHZB prachtvoll präsentiert. Hier finden regelmäßig wechselnde Kunstausstellungen statt. Den Architekten und Fachplanern gelang es, bei der Rekonstruktion moderne Klinikstrukturen mit dem historischen Altbau harmonisch zu verbinden und damit die Basis für die Arbeit eines Hochleistungs-Klinikbetriebes zu schaffen.

Ein weiterer "Grundstein" für die erfolgreiche Arbeit des DHZB war der Beschluss des Senats von Berlin am 26. Juni 1984, dieser Einrichtung die Rechtsform einer Stiftung des bürgerlichen Rechts zu geben. Der damalige Gesundheitssenator Ulf Fink führte dazu in der konstituierenden Sitzung des Stiftungsrates am 4. März 1985 aus: "Das DHZB soll aus eigener Kraft seine Aufgaben erfüllen und die gewählte Rechtsform eine äußerst flexible Betriebsführung, losgelöst von den Bindungen der öffentlichen Verwaltung, gewährleisten."

Zustand nach der Sanierung Ende der 90er Jahre

Zustand nach der Sanierung Ende der 90er Jahre

Nach der Betriebsaufnahme des DHZB im April 1986 begann eine von den Planern so nicht erwartete stürmische Leistungsentwicklung in qualitativer und quantitativer Hinsicht. Sehr rasch musste die geplante 2. Ausstattungsstufe realisiert werden, um alle Kapazitäten der Betten- und Funktionsbereiche vorzeitig verfügbar zu machen. Von Anbeginn wurde auch in den Einsatz von innovativen, IT-gestützten medizinischen Dokumentationsverfahren und -systemen investiert, deren Weiterentwicklung dann im Laufe der Jahre primär durch Drittmittel der Industrie ermöglicht werden konnte.

Weitere ergänzende Investitionen wie z. B. für die Einrichtung einer Transplantationsstation mit zwölf speziellen Raumeinheiten oder für ein zweites Herzkatheterlabor folgten bereits in den ersten Jahren nach der Betriebsaufnahme der Klinik.

Durch die schrittweise Erschließung weiterer Teile des Hauptgebäudes konnte die Klinik sowohl unmittelbar am Standort expandieren als auch in diesem Zuge ihre Strukturen optimieren.

Im Jahr 1993 wurde eine kinderkardiologische Station im Süd- und Ostflügel mit 20 Betten eröffnet und damit die Voraussetzungen für die weitere Entwicklung des Schwerpunktes Angeborene Herzfehler/Kinderkardiologie geschaffen. Seit diesem Zeitpunkt verfügt das DHZB über insgesamt 162 Betten in seinem Haupthaus am Augustenburger Platz 1.

Aufgrund der sehr hohen Nachfrage, auch aus anderen Bundesländern und insbesondere auf Wunsch der in Berlin und in Brandenburg jeweils für die Gesundheitsversorgung verantwortlichen Regierungsstellen und Krankenkassen, wurde das Leistungsvolumen der Herzchirurgie ab 1995 erheblich ausgeweitet.

Als Voraussetzung hierfür waren insbesondere Erhöhungen der Operations- und Intensivbehandlungskapazitäten zu realisieren. Dementsprechende Investitionen zur Erschließung des 6. Operationssaales und Schaffung eines gesonderten Operationsbereiches für Notfälle sowie zur Erhöhung der Intensivbehandlungsplätze wurden im Gesamtrahmen einer umfassenden Umstrukturierung relativ kurzfristig getätigt. Die Intensivbehandlungsbetten erhöhten sich auf eine Gesamtzahl von 50 Einheiten.

In diesen Zeitraum fällt auch die Einrichtung eines umfassenden Datenverarbeitungs- Systems für die elektronische Dokumentation der primären ä rztlichen und pflegerischen Behandlung ('papierlose Krankenakte'), das gleichzeitig auch in die bis dahin bereits vorhandene, hochentwickelte und komplexe IT-System-Anwendungs- und Infrastruktur eingebunden werden musste.

Zunächst wurden die OP- und Intensivbehandlungsbereiche mit diesem System ausgestattet, danach wurde es sukzessive in der gesamten Klinik eingeführt.

Durch Ausbau des Untergeschosses konnten dort beide Herzkatheterlabore konzentriert werden, in funktioneller Nachbarschaft mit dem Thorax- Röntgen und dem Kernspintomographen.

Zusätzlich zu den Entwicklungen im Haupthaus wurden die Bettenkapazitäten für die Herzchirurgie im Charlottenburger Paulinen Krankenhaus am damaligen Standort Eschenallee um eine Station mit 25 Betten erweitert. Diese Station wurde vom DHZB baulich hergerichtet und auch mit dem erforderlichen Überwachungsequipment etc. ausgestattet. Damit war der Beginn einer weitreichenden Zusammenarbeit zwischen den beiden Einrichtungen gegeben.

Das Verwaltungsgebäude des DHZB

Das Verwaltungsgebäude des DHZB

Die investiven Maßnahmen des DHZB waren seit der Realisierung der kinderkardiologischen Station bereits durch erhebliche Finanzierungsanteile aus Eigenmitteln gekennzeichnet. Dieser Trend entwickelte sich aufgrund der abnehmenden Förderkraft des Landes zunehmend weiter.

Auf der Grundlage langfristiger Mietverträge erlangte das DHZB die Nutzungsmöglichkeiten über alle Gebäudeteile des Haupthauses, die bis 1999 noch von der Charité für Zwecke der Aus- und Weiterbildung genutzt werden mussten.

Somit war Raum gegeben, die mittelfristige Organisations-, Funktionsund Raumplanung für das Haupthaus entscheidende Schritte weiter voranzubringen. Hierzu gehörten u. a. die Verlagerung und Neueinrichtung der kardiologischen Ambulanz in den Nord- und Ostflügel und an dem ehemaligen Standort der kardiologischen Ambulanz die Realisierung eines Aufwachraumes mit sechs Überwachungsplätzen in unmittelbarer Anbindung an den Zentral-OP.

Die Funktionsbereiche Herzkatheter und Röntgen im Untergeschoss wurden ergänzt um einen Multi-Slice- Computertomographen und einen 3,0-Tesla-Kernspintomographen. Ein weiteres Herzkatheterlabor wurde eingerichtet.

Das DHZB hat ab dem Jahr 2000 auch sein Engagement im Rahmen der Kooperation mit dem Paulinen Krankenhaus erheblich verstärkt, nachdem das ehemalige British Military Hospital in Charlottenburg-Westend für Zwecke des Paulinen Krankenhauses umgebaut und saniert wurde. Im Jahr 2002 ging die VIP-Station H 8 – 'Andalucía' des DHZB in der Dependance am Dickensweg ebenso in Betrieb wie die vom DHZB ausgestatteten und exklusiv genutzten OP-Säle 11 und 12.

Der Ausbau und die Intensivierung der Kooperation mit dem Paulinen Krankenhaus wurde flankiert durch die Vernetzung der IT-Systeme und Anwendungen einschließlich der digitalisierten Bildarchivierung.

Auf dem Nachbargelände des Haupthauses wurde im Wege der Kooperation mit der Versuchs- und Lehranstalt für das Brauereiwesen das ehemalige Sudhaus langfristig angemietet und für Zwecke der Herzpathologie, Histologie, Homograftgewinnung und Forschung umgebaut und eingerichtet. Im Haupthaus sind die Intensivbehandlungsstationen 1 und 2 aktuell komplett saniert und modernisiert worden, ebenso wie wesentliche Bereiche der Normalstationen H 1 und H 2. Die gesamte Außenfassade wurde renoviert, die technische Infrastruktur den veränderten Anforderungen jeweils angepasst und zukunftsfähig instand gehalten.

Die Sanierung und Modernisierung der zentralen Operationsbereiche ist finanziell abgesichert und in der Planungsphase, ebenso wie die weitere wachstumsorientierte materielle und immaterielle Ausgestaltung des Medizinischen Versorgungszentrums im DHZB (MVZ), das im Jahr 2005 seine Zulassung bekommen hat.

Der hochfunktionale, jedoch gleichzeitig auch sehr heterogene Gesamtbestand aller IT-Systeme, Anwendungen und Infrastrukturen, der sich insbesondere durch innovative Eigenentwicklungen im Rahmen von industriegeförderten Drittmittelprojekten auszeichnet, hat die Grenzen der Wirtschaftlichkeit und der weiteren Ausbaufähigkeit erreicht. Eine weit in die Zukunft ausgerichtete Ersatzbeschaffung und ein dementsprechender Ablösungsprozess sind Bestandteil eines laufenden IT- und Organisationsprojektes im Rahmen der Investitionsplanung.

In der Realisierungsphase befinden sich die Ersatzbeschaffungen für die Herzkatheterlabore, das Upgrade für den Computertomographen sowie die Erweiterung und Modernisierung des Zentrallabors.

Mit der Investitionstätigkeit und -planung, orientiert am Stiftungszweck und damit auf der Grundlage der Stiftungssatzung, konnte bis zum heutigen Zeitpunkt gezielt allen veränderten Anforderungen an den Versorgungsauftrag der Klinik und den sonstigen Wechseln der internen und externen Rahmenbedingungen adäquat Rechnung getragen werden. Die Zentrumsfunktion wurde ausgebaut und der Bestand sowie eine gute Ausgangsposition für weitere Entwicklungsmöglichkeiten in die Zukunft hinein gesichert.

Fortsetzung: Finanzielle Rahmenbedingungen

 
Auszug aus der Jubiläumsbroschüre
20 Jahre Deutsches Herzzentrum Berlin
Mit freundlicher Genehmigung der FR&P Werbeagentur


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Verwaltungsdirektor

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Michael Höhn

Dipl.-Ing.(FH) Thomas Michael Höhn

 

 


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